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Winzer wegen Vorgehen der Genossenschaft gespalten

In der Winzergenossenschaft wird belasteter Wein für den Eigenbedarf verkauft. Das sorgt für Diskussionen.

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© Archiv/Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Zum Sonderpreis von 2,50 Euro können Mitglieder der Meißner Winzergenossenschaft Flaschen eines 2014er Rivaner (Müller Thurgau) in der Vinothek kaufen. Allerdings ausschließlich für den Eigenverzehr, so heißt es in einer Mitteilung des Geschäftsführers an die Mitglieder. Denn die Abfüllung für den Rivaner trägt Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in sich. Die sind zwar für die Gesundheit unbedenklich. Trotzdem dürfe der Wein keinesfalls verschenkt oder verkauft werden (SZ berichtete).

Das durchaus legale Vorgehen ruft unter Meißner Winzern geteilte Reaktionen hervor. „Das Angebot mag rein rechtlich sauber sein. Trotzdem finde ich es nicht in Ordnung“, sagt etwa Winzer Jan Ulrich vom gleichnamigen Weingut in Diesbar-Seußlitz. Der Brief an die Mitglieder bringe nur unnötig neuen Stoff, um über belasteten Wein aus Meißen zu diskutieren. Ulrich befürchtet außerdem, dass es niemand wirklich kontrollieren könne, ob Mitglieder den Wein tatsächlich nicht verkaufen oder verschenken. Er, der selbst große Mengen von mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigten Wein freiwillig vernichtet hatte, würde das auch für andere belastete Weine erwarten. Ähnlich sieht es Alexandra Prinzessin zur Lippe vom Weingut Schloss Proschwitz. Dass belasteter Wein für Geld verkauft wird, finde sie „sehr befremdlich“. Das passe zu dem wenig einsichtigen Vorgehen der Winzergenossenschaft beim Thema verunreinigter Wein.

Zwiespältig sieht die durch das Umweltamt genehmigte Aktion der Genossenschaft auch Gottfried Herrlich vom Weingut Vincenz Richter. „Ein richtig oder falsch gibt es aus meiner Sicht in dieser Sache nicht. Solange es nicht gegen geltendes Recht verstößt, kann es die Genossenschaft so halten.“ Das Vorgehen sei zumindest ehrlich und der Geschäftsführer Lutz Krüger spiele mit offenen Karten. Schließlich sei ja kein Mitglied gezwungen, sich eine Flasche des betroffenen Weins zu kaufen. Er persönlich würde sich aber keine Flasche besorgen, so Herrlich – auch nicht für 2,50 Euro. Große Aufregung unter den hiesigen Winzern habe er jedenfalls wegen des Briefes der Genossenschaft nicht wahrnehmen können.