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„Wir brauchen mehr Studienangebote auf Englisch“

Prorektorin Christa Maria Heidger will mehr Austausch mit Unis im Ausland und erklärt, wie das gelingen kann.

© Matthias Weber

Von Jan Lange

Zittau/Görlitz. Seit über 20 Jahren ist Professorin Christa Maria Heidger an der Hochschule Zittau/Görlitz tätig. Ein Jahr nach der Gründung des Studiengangs Ökologie und Umweltschutz kam sie 1995 an die Mandau. Bisher war ihr Name außerhalb der Hochschule weniger bekannt. Das kann sich nun ändern: Die Ökologie-Professorin ist jetzt Prorektorin für Bildung und Internationales. Die SZ sprach mit ihr über neue Projekte, Studierendenzahlen und Abbrecherquoten.

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Frau Professor Heidger, wie wollen Sie die hiesige Hochschule fit für die Zukunft machen?

Wir müssen das Angebot englischsprachiger Vorlesungen und Seminare stark erweitern. Das gilt fachbereichsübergreifend. Es gibt schon heute einige Studiengänge, in denen es Vorlesungen auf Englisch gibt, aber deren Anzahl können wir noch deutlich erhöhen. Dazu soll jeweils für den naturwissenschaftlich-technischen sowie den sozial-, geistes- und wirtschaftswissenschaftlichen Bereich ein Modulkatalog verschiedener englischsprachiger Lehrveranstaltungen aufgebaut werden. Damit können wir dann ausländischen Studenten, gerade im Rahmen von Austauschprogrammen, ein attraktives Angebot unterbreiten. Wenn wir beispielsweise neue Partnerunis in Großbritannien finden wollen, sind englischsprachige Module eine Voraussetzung. Denn die Partnerunis wollen, dass wir nicht nur unsere Studenten hinschicken, sondern dass genauso viel ihrer Studierenden zu uns kommen können. Diese Module sollen auch für unsere Studierenden angeboten werden, um deren Sprachkompetenz zu verbessern und ihnen damit einen Aufenthalt an den Partnerhochschulen im Ausland zu erleichtern.

Wo sehen Sie Potenzial, neue Partner-Unis zu finden?

Ich denke, dass wir in Großbritannien Partner finden können. Auch Südamerika ist ausbaufähig. Die Hochschule hat erst eine neue Kooperation mit einer Universität in Kolumbien abgeschlossen. Mein Kollege, Professor Schoenherr, ist an Afrika dran. Um mehr Studenten von dort zu rekrutieren, brauchen wir aber mehr Studienangebote auf Englisch.

Wie viele der Studierenden kommen aus dem Ausland?

Im aktuellen Wintersemester sind etwa 20 Prozent der rund 3100 Studenten ausländischer Herkunft.

Um wie viel Prozent läßt sich der Anteil der ausländischen Studierenden noch steigern?

Fünf Prozent mehr im Bereich Technik, Informatik und Naturwissenschaften wären gut. Das zu erreichen, dabei hilft auch unser neues Programm zur Erleicherung des Studienbeginns von Flüchtlingen. In Zittau gibt es ja bereits das Studienkolleg, in dem schon seit langem Studierwillige aus dem Ausland auf ein Studium in Sachsen vorbereitet werden. Das reguläre Kolleg ist aber voll. Damit wir auch Flüchtlinge integrieren können, werden die Mittel aufgestockt, sodass es eine zusätzliche Gruppe geben kann. Im Wintersemester wird es losgehen. Die Vorbereitungen haben dieses Semester begonnen.

Woher nimmt die Hochschule diese zusätzlichen Gelder?

Nein. Die Mittel werden im Rahmen eines Förderprogramms des Freistaates zur Steigerung des Studienerfolgs vom Bundesbildungsministerium aus Geldern des Hochschulpaktes zur Verfügung gestellt. Alle sächsischen Hochschulen haben bis Ende August 2015 eine sogenannte Studienerfolgsstrategie beim sächsischen Wissenschaftsministerium eingereicht, von denen einzelne ausgewählt wurden, die nun eine Förderung erhalten. Von unserer Hochschule werden vier Projekte über den Hochschulpakt finanziert. Wir haben es geschafft, insgesamt fast vier Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre zu akquirieren. Damit sind wir die sächsische Fachhochschule, welche die meisten Mittel bekommt. Die Integration von Flüchtlingen ist nur ein Teil eines umfassenderen Projektes, von dem auch deutsche Studierende profitieren. An der Hochschule wird in dem Projekte zum Beispiel künftig auch ein Sozialarbeiter tätig sein. Das ist eine Reaktion darauf, dass es immer mehr Studenten mit psychosozialen Problemen gibt. Ich rechne damit, dass die Mittel in den nächsten Tagen zugewiesen werden und wir die Stelle schnell besetzen können.

Werden Sie auf eigene Mitarbeiter zurückgreifen?

Es wäre mir lieber, eigene Leute zu fördern. Wenn sich aber kein passender Mitarbeiter aus dem eigenen Haus findet, dann werden wir außerhalb der Hochschule nach qualifizierten Leuten suchen.

Das angesprochene Programm zielt darauf ab, den Studienerfolg zu steigern. Wenn die hiesige Hochschule die meisten Gelder erhält, heißt das im Umkehrschluss auch, dass es hier die meisten Studienabbrecher gibt?

Nein. Unsere Abbrecherquote ist geringer als an den Unis. Innerhalb der Hochschule sind die Quoten dabei ganz unterschiedlich. In den Naturwissenschaften sind sie beispielsweise höher als in den sozialwissenschaftlichen Studiengängen. Damit beispielsweise Studentinnen, die ein Kind bekommen, die Möglichkeit haben auch von zu Hause aus Lehrveranstaltungen besuchen zu können, wollen wir in den nächsten Jahren auch die e-learning-Angebote ausbauen. Vorlesungen und Praktika sollen verstärkt aufgezeichnet und auf einer Datenbank abrufbar sein. Das gilt auch für englischsprachige Module.