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Schulschwimmen absichern

Der Kreis Bautzen will das Schulschwimmen 2018/19 absichern. Und sucht einen Kompromiss für das Kamenzer Hallenbad mit den Kommunen.

© René Plaul

Kamenz/Bautzen. Die Zukunft der Kamenzer Schwimmhalle steht schon länger auf dem Spiel. Nicht erst, seitdem der Landkreis kein Geld mehr für den Hallenbadbetrieb ab 1. Juli 2018 eingestellt und „vorsorglich“ auch Dienstleistungsverträge gekündigt hatte. Seit 2016 wird um eine Lösung gerungen, sagt Landratsbeigeordneter Udo Witschas in Bautzen. Die SZ sprach mit ihm:

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Herr Witschas, der 1. Juli 2018 rückt näher. Bis zu diesem Tag ist noch Geld im Kreishaushalt für die Schwimmhalle eingestellt. Wird sie nach der Sommerpause wieder offen sein?

Ja. Wir wollen nicht, dass der Schlüssel herumgedreht wird. Deshalb werden sich der Kreistag am 26. März und davor alle Ausschüsse, die das komplexe Thema berühren, mit der Materie befassen. Unser Ziel ist es, allen Kommunen, die hier etwa 6 000 Schülerinnen und Schüler aus 38 Grundschulen und vier Fördereinrichtungen zum Schwimmunterricht schicken, rechtzeitig Planungssicherheit für das kommende Schuljahr zu geben. Das muss sein.

Geht es also um eine Galgenfrist bis zum Ende des nächsten Schuljahres?

Nein, sofern sich die Stadt Kamenz finanziell beteiligt. Das Schulschwimmzentrum in Kamenz ist nicht zu ersetzen. Die Städte und Gemeinden im Altkreis Kamenz brauchen es für die Absicherung ihrer Pflichtaufgabe. Und natürlich ist das Hallenbad auch für die Vereine wie die Wasserwachten oder den OSSV und auch für den Freizeitsport wichtig. Für den Landkreis Bautzen wird der Hallenbetrieb freiwillig, sobald der verpflichtende Kreisfusionsvertrag von 2008 abgelaufen ist. Allen ist klar, dass es hier also Handlungsbedarf gibt.

Sie wollten das defizitäre und sanierungsbedürftige Bad kurzerhand der Stadt überhelfen. Ganz schön banal ...

Es gab seit 2016 zunächst andere Lösungsansätze. Zum Beispiel, den Betrieb über städtische Gesellschaften wie bei den Hallenbädern in Bautzen und Hoyerswerda. Oder über einen Zweckverband aller Kommunen, die ihre Kinder zum Schulschwimmen schicken. Die Bürgermeister waren allerdings wenig begeistert, also haben wir die Halle der Stadt angeboten, die sie abgelehnt hat. Was einerseits verständlich ist, andererseits auch nicht.

Wieso nicht? Bei etwa 250 000 Euro im Jahr Defizit im Hallenbetrieb und der Übernahme der dringenden Sanierungskosten leuchtet das doch ein ...

Hier sind zwei Argumente zu bedenken. Zum einen geht es um Kamenz als Mittelzentrum, das ins Umland ausstrahlen will und ja auch muss. Das kann auch mit bildungspolitischen und freizeitsportlichen Aufgaben verbunden sein, für die ein Mittelzentrum ja auch besser ausgestattet ist. Zum anderen müssen wir die Bedenken jener Kommunen im Kreis ernst nehmen, die eigene Freizeit- und Schulsporteinrichtungen betreiben und über die Kreisumlage auch am Defizit des Kamenzer Hallenbades beteiligt sind. Wir wollen einen Kompromiss, der auch einer kleinen Gemeinde wie Kirschau zumutbar ist.

Wie könnte der aussehen?

Die Verwaltung arbeitet derzeit an einer Kreistagsvorlage, die den Hallenbetrieb auch in Zukunft absichern soll. Kamenz muss sich mit einem Sonderbeitrag am Hallenbetrieb beteiligen – so ähnlich, wie dies in der Kulturraumförderung mit dem sogenannten Sitzgemeindeanteil funktioniert. Die Kamenzer nutzen die Schwimmhalle schließlich zu allererst. Zum anderen wollen wir das Betreiberdefizit durch kostendeckende Entgelte der Kommunen für ihren Schwimmunterricht ausgleichen. Wobei die Entgelte nicht mehr für Klassen, sondern auf den einzelnen Schüler berechnet werden. Das wäre gerechter.

Und dann gibt es sicher noch höhere Eintrittspreise ins Hallenbad, oder?

Das wollen wir gerade vermeiden, obwohl unsere aktuelle Tariftabelle auch schon wieder fast vier Jahre alt ist. Solange keine Hallenbadsanierung stattgefunden hat, soll es bei den jetzigen Preisen für Privatnutzer und die Vereine bleiben.

Apropos Sanierung. Wie ist der Stand?

Es gibt Sanierungsstau, keine Frage. Zunächst brauchen wir eine Machbarkeitsstudie für die Investition, die auch Fördermitteltöpfe berührt. Eines zeichnet sich schon ab: Die schon vor einem Jahr berechneten 3,6 Millionen Euro waren nur der zwingend notwendige Investitionsbedarf. Je nach Förderprogramm werden aber Investitionen darüber hinaus notwendig. Genauere Angaben sind aber erst möglich, wenn uns der Kreistag zu weiteren Schritten legitimiert hat.

Gespräch: Frank Oehl

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