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Wir hätten das Quadrat gern rund

SZ-Redakteurin Karin Großmann über die neue Spielzeit der Staatsoperette.

© imago/SZ

Das Theater lebt von der Täuschung. Hier werden prächtige Bankfilialen aus Sperrholz gebaut, hier wüten falsche Tiere wie echte, und Mantua liegt mitten in Dresden-Mitte. Alles scheint möglich zu sein. Ein Blumenmädchen namens Eliza brilliert beim Diplomatenball, sodass der Buckingham Palast noch tagelang davon spricht.

Wenn das alles funktioniert, warum sollte dann nicht auch ein geometrisches Kunststück lösbar sein? Vielleicht ist es ja ganz leicht, ein Quadrat zu konstruieren, das den gleichen Flächeninhalt hat wie der entsprechende Kreis. Die Dresdner Staatsoperette will genau das probieren: Sie will das Stammpublikum behalten und all jene als Zuschauer gewinnen, die bisher mit Operette nichts am Hut hatten. Vor allem junge Leute. Die künftige Intendantin beschreibt ihr Konzept mit Worten wie „wahnsinnig unterhaltsam“, „energetisch“ und „dynamisch“. Und so sieht das neue Werbekonzept auch aus. Auf den Fotografien hängen Balletttänzerinnen im Trikot lasziv über Fahrradständern. Balletttänzer zeigen viel freien Oberkörper vor bröckelndem Putz. Da kann man sich schon mal auf das Fotoshooting mit den Sängern und Sängerinnen des Hauses vorfreuen.

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Eine Garantie, dass die Quadratur des Kreises gelingt, ist das freilich nicht. Es wäre fatal, das Stammpublikum zu verprellen. Denn es hat nicht nur treu die Unzulänglichkeiten im alten Domizil ertragen. Es hat nicht nur den Umzug in das ehemalige Kraftwerk akzeptiert, das nun wirklich nicht nach plüschiger Gemütlichkeit riecht. Es hat vor allem den Zauber eines nachwachsenden Rohstoffs: Das Publikum der Staatsoperette altert und erneuert sich dabei ständig. Nur eines mag es nicht: Die Täuschung durch falsche Versprechungen.

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