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Winterfalle Burkauer Berg

Bei Schnee und Eisglätte wird der Autobahnabschnitt regelmäßig zum Problem. Dabei müsste das gar nicht sein.

© Rocci Klein

Von Jana Ulbrich

Burkau/Rödertal. Es ist einfach nur eine Kopfsache, sagt Martin Hottinger: Ein Lkw-Fahrer hofft, dass er noch raufkommt auf den Berg. Er gibt Gas, bis die Räder an dem langen Anstieg irgendwann durchdrehen. In dem Moment ist Schluss. Der nachfolgende Lkw-Fahrer erkennt das Problem. Er hofft, dass er es besser macht, und zieht noch rüber auf die Überholspur. Bis auch sein Laster nicht mehr weiterkommt. Und wenn es dann auch noch der Dritte versucht, sind alle drei Fahrspuren dicht.

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Martin Hottinger zieht die Stirn in Falten: „So ist es immer am Burkauer Berg“, sagt der Leiter des Bautzener Autobahnpolizeireviers. Und so war es auch wieder regelmäßig in den vergangenen Nächten. Gleich mehrmals verursachten die liegen gebliebenen Laster in beiden Fahrtrichtungen teils stundenlange Staus. Die Polizei musste die Fahrbahn in Richtung Dresden zwischen Burkau und Ohorn sogar kurzzeitig lang komplett sperren. Auch in der Gegenrichtung gab es lange Staus. Zum Teil blockierten die Laster die Autobahn derart, dass auch für den Winterdienst kein Durchkommen war.

„Unser erstes Räum- und Streufahrzeug hat fast eine Stunde gebraucht, um überhaupt erst einmal an den Burkauer Berg heranzukommen“, erzählt Ronny Hamann, der Leiter der Autobahnmeisterei Weißenberg. Im Winter sind seine Mitarbeiter besonders auf eine breite Rettungsgasse angewiesen. „Das müssen auch alle im Kopf haben“, sagt Hamann: „Wenn wir nicht durchkommen, dann kann der Stau sich auch nicht auflösen.“

Lieber auf dem Rastplatz warten

Dabei wird der Burkauer Berg vom Winterdienst sogar doppelt betreut. Hier trifft sich der Zuständigkeitsbereich der Weißenberger Autobahnmeisterei mit dem der Dresdener. „Unsere Räumschleifen überlagern sich in diesem Abschnitt ganz bewusst“, sagt Hamann. „Dadurch können wir im Extremfall aller halben Stunden vor Ort sein.“

So eine halbe Stunde müsse ein Lkw eben auch mal warten können, findet Autobahnpolizist Hottinger. Ihn ärgert das Verhalten der Fahrer, die es immer wieder unbedingt darauf ankommen lassen müssen: „Die Wetterlage war doch allen bekannt“, sagt er. Die Schneefront und der nachfolgende Temperaturrückgang waren lange angekündigt. Der Wetterdienst hatte umfangreich gewarnt. So eine Situation könnten die Fahrer auch auf dem Rasthof abwarten und zur Not auch mit der Warnblinkanlage auf dem Standstreifen. Eine solche Situation gilt als Notlage, dafür ist die Standspur da, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar.

Und dann ist da noch die Sache mit der Bereifung. Auch diesmal gab es unter den liegen gebliebenen Fahrzeugen wieder mehrere ohne Winterreifen. Winterreifen sind in Deutschland nicht generell Pflicht, sonder nur dann, wenn die Straßenverhältnisse es erfordern. Martin Hottinger sieht das kritisch. „Wir kontrollieren zurzeit verstärkt“, sagt er. „Strafen zahlen müssen die Fahrer aber nur bei Schnee und Eisglätte.“

Schon seit Jahren wird darüber diskutiert, ob und wie sich der Burkauer Berg wintersicherer machen lässt, sagt Hottinger, beispielsweise über den Bau einer stationären Feuchtsalzanlage. Bisher wurden solche Vorschläge aber immer wieder verworfen, weil Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stünden. „Wir können nur immer wieder an die Vernunft der Fahrer appellieren“, sagt der Revierleiter. „Nicht nur an die der Lkw-Lenker“.