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Winfried Stöcker kauft Seegrundstück

In Klein Neundorf ziehen sich die Investoren für ein Feriendorf am Berzdorfer See zermürbt von Widerständen und Problemen zurück. Stöcker hat mehr Zeit.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Sebastian Beutler

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Harald Scheu hat sich an seinen Zeitplan gehalten. 2015, so kündigte der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Berzdorfer See vor knapp zwei Jahren in der SZ an, werde er zusammen mit den drei anderen Gesellschaftern eine Bilanz ziehen, was ihr Engagement am See gebracht hat. Sie muss ziemlich negativ ausgefallen sein. Denn Scheus Firma hat nun die rund 60 Hektar große Fläche südlich von Klein Neundorf verkauft. Auch der Käufer ist in Görlitz und Umgebung gut bekannt: Es ist der Kaufhaus-Retter und Chef der Euroimmun-Gruppe Winfried Stöcker. „Ich habe das Grundstück erworben“, bestätigt er gegenüber der SZ.

Auf einer vorgeschobenen Terrasse befindet sich das Grundstück, das nun der Görlitzer Kaufhau-Retter Winfried Stöcker kaufte.
Auf einer vorgeschobenen Terrasse befindet sich das Grundstück, das nun der Görlitzer Kaufhau-Retter Winfried Stöcker kaufte. © Struktureller Rahmenplan Berzdorfer See

Harald Scheu, dessen Firma in einem Vorort von München ihren Standort hat, redet nicht drumherum. „Wir sind müde geworden von allen Widerständen, die unserem Projekt entgegenschlugen“, sagt er der SZ. „Deswegen haben wir uns von unseren Plänen verabschiedet und ziehen uns komplett vom See zurück.“ Die Pläne sahen ein Feriendorf an dem Westufer vor, mit Obst- und Weingärten, ganzjährig bewohnt, naturnah mit Steuobstwiesen.

Tatsächlich spricht der Strukturelle Rahmenplan, das Grundgesetz des Sees sozusagen, von einem „ganzjährigen Übernachtungstourismus“ an dieser Stelle. „Fünf Jahre haben wir an unserem Vorhaben gearbeitet und festgehalten“, sagt der 70-jährige Scheu. „Aber wir haben nur Gegenwind geerntet.“ Darunter auch von der Bürgerinitiative „Seensucht“. Sie will auf dem Terrassengelände mit bester Aussicht aufs Iser- und Riesengebirge einen Safari-Park einrichten. Dabei trafen sich ihre Vorstellungen mit Ideen des Görlitzer Tierparkdirektors Sven Hammer.

Als im Sommer ein Ökobauer seine Tiere auf der Fläche weiden ließ, sagte Hammer: „Ich würde den Berzdorfer See gern als großen europäischen Wildpark etablieren.“ Hammers Gedanke steht bei der Bürgerinitiative noch immer hoch im Kurs. Das erklärt nun deren Sprecher Andreas Müller aus Klein Neundorf. Deswegen ist er auch zurückhaltend bei der Beurteilung des Eigentümerwechsels. „Sollte auch Herr Stöcker eine umfangreiche Bebauung für das Gelände vorsehen, dann wäre es nicht erfreulich“, sagt Müller. Bislang habe sich der Unternehmer nicht als ein Verfechter für eine Landschaftsgestaltung an diesem Teil des Sees positioniert, der für alle offen zugänglich bleibt. Tourismus-Experte Johann-Friedrich Engel hatte noch andere Pläne mit dem Gelände. Er kann sich in seiner Leitidee für den See eine Reha-Klinik dort vorstellen.

Was Stöcker nun mit der Fläche vorhat, ist noch nicht bekannt. Er könne über seine Pläne im Augenblick nicht mehr verraten, sagt er der SZ. Beobachter am See halten zwei Möglichkeiten für wahrscheinlich. Stöcker will auf der Neuberzdorfer Höhe ein Forschungs- und Entwicklungszentrum mit angeschlossenem Kongresshotel für sein Unternehmen bauen. Dafür eine Genehmigung zu bekommen, wird aus Gründen des Naturschutzes und der Regionalplanung schwierig. Stöcker könnte nun das neue Grundstück als Ausgleichsfläche für nötige Rodungen für sein Zentrum ins Spiel bringen und so die Regionalplaner für sein Projekt günstiger stimmen. Sollten sich aber die Pläne auf der Neuberzdorfer Höhe gänzlich zerschlagen, dann könnte Stöcker auch versuchen, sein Zentrum in Klein Neundorf zu errichten. Rund fünf Hektar Fläche soll es auf der Neuberzdorfer Höhe umfassen – etwa genauso groß sollte die Ferienhaussiedlung in Klein Neundorf ausfallen; der Großteil des Geländes sollte sowieso nicht bebaut werden. Aber bislang ist das alles Spekulation.

Die Pläne der Investorengruppe um Scheu waren freilich nicht nur durch Bürgerinitiativen erschwert worden. Generell scheint es auch sehr aufwendig zu sein, Baurecht auf dem Gelände zu bekommen. Zwar wurde das entsprechende Verwaltungsverfahren begonnen, doch ist es nicht über die ersten Schritte hinausgekommen. Zwischenzeitlich hatte es Sorge gegeben, dass die Standfestigkeit an dieser Stelle Probleme bereiten könnte. Das sollte auch ein Gutachten klären. Schließlich ist das Land noch immer als landwirtschaftliche Nutzfläche festgelegt und es unterliegt dem Bergbaurecht.

All diese Probleme freilich hatte Harald Scheu immer als lösbar beschrieben. Fataler, so resümiert er nun, habe sich aber die Unentschlossenheit der Stadt Görlitz ausgewirkt. Das Gelände liegt auf deren Territorium. So gibt es bislang noch keine Festlegung, ob die Stadt nicht nur ganzjährigen Tourismus, sondern auch ganzjähriges Wohnen am See erlauben wird, mithin neue Görlitzer Stadtteile am See entstehen werden. „Wir haben kaum Unterstützung von der Stadt erfahren“, klagt nun Scheu. „Unter Deinege habe sich ähnlich wie bei seinem Vorgänger nichts bewegt. Egal, was Winfried Stöcker mit dem Gelände bei Klein Neundorf machen wird. Er erbt auch die Probleme gleich mit. Doch muss er sie nicht gleich lösen. Erst in einem bis eineinhalb Jahren sollen die Pläne für das Euroimmun-Institut auf der Neuberzdorfer Höhe zur Genehmigung vorliegen. Erst weitere drei Jahre nach der Genehmigung will Stöcker mit dem Bauen beginnen. Der Mann wird im Januar 69 Jahre alt.