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Politik

Trommeln, Tänze, Thunberg

Zahlreiche Menschen demonstrieren in Madrid für mehr Klima- und Umweltschutz. Waren es 15.000 oder 500.000? Darüber gibt es Streit.

Auch Red Rebels von Extinction Rebellion traten bei dem Klimamarsch am Rande der Weltklimakonferenz in Madrid auf.
Auch Red Rebels von Extinction Rebellion traten bei dem Klimamarsch am Rande der Weltklimakonferenz in Madrid auf. © Clara Margais/dpa

Von Carola Frentzen

Madrid. Mit einem großen Marsch für mehr Klimaschutz haben zahlreiche Demonstranten aus aller Welt am Freitagabend eine der bekanntesten Straßen Madrids lahmgelegt. Bei der Schätzung der Teilnehmerzahl gab es allerdings eine große Diskrepanz: Während die Organisatoren von einer halben Million Teilnehmern sprachen, bezifferte die Nationalpolizei die Zahl auf nur 15.000. Eine Erklärung für diese riesige Diskrepanz gab es zunächst nicht. Spanische Medien sprachen am Samstag von einem "Krieg der Zahlen".

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An der Kundgebung auf der Flaniermeile Paseo del Prado nahm zunächst auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg teil. Die 16-Jährige musste den Marsch jedoch wegen des riesigen Rummels um ihre Person später verlassen und wurde mit einem Elektroauto zu der großen Bühne gefahren, auf der die Abschlusskundgebung stattfand.

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Greta kommt ein bisschen spät

Am Montag beginnt in Madrid die Weltklimakonferenz. Zu der hat sich auch die Klimaaktivistin Thunberg angekündigt. Aber noch ist sie auf hoher See.

Bei der Großdemonstration war auch der spanische Filmstar Javier Bardem dabei, ebenso wie zahlreiche Indigene aus Lateinamerika, die ganz besonders unter der Umweltzerstörung und Abholzung der Regenwälder leiden. Die Politiker müssten jetzt "auf der Höhe dieses historischen Moments" sein, erklärte Bardem mit Blick auf die anhaltenden internationalen Klimaproteste.

Greta Thunberg musste die Demo wegen des Drucks der Menschenmassen sogar verlassen und wurde mit einem Elektroauto zu einer großen Bühne gefahren.
Greta Thunberg musste die Demo wegen des Drucks der Menschenmassen sogar verlassen und wurde mit einem Elektroauto zu einer großen Bühne gefahren. © Andrea Comas/AP/dpa

Auch Thunberg forderte die Politiker bei einer kurzen Rede unter dem Jubel der Anwesenden erneut auf, beim derzeitigen UN-Klimagipfel konkrete Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung zu erzielen.

Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz eingeräumt, dass die weltweiten Klimaproteste junger Aktivisten bisher so gut wie nichts dazu beigetragen hätten, den Klimawandel aufzuhalten. "Wir haben das Bewusstsein für Klimafragen geweckt, aber das reicht noch lange nicht aus", sagte sie. "Somit kann man sagen, dass wir viel, aber dann auch wieder nichts erreicht haben." Sie selbst sehe sich dabei nur als "einen kleinen Teil einer sehr großen Bewegung", die weiter für eine bessere Zukunft kämpfen werde.

Der spanische Schauspieler Javier Bardem spricht beim Klimamarsch in Madrid.
Der spanische Schauspieler Javier Bardem spricht beim Klimamarsch in Madrid. © Clara Margais/dpa

Bei der zweiwöchigen Weltklimakonferenz, die ursprünglich in Santiago de Chile stattfinden sollte und wegen der dortigen Unruhen kurzfristig nach Madrid verlegt wurde, ist nun fast Halbzeit. Die Hilfsorganisation Care monierte am Freitag, die Industrienationen spielten in Madrid bislang auf Zeit, und auch die EU-Kommission bleibe weiter hinter den Erwartungen zurück.

Tausende Demonstranten nahmen an dem Protest teil. 
Tausende Demonstranten nahmen an dem Protest teil.  © Bernat Armangue/AP/dpa

Von nächster Woche wird in Madrid auf Ministerebene verhandelt, dann reist auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze an. Im Mittelpunkt der Treffen stehen ehrgeizigere Ziele als bisher, was die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens angeht. Dieses sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Jedoch müssen die ambitionierteren Pläne erst bei der nächsten Klimakonferenz im kommenden Jahr vorgelegt werden. Thunberg sagte dazu: "Halbe Gipfeltreffen können wir uns gar nicht leisten, wir müssen jede Chance nutzen."(dpa)