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Winterflaute nicht mehr so schlimm wie früher

Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist im Januar gestiegen. Doch Agenturchef Hansen sieht Besserung in wenigen Wochen.

© Felix Kästle/dpa

Von Georg Moeritz

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Fast 20 000 Sachsen haben im Januar ihre Stelle verloren und sich arbeitslos gemeldet. Vor allem bei Männern ist die Arbeitslosigkeit gestiegen. Auf dem Bau, im Transportwesen und in Gaststätten gibt es jetzt weniger zu tun. Außerdem sind zum Quartalsende viele befristete Verträge und Jobs aus dem Weihnachtsgeschäft beendet worden. Doch Klaus Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, erwartet „in wenigen Wochen einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit“. Eine Winterflaute sei üblich, deshalb mache er sich keine Sorgen.

Laut Hansen ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar wegen des milden Winters geringer ausgefallen als in den vergangenen zehn Jahren. Sachsens Arbeitsmarkt sei „in einer wirklich guten Grundverfassung“. Rund 7 500 zuvor arbeitslose Sachsen bekamen im Januar eine Stelle.

Unterschiede: Große Quote in Görlitz, kleine in Radebeul und Dippoldiswalde

In Sachsen sind nun 141 561 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind etwa 12 000 mehr als im Dezember, aber fast 20 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist innerhalb eines Jahres von 7,6 auf 6,7 Prozent gesunken – allerdings mit großen Unterschieden innerhalb Sachsens. In der Stadt Görlitz ist laut Hansen die Arbeitslosenquote mit 9,5 Prozent weiterhin am höchsten. Dagegen melden die Agenturen in Dippoldiswalde und Radebeul jeweils 4,5 Prozent. Auf dem Lande ist die Winterflaute stärker als in der Stadt.

In Deutschland insgesamt sind 2,57 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Bei diesen Zahlen fehlen allerdings die Arbeitsuchenden, die gerade zum Beispiel eine Weiterbildung machen oder einen Ein-Euro-Job haben. In Sachsen sind derzeit rund 48 500 Menschen laut Behörde in „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“.

Freie Stellen: Die meisten sind keine Leiharbeit

Trotz Winterflaute haben sächsische Betriebe im Januar mehr als 8 000 freie Stellen bei den Arbeitsbehörden angemeldet. Das waren zwar etwas weniger als vor einem Jahr, aber der Bestand an freien Stellen ist nun auf über 36 000 gestiegen. Das sind gut 4 400 mehr als vor einem Jahr. Fast ein Drittel der angebotenen Stellen kommt von Leiharbeitsfirmen, aber der größte Teil direkt aus anderen Branchen: Einen hohen Bedarf haben laut Hansen Betriebe aus der Industrie mit rund 5 000 angebotenen Stellen in Sachsen. Das Gesundheits- und Sozialwesen meldet rund 3 400 Stellen, der Handel 3 000, das Baugewerbe gut 2 500 Stellen. Fast 2 000 freie Stellen sind bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen bekannt, und 1 600 im sächsischen Gastgewerbe.

Beschäftigung: Stärkster Zuwachs in Berlin

Unterschiedliche Angaben kommen von Arbeitsagentur und Statistischem Landesamt, wenn es um das Beschäftigungswachstum geht. Laut Arbeitsagentur waren im November 1,61 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein Zuwachs von 31 800 innerhalb eines Jahres. Dagegen berichtet das Statistische Landesamt, die Zahl der Erwerbstätigen sei voriges Jahr im Durchschnitt um 18 000 gestiegen, auf 2,053 Millionen Menschen. Demnach gab es einen starken Zuwachs an Stellen mit Sozialversicherung, während Minijobs und Selbstständigkeit zurückgingen.

Insgesamt stieg die Erwerbstätigkeit in Sachsen um 0,9 Prozent. Das war aber weniger als in Deutschland insgesamt mit 1,5 Prozent. Den stärksten Zuwachs meldete Berlin: 2,9 Prozent mehr Erwerbstätige. In Sachsen-Anhalt gab es kaum Zuwachs. Die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft schrieb, die hohe Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sei auch an den Löhnen ablesbar. In Sachsens Metall- und Elektroindustrie seien die Entgelte innerhalb eines Jahres um rund fünf Prozent gestiegen.

Flüchtlinge: Keine Sprachkurse für Geduldete

Die Bundesagentur hofft, dass eine neue Bundesregierung bis Juni ihren finanzpolitischen Kurs absteckt. Sonst könnten die Jobcenter nicht über 2018 hinaus planen. Behördenchef Detlef Scheele setzt darauf, dass die Regierung auch Sprach- und Integrationskurse für geduldete Flüchtlinge ermöglicht. Derzeit sei es den Jobcentern untersagt, diese Flüchtlingsgruppe berufsbezogen zu beraten und zu fördern. (mit dpa)