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Windräder auch auf Skassaer Flur?

Am 24. Mai stellt der Planungsverband vor, wo Windparks möglich sind. Gegner dürften entsetzt sein.

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© Montage/Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Skassa. Das Thema Windkraft rückt näher an die Stadt heran. So könnte man umschreiben, was den Mitgliedern des Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge Ende Mai offeriert wird. Denn da legt der Planungsverband erstmals die Karten offen und präsentiert die möglichen neuen Windkraftgebiete.

Dass Strauch/Stroga wieder auftauchen, dürfte keinen verwundern. Schließlich haben die Windkraft-Betreiber ihr Interesse bekräftigt, dort 200 Meter hohe Windriesen aufzustellen. Wie viele, darüber gibt es keine Aussagen.

Stattdessen will man sich sozusagen Stück für Stück voranklagen. Die Teut Windprojekte GmbH hat gegen den Landkreis Meißen Klage eingereicht. Denn der Kreis hatte den Antrag der Stadt Großenhain auf Unterschutzstellung eines größeren Landstückes nördlich von Großenhain schließlich genehmigt.

Aus Sicht der Windkraft-Lobby ein klarer Fall von unerlaubter Verhinderungsplanung. Aus Sicht der Bürgerinitiative „Wir für unsere Dörfer“ aus Strauch lediglich ein Wiederherstellen alter Zustände. Denn, sagte Sprecher Werner Raddatz damals beim Bekanntwerden dazu, die Zugvögel hätten dort schon immer gerastet und das Vogelschutzgebiet sei früher auch immer in den Karten eingetragen gewesen und dann 2009 urplötzlich „verschwunden“.

Doch der neue Windpark, wie er jetzt nach jahrelangem Hickhack präsentiert wird, kommt der Windkraft-Lobby wohl noch entgegen – er umfasst nicht nur das bisherige Gebiet oberhalb von Stroga, sondern geht in Richtung Treugeböhla sogar noch über die B 101 hinweg, die bisher immer die strikte Grenze darstellte.

Südlich Großraschütz und Skassa

Das dürfte die Touristiker wenig freuen, denn gerade die südliche Spitze ragt am weitesten gen Zabeltitz und damit den Barockpark. Ob der Windpark in der Form kommt, hängt davon ab, wie schlussendlich die Gerichte über die Erweiterung des Landschaftsschutzgebietes entscheiden. Und natürlich davon, ob die Flächeneigentümer verkaufen, auslaufende Verträge nach jahrelangem Streit möglicherweise nicht neu unterschreiben. Das wird auch an ganz anderer Stelle die Gretchenfrage.

Südlich von Skassa. An der Kreisstraße zwischen Zschieschen und Neumedessen, etwa in Höhe zwischen Großraschütz und Skassa, hat der Planungsverband nämlich beidseitig der Straße ein weiteres „Windkraft-Potenzialgebiet“ ausgewiesen. Die Flächen gehören Privatleuten, Gespräche gibt es laut Verbands-Geschäftsführerin Heidemarie Russig aber noch nicht. Es handele sich lediglich um ein mögliches Gebiet, das sich laut den neuen Kriterien ergeben habe. Ob sich dafür Investoren fänden, sei nicht Sache des Verbandes.

Doch genau da ist reges Interesse zu befürchten, denn die angebotenen Flächen in Sachsen sind – im Vergleich zu anderen Bundesländern aus Sicht der Windkraft-Lobby – eher rar. Trotz der zuletzt vieldiskutierten sogenannten „harten“ und „weichen Kriterien“, die den Gegebenheiten vor Ort gerechter werden sollten, hat sich auf der Karte wenig zur vorherigen Planung geändert – jedenfalls nicht zum Besseren, aus Sicht der Kritiker und Bürgerinitiativen. Denn auch der Wald-Windpark Rödern ist wieder einkartiert, ebenso Standorte in Thiendorf, Großdobritz und sogar Colmnitz. Brandburger Verhältnisse also im nördlichen Sachsen und der Grund dürfte lediglich ein Kriterium sein, um das zuletzt immer wieder auch in der politischen Öffentlichkeit gerungen wurde – der Abstand zwischen Windrad und Wohnhaus. Die 10-H-Regelung, derzufolge der Mindestabstand wenigstens das Zehnfache der Nabenhöhe betragen soll, hat Sachsen mit der neuen Koalition von CDU und SPD aufgegeben.

Wie Vorreiter Bayern nun in dieser Sache verfährt, ist eigentlich bereits ohne Belang. Denn Sachsens CDU hat sich längst offiziell davon verabschiedet, ihren Bürgern Mindestabstände zu Windrädern zu verschaffen. Stattdessen heißt es sowohl aus dem Ministerium wie auch aus den Planungsverbänden, man müsse der Windkraft in Sachsen nun endlich Raum geben – daher seien gesetzliche Mindestabstände gar nicht möglich.