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Döbeln

„Wir bauen ein künstliches Schwein“

Der Versuch in Naundorf bei Erlau wird von der Universität Rostock begleitet. Das Team der Uni um Professorin Petra Wolf hat schon Erfahrung mit Algen.

Petra Wolf ist seit Dezember 2014 Professorin für Ernährungsphysiologie und Tierernährung an der Universität Rostock
Petra Wolf ist seit Dezember 2014 Professorin für Ernährungsphysiologie und Tierernährung an der Universität Rostock © Daniel Hermann

Das Team um Petra Wolf von der Universität Rostock begleitet den Versuch in Naundorf bei Erlau wissenschaftlich. Der DA sprach mit der Professorin für Ernährungsphysiologie und Tierernährung.

Frau Wolf, wie kommt es, dass eine fast 450 Kilometer entfernte Universität in ein Projekt in Naundorf in Mittelsachsen involviert ist?

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Gemeinsam mit der Firma Gicon wollten wir schon einmal ein Projekt anschieben. Wir kannten uns daher und haben uns nun auf die neue Ausschreibung des Sächsischen Ministeriums hin beworben. Ich begrüße es sehr, dass dabei nicht nur Leute aus der Uni mitwirken, sondern auch aus der Praxis. Diese bringen eine andere Sichtweise in die Forschung.

Was ist aus Sicht der Forschung das Besondere an den Mikroalgen?

Wir sind auf der Suche nach einer alternativen Eiweißquelle. Die Bevölkerung wächst, aber die landwirtschaftliche Nutzfläche wächst nicht in gleichem Maß mit. Dadurch entsteht eine Eiweißlücke. Mikroalgen kennt jeder. Das ist das Grün in der Glasvase. Und wir haben uns gefragt, ob man diese nicht auch nutzen kann.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit (Mikro)algen gesammelt?

Wir haben schon einmal einen Versuch mit Rotalgen begleitet. Diese wurden in Forellenfutter mit reingemischt. Von den Forellen, die sonst Fischmehl bekommen, wurde das gut angenommen.

Wie sieht ihre Aufgabe nun konkret bei der Agraset-Agrargenossenschaft aus?

Wir werden zunächst 2020 das Invitro-Verfahren etablieren. Den Tieren soll Kot entnommen werden. Dieser kommt in eine Umgebung, in der dieselbe Temperatur herrscht, wie in dem Schwein. Wir bauen sozusagen ein künstliches Schwein. Die Bakterien in dem Kot arbeiten dort weiter. Sie erhalten eine kleine Menge Mikroalgen, die wir von der Firma Gicon beziehen. Damit können wir sehen, wie die Mikroalgen verarbeitet werden. Diese Ergebnisse können wir dann mit denen der Fütterung in Naundorf vergleichen.

Wie oft werden Sie in Naundorf sein?

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Wir werden regelmäßig vor Ort sein. An dem Projekt arbeiten neben mir noch zwei Studierende und eine wissenschaftliche Hilfskraft mit. Ich finde es gut, dass die Studenten mit dabei sind und nicht nur Frontalunterricht vor der Tafel haben. Sie bringen immer auch mal neue Ideen mit rein.

Das Gespräch führte Maria Fricke.