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Winterliche Rummser

Der Schneefall hat das Elbtal in eine Märchenlandschaft verwandelt. Doch nicht zur Freude der Autofahrer.

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© Feuerwehr Glaubitz

Von Peter Anderson, Jörg Richter und Peter Redlich

Landkreis. Kurz nach 2 Uhr wecken die Sirenen am Dienstagmorgen ganz Glaubitz auf. Hier dürfen die Einwohner noch teilhaben, wenn ihre Feuerwehr ausrückt. Die Feuerwehrleute selbst wissen Bescheid. Ihre schrillen Piepser haben sie einige Sekunden eher aus dem Schlaf gerissen. Auf ihren Mini-Bildschirmen lesen sie: „VKU Großenhainer Straße“ – Die Abkürzung VKU steht für Verkehrsunfall. „Es war fast schon zu erwarten, dass beim ersten Schnee etwas passiert“, sagt der Glaubitzer Gemeindewehrleiter Martin Reichstädter, als er und elf weitere Feuerwehrmänner am Unfallort eintreffen.

Dass der Unfall am Ortseingang aus Richtung Wildenhain passiert ist, verwundert die Kameraden nicht. Die Kurve auf der Bundesstraße 98 ist im Sommer eine beliebte Blitzerstelle für die Polizei. Im Winter wird sie zur heimtückischen Rutschpiste. Meist bei Neuschnee. Und meistens für junge, unerfahrene Autofahrer.

Kein Risiko eingehen

So ist es auch diesmal. Ein 19-Jähriger aus dem Ort war mit seinem VW Golf auf der leicht abschüssigen Bundesstraße offensichtlich zu schnell unterwegs gewesen. Die Spuren auf der frisch verschneiten Fahrbahn sind der Beweis. Sie zeigen, dass der Jugendliche die Kurve geschnitten hatte und danach mit seinem Auto ins Schlingern geriet. Seine Fahrt endete auf dem gegenüberliegenden Radweg. Von dem Unglück hätte wahrscheinlich keiner etwas bemerkt, wenn er nicht über ein Betonrohr am Straßenrand geholpert wäre. Der Motor ist aufgeschlitzt, die Alufelgen dahin. Unter dem Golf tut sich eine Öllache auf.

Der Unfall in Glaubitz ist einer von insgesamt knapp einem Dutzend Unfällen, die sich laut Polizei seit Montagabend im Großraum Dresden bis hin nach Riesa ereignet haben. Zumeist waren Pkw betroffen. Die Schäden hielten sich in Grenzen. Die übergroße Mehrheit der Autofahrer passte sich den Straßenverhältnissen an.

Von schnellen Schlenkern oder kühnen Überholmanövern würde er abraten. So formulierte es am Dienstagvormittag beispielsweise ein DHL-Paketauslieferer, der mit seinem Auto im Elbland unterwegs war. So sei es zum Beispiel auf dem Hochland rund um den Auer recht glatt.

Auf vielen Straßen Rutschgefahr

Am Dienstagmorgen hatte der Wecker für viele Autofahrer in Meißen und Umgebung etwas früher geklingelt. Das Auto musste erst von Schnee und Eis befreit werden. Einer Umfrage der SZ unter Frühaufstehern zufolge bestand vor allem in den frühen Stunden des Tages auf vielen Straßen Rutschgefahr. Der Winterdienst bemühte sich, in erster Linie die Bundesstraßen und wichtigen Einfahrtsschneisen in die Städte freizuhalten. Nicht immer gelang das. Die Meißner Straße etwa war im Bereich Radebeul in den Morgenstunden noch nicht beräumt. Nebenstraßen kamen später oder auch gar nicht dran.

Wer mit der Linie 4 in Richtung Radebeul und Dresden zur Arbeit unterwegs war, wurde an der Obi-Kreuzung in Naundorf gestoppt. Ein Pkw-Fahrer konnte sein Auto nicht auf der Straße halten und war ins Gleisbett gerutscht. Aus eigener Kraft kam das Fahrzeug nicht auf die Straße zurück. Die Strecke war von 5 bis 6.30 Uhr blockiert, sagt Verkehrsbetriebesprecher Falk Lösch. Lösch: „Wir haben die Bahnen nur noch bis Radebeul-West verkehren lassen und nach Weinböhla einen Ersatzbus organisiert.“ 6.31 Uhr sei die Straßenbahn wieder normal gerollt.

S-Bahn mit kleineren Verspätungen

Kurz nach 9 Uhr kam es am Stadtausgang von Radebeul nach Coswig zu einem weiteren Rutscher. Diesmal war ein großer Lastwagen von der Straße geglitten. Auch der Lkw konnte nicht mehr mit eigener Kraft zurück auf die Straße gelangen. Polizeistreifenbesatzungen sicherten die Stelle gegenüber dem Löma-Center, bis der Laster wieder freigeschleppt war. Wesentliche Verkehrsbehinderungen gab es auf der Meißner Straße allerdings nicht. Auch die S-Bahn im Elbtal fuhr SZ-Informationen zufolge weitgehend pünktlich auf der Linie 1. Nach Angaben der Marketing-Chefin des Verkehrsverbundes Oberelbe Gabriele Clauss kam es im Berufsverkehr lediglich zu kleineren Verspätungen.

Ähnlich fiel die Analyse durch den Betriebsleiter der Verkehrsgesellschaft Meißen Jörg Weinhardt aus. Im Auto habe er am Morgen noch gedacht: „Na, das kann ja heiter werden.“ Die schweren Busse des Unternehmens hätten jedoch sicher ihren Weg durchs Elbland absolviert. Bis auf kleinere Verspätungen von drei bis vier Minuten konnte der Verkehr planmäßig abgewickelt werden, kamen alle Schüler pünktlich zum Unterricht, so Weinhardt.

Schneeschieber verbilligt

Aus Sicht der Winterdienste in Stadt und Kreis stellte der Wintereinbruch am Dienstag eher eine Art Generalprobe dar. Der Meißner Bauhof habe sein Programm problemlos abgespult, sagte am Dienstagnachmittag Stadtsprecher Philipp Maurer. Ab 4 Uhr morgens bis 20 Uhr abends seien zwei Fahrzeuge vom Typ Unimog mit Feuchtsalzstreuer auf den Straßen und ein Fahrzeug mit Splittstreuer auf den Gehwegen der Brücken im Einsatz gewesen. Die Tourenpläne waren so aufgebaut, dass gefährliche, wichtige und unübersichtliche Stellen sowie die Busstrecken zuerst bearbeitet wurden, bevor das Nebenstraßennetz mit zwei Multicars an die Reihe kam.

Wer privat vor der eigenen Haustür den Winterdienst noch erledigen muss, für den haben die hiesigen Baumärkte reichlich Gerät, offenbar auch noch vom milden letzten Winter. Weil viele der Räumgeräte nicht abgingen, sind einige verbilligt.