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Wintersport leidet unter Klimawandel

Erst der heiße Sommer, nun noch ein milder Oktober. Die Konsequenzen sind „dramatisch und beängstigend“.

© dpa

Von Patrick Reichardt und Maximilian Haupt

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Rupprich geht in die sechste Saison 

Mit Steven Rupprich bleibt ein weiterer Stammspieler der vergangenen Jahre dem Team von Eislöwen-Cheftrainer Bradley Gratton erhalten. 

Der sehnlichste Wunsch von Alpin-Direktor Wolfgang Maier sollte sich doch noch erfüllen. „Wir lechzen nach Schnee, weil wir einen regelrechten Mangel hatten. Die Alpinen müssen auf Schnee“, rief Maier vor etwa eineinhalb Wochen beinahe flehentlich in den mit Wintersportlern gefüllten Raum. Es stand nach einem ungewöhnlich warmen Oktober lange die Absage des traditionellen Auftakt-Weltcups in Sölden zu befürchten. Das Männer-Rennen fiel dann am Sonntag tatsächlich aus. Der Grund: zu viel Schnee. Die Sicherheit auf dem Rettenbachgletscher im österreichischen Ötztal könne nicht garantiert werden, hieß es.

Der Klimawandel stellt nicht nur die Politik und die Konsumenten, sondern auch den Wintersport vor große Herausforderungen. Die Bilder aus Sölden können darüber nicht hinwegtäuschen, denn Weltcup-Rennen in diesen Höhenregionen sind eine absolute Ausnahme. Ehemalige Wintersport-Größen sind besorgt. „Die Entwicklung ist wirklich dramatisch und beängstigend“, sagte Ex-Rennfahrer Christian Neureuther. Wo sein Urgroßvater früher noch die Gletscher der Alpen vermessen hatte, sei heute oft nichts mehr. Neureuther Senior fordert, den beliebten Auftakt in Sölden in den November zu verlegen, falls die Entwicklung anhält. „Es geht um Bilder mit natürlichem Schnee und Bergen, die zum Urlaub einladen. Es hilft dem Skisport nichts, wenn neben den Pisten nur Steine und Felsen zu sehen sind“, erklärte er.

Von Kombinierern über Biathleten bis zu Alpinen: Die Wintersportler merken immer mehr, was aus ihren Domizilen wird – und bereits geworden ist. Als „erschreckend“ empfindet Kombi-Olympiasieger Eric Frenzel die Entwicklung. „Wenn ich als Jugendlicher auf dem Dachstein-Gletscher unterwegs war, konnte ich direkt an der Bahn die Ski anschnallen und loslaufen. Jetzt muss man erst eine Weile unterwegs sein, bis man an die Loipen kommt“, berichtet Frenzel.

Der Schneemangel beeinflusst vor allem die Alpinen. Mehr als andere Sportarten sind sie auf Schnee angewiesen und können nicht so leicht wie Biathleten (auf Skirollern) oder Skispringer (auf Matten) umsteigen. „Man muss immer kreativer sein“, erklärte Fritz Dopfer. Er nennt selbst die Alternativen: Argentinien oder Neuseeland. Alpin-Direktor Maier fügte an: „Wir haben das erste Mal in dieser Saison überlegt, ob wir nicht eine Base in Südamerika aufschlagen, weil da der Winter gut war.“

Schneedepot trotz Sommerhitze

Der Wintersport ist noch ein ganzes Stück davon entfernt, dass der Klimawandel den Kalender umkrempelt. Absagen wegen zu wenig Schnee oder zu warmen Temperaturen waren in den vergangenen Weltcup-Jahren eine Ausnahme.

Dennoch war der Schnee in den vergangenen Wintern zumindest in Mitteleuropa oft das große Sorgenkind. Die Oberhofer kennen das Problem. 2006 bewahrten nur Lkw-Ladungen mit Crushed-Eis aus einem Fischlager in Bremerhaven vor einem vorzeitigen Ende der Veranstaltung, 2016 musste der Biathlon-Weltcup komplett abgesagt werden. Das soll nie wieder passieren, deshalb wurde vorgesorgt mit einem Schneedepot, das selbst der Sommerhitze standhält. Auch der Weltcup der Kombinierer in Klingenthal im Januar 2015 war wegen Schneemangels und Temperaturen bis 15 Grad abgesagt worden. Bei der Premiere des Skilanglauf-Weltcups am Dresdner Elbufer, die von Umweltschützern kritisch beäugt wurde, war der in einer Halle am Flughafen produzierte Kunstschnee knapp geworden. Das ist auch ein Grund, warum die Strecke bei der Neuauflage am 12./13. Januar 2019 auf 800 Meter verkürzt wird.

Auf den Schanzen der Weltcup-Szene wurden bereits Maßnahmen ergriffen. Die Anlagen in Mitteleuropa verfügen über ausreichende Schneedepots und können möglichen Mangel so schnell und einfach kompensieren. Dabei geht es nur um die Bedeckung des Auslaufs, in der Anlaufspur wird kein Schnee mehr benötigt.

„Wir haben nicht diesen Druck der permanenten kalten Temperaturen.“, erklärte Horst Hüttel, der beim Deutschen Skiverband Sportlicher Leiter für Skispringen und die Nordische Kombination ist. Heißer Sommer, warmer Oktober? Die Schanzen-Asse nehmen es gelassen. „Wenn eine Disziplin am besten damit umgehen kann, ist es unsere. Wir freuen uns auf den Schnee, kommen aber auch gut ohne zurecht“, kommentierte Hüttel. (dpa mit SZ)