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„Wir bauen keine Flüchtlingsunterkünfte“

Pläne für ein neues Hochhaus in Dresdens Johannstadt stoßen auf Widerstand. Der Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WID fühlt sich ausgebremst.

© Visualisierung: WID

Von Andreas Weller

Bislang ist es nur ein Plan, der zu einer hitzigen Debatte führte. An der Florian-Geyer-Straße 13 soll ein weiteres Hochhaus entstehen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WID will in der Johannstadt einen 16-Geschosser errichten, der so hoch sein soll wie die drei Hochhäuser im Umfeld. Davor ist ein Siebengeschosser vorgesehen. So können auf einen Schlag 132 Wohnungen entstehen, die Dresden laut WID-Chef Steffen Jäckel dringend braucht.

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Nach dem Bekanntwerden der Pläne folgte eine heftige Diskussion. Anwohner der umliegenden Häuser beschwerten sich, brachten eine Petition ein. Sie fürchten um ausreichend Frischluftzufuhr, eine Verschandelung des Blicks, und es gab auch Bedenken, dass zu viele Flüchtlinge in die Nachbarschaft ziehen könnten. „Die Bedenken sind nachvollziehbar“, so Jäckel. Aber es werde schließlich Platz für Wohnungen in Dresden benötigt, da die Einwohnerzahl steigt. So viele unbebaute Grundstücke gibt es nicht mehr. „Dort flachere Bauten hinzustellen, wäre falsch“, ist Jäckels Meinung. Für die Kaltluftschneise seien Zehngeschosser eher ein Problem als richtige Hochhäuser. Die geplanten Gebäude fügen sich zudem in die bestehende Bebauung ein.

Da es auch Bedenken gebe, dass dort fast nur Migranten einziehen werden, stellt Jäckel klar: „Wir bauen keine Flüchtlingsunterkünfte.“ Die Aufgabe der WID sei es, Wohnungen für etwa 20 Prozent der Dresdner zu bauen, die derzeit keine Wohnungen auf dem freien Markt finden. „Das betrifft vor allem Familien und ältere Menschen“, so Jäckel.

Nur für Dresdner mit Wohnberechtigungsschein dürfe die WID bauen, da sie als neue Gesellschaft der Stadt nicht in den freien Markt eingreifen darf. Das seien aber keinesfalls überwiegend Hartz-IV-Empfänger. „Weniger als die Hälfte erhalten Transferleistungen“, erklärt Jäckel. Vielmehr gehe es um Dresdner, die ihre Familien mit schlecht bezahlter Arbeit durchbringen müssen. „Flüchtlinge haben erst einen Zugang zu unseren Wohnungen, wenn sie eine Aufenthaltsgenehmigung oder das Bleiberecht haben“, stellt der WID-Chef klar.

Die ganze Debatte laufe in eine falsche Richtung. „CDU und auch zum Teil die SPD argumentieren dagegen. Und das, obwohl sie von Anfang an dabei waren und beim vorangegangenen Wettbewerb dafür gestimmt haben.“ Das Argument der CDU, Sozialwohnungen würden den Stadtteil Johannstadt überfordern, weil es dort bereits viele Sozialfälle gebe, lässt Jäckel nicht gelten. „Das Hochhaus nicht zu bauen, wäre ein Armutszeugnis für Dresden. Ich kämpfe weiter für den Standort.“

Zudem komme die Diskussion zu einer sehr schlechten Zeit, da der soziale Wohnungsbau laut Jäckel hinterherhinkt. Die Gesellschaft besteht erst seit einem Jahr. „Davor gab es viel zu lange Diskussionen über die Rechtsform unter einigen Politikern“, kritisiert Jäckel. Geplant ist, bis 2021 mindestens 800 neue Wohnungen zu bauen. Dabei spielt der Standort Johannstadt eine wichtige Rolle. Ab Mitte 2019 wird laut Plan mit dem Hochhaus begonnen. Die ersten WID-Wohnungen sollen im Herbst 2019 fertig werden. Das sind 19 Wohnungen an der Ulmenstraße in Leuben. Ende 2019 folgen 48 Wohnungen am Nickerner Weg in Lockwitz.

„Ich möchte aber nicht nur Neubauten, sondern auch bestehende Objekte sanieren“, erläutert Jäckel. Ein Objekt, mit dem er plant, sind die Gebäude der ehemaligen Seniorenresidenz gegenüber vom Blüherpark an der Dore-Hoyer-Straße. Zwei der drei markanten Kopfbauten stehen leer. Jäckel möchte gerne die kompletten Gebäude übernehmen und dort bis zu 130 Sozialwohnungen schaffen.

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Die Substanz dort sei gut. Jäckel hofft darauf, noch in diesem Jahr Klarheit zu bekommen, ob die WID das Grundstück bekommt. Wichtig ist ihm, dass die Baukosten planbar sind. Denn klar ist: Derzeit gibt es Fördermittel vom Land. Dafür müssen aber die Mieten auf dem Niveau der Kosten der Unterkunft, die die Stadt für Hartz-IV-Empfänger zahlt, bleiben. Das bedeutet, zwischen 5,70 und 6,76 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Deshalb werde auch auf Aufzüge verzichtet, wenn es geht. Denn die treiben die Betriebskosten in die Höhe.