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Winnetou soll junge Menschen begeistern

Radebeul ist für Karl-May-Freunde so etwas wie ein heiliger Ort. Hier hat der Schriftsteller gelebt und viele seiner Wild-West-Fantasien zu Papier gebracht. Nun widmet sich ein Kongress den Fans von morgen.

© dpa

Radebeul. Abenteuerautor Karl May (1842-1912) soll auch im Zeitalter von Harry Potter unsterblich bleiben. Von diesem Freitag an möchte die Karl-May-Gesellschaft auf ihrem 22. Kongress in Radebeul auch der Frage nachgehen, wie junge Menschen wieder für das Werk des Dichters begeistert werden können. Denn Mays Helden wie Winnetou und Old Shatterhand drohen bei starker Konkurrenz von Hobbits und Avataren in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Die Fantasiewelt von Jugendlichen habe sich verlagert und erstrecke sich nicht mehr auf Prärie und Wüste, sagte Johannes Zeilinger, Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft, am Mittwoch in Radebeul: „Dass es mal wieder so wird, wie es war, ist eine Illusion.“ Dennoch wolle man Karl May für die Nachwelt bewahren.

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Experten wie der Berliner Literaturwissenschaftler Thomas Kramer sehen dafür gute Chancen. Mays Sprache sei auch der heutigen Generation verständlich: „Sie ist prägnant und komplex. Kurze Sätze, ein guter Spannungsaufbau, genau wie bei Jules Verne“, sagte der Professor und Privatdozent der Berliner Humboldt-Universität. Allerdings würden der Jugend heute Denk- und Erfahrungswelten von Mays Protagonisten fehlen. Exotisches sei vielen jungen Leuten heute nicht mehr fremd: „Die Reise nach Amazonien kann man jetzt bei Aldi buchen.“ Kramer empfiehlt May dennoch als nützliche Literatur. Sie könne nicht nur Wissen vermitteln, sondern sei auch aus ethischen Gesichtspunkten wertvoll. May habe zwar auch Vorurteile und Rassismen seiner Zeit in sich gehabt, zugleich aber ein „Christentum der Tat und der Nächstenliebe“ gepredigt.

In den enormen Besucherzahlen der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg - in diesem Jahr strömten mehr als 320 000 Menschen zu den Aufführungen - sieht die Karl-May-Gesellschaft einen Hoffnungsschimmer. Die Buchbranche hat sich unterdessen auf neue Mediengewohnheiten eingestellt und bietet fast alle May-Bände auch als eBook an, einige auch als Hörbuch. „Es geht darum, Karl May ins 21. Jahrhundert mitzunehmen“, sagte Zeilinger.

Der Kongress dauert bis Sonntag. Die Karl-May-Gesellschaft wurde 1969 gegründet und trifft sich alle zwei Jahre zum Kongress. Sie möchte Leben und Werk von Karl May erschließen, erforschen, bewahren und dokumentieren. Derzeit hat sie knapp 1700 Mitglieder in 30 Ländern. Die meisten stammen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Der im sächsischen Hohenstein-Ernstthal geborene Autor schrieb mehr als 80 Romane. Etwa 60 davon wurden weltweit in 36 Sprachen übersetzt. Wesentliche Teile des Gesamtwerkes verfasste er in Radebeul, wo er von 1895 bis zu seinem Tod lebte. (dpa)