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Politik

"Wir haben erstmal viel geschlafen"

Seit Donnerstag tourt Barack Obama durch Deutschland. In Köln sprach der ehemalige US-Präsident über das Kaffeekochen, Ausschlafen und gute Menschenführer.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama spricht in der Kölner Lanxess Arena. © Inka Englisch/GEDANKENtanken/dpa

Von Jonas-Erik Schmidt und Christoph Driessen

Nein, das T-Wort umschifft Barack Obama so gut es geht. Es gehört zum guten Ton, dass sich ehemalige US-Präsidenten nicht über amtierende US-Präsidenten auslassen, schon gar nicht schlecht. Und deshalb fällt der Name Donald Trump an diesem Abend kein einziges Mal. Lieber nippt der ehemals mächtigste Mann der Welt zur rechten Zeit an seinem Becher, wenn das Gespräch auf der Bühne der Lanxess-Arena in Köln abdriftet hin zur aktuellen Situation im Oval Office. Obama lächelt das Thema weg. Was insofern passt, weil er genau genommen nicht gekommen ist, um über Politik zu sprechen. Sondern über gute Menschenführung. Große Mühen hat er da nicht, Trump zu ignorieren.

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"World Leadership Summit" heißt die Veranstaltung am Donnerstagabend, die seit Tagen großflächig damit geworben hat, einen ganz dicken Fisch an den Rhein gelockt zu haben: Barack Obama, der in Deutschland immer noch herausragende Beliebtheitswerte besitzt. Am Ende sind mehr als 14.000 Menschen in einer Halle, in der sonst Popbands auftreten und Kölner Karneval gefeiert wird.

Die Stimmung ist bisweilen ähnlich. "Habt ihr Bock?!" ruft Stefan Frädrich, einer der Chefs des Veranstalters "Gedankentanken", ins Publikum, bevor es los geht. Kurz darauf stimmt er "Viva Colonia" an. Obama wird angekündigt wie ein Box-Star, ein "Weltstar". Dann endlich: das Interview. Obama hält keine Rede, er wird von einem Moderator befragt.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt 2017 hat sich Barack Obama nach eigenen Worten erst einmal ausgeruht. "Michelle und ich haben erstmal sehr lange geschlafen", sagte der US-Politiker. Er habe danach auch bestimmte Dinge erstmal wieder lernen müssen. "Ich musste mir selbst Kaffee machen. Ich wusste gar nicht, wie die Maschine funktioniert." Sein erster selbst gemachter Kaffee habe denn auch sehr schlecht geschmeckt. Außerdem habe er sich im neuen Heim der Familie in Washington etwas Platz erobern müssen, weil sich die anderen Familienmitglieder überall ausgebreitet hätten. 

Schwarze Limousinen des Konvois mit Barack Obama fahren vor dem Hyatt Hotel in Köln vor. © Oliver Berg/dpa

Vor allem über die Klimapolitik spricht er ausgiebig - und muss dann zwangsläufig auch die aktuelle US-Politik kommentieren. Er sei "zuversichtlich und vorsichtig optimistisch", dass die USA im Klimaschutz bald wieder führend sein werden, sagt Obama. Natürlich seien viele frustriert aufgrund der Haltung der derzeitigen US-Regierung, aber man dürfe nicht vergessen, dass etwa der Staat Kalifornien alle Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umsetze. Im Übrigen setze er auf die Jugend.

Er sage jungen Leute immer: "Ihr würdet euren Großvater niemals darüber entscheiden lassen, was ihr anzieht oder welche Musik ihr euch anhört. Aber ihr lasst ihn darüber entscheiden, was mit der Umwelt geschieht, in der ihr leben werdet?" In Obamas Amtszeit war 2015 das Pariser Klimaabkommen ausgehandelt worden. Sein republikanischer Nachfolger Trump hat dagegen den Austritt der USA aus dem Abkommen eingeleitet.

Auch über "alternative Fakten" verliert Obama klare Worte: "Eine Demokratie definiert sich darüber, dass sie unterschiedliche Meinungen zulässt, aber sie kann nicht funktionieren, wenn grundlegende Fakten infrage gestellt werden." Er zeigt auf den vor ihm stehenden Tisch mit seinem Pappbecher: Man könne lange darüber diskutieren, ob der zu hoch oder zu niedrig sei. Aber "wenn Sie zu mir sagen: Nein, das ist ein Baum, dann weiß ich nicht, was ich sagen soll."

Formal ist der ehemalige US-Präsident nur ein Redner unter vielen, unter anderem spricht auch Start-Up-Investor Frank Thelen ("Die Höhle der Löwen"). Aber natürlich weiß auch der Veranstalter, warum die Leute gekommen sind. "Während des Interviews mit Barack Obama KEINE Fotos oder Videos!" steht auf Zetteln an den Eingängen. Es bleibt ein frommer Wunsch. Als Obama nach einer Stunde lächelnd und winkend von der Bühne geht, gibt es tosenden Applaus. Und eine Frau seufzt: "Ich könnte dem endlos zuhören..."

Am Freitag will Obama weiter nach Berlin reisen, um sich dort mit "seiner Freundin" Angela Merkel zu einem Meinungsaustausch zu treffen, wie er sie nennt. Im Mittelpunkt dürfte das transatlantische Verhältnis stehen.

Zum 70. Jahrestag der Nato-Gründung dürfte zwischen Merkel und Obama auch die Forderung Trumps nach einem deutlich höheren Beitrag der Deutschen für das Verteidigungsbündnis eine Rolle spielen. Die Nato-Mitglieder hatten sich 2014 verpflichtet, sich bis 2024 auf die Zielmarke von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zuzubewegen. Deutschland hat nur 1,5 Prozent bis 2024 fest zugesagt. Auch Obama hatte sich dafür ausgesprochen, dass Deutschland höhere Beiträge zahlen solle - allerdings längst nicht so vehement, wie es Trump tut.

Obama nimmt am Samstag in Berlin an einem "Town Hall"-Treffen teil. Dabei will er sich den Fragen von rund 300 jungen Menschen aus ganz Europa stellen, die sich in Bereichen wie der Zivilgesellschaft, der Integration oder der Ernährungssicherung engagieren. Obama war schon mehrmals in Berlin. Zuletzt nahm er im Mai 2017 auf dem Kirchentag gemeinsam mit Merkel an einer Podiumsdiskussion teil. (dpa)