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„Wir können es schaffen, dass kein Laden mehr leer steht“

Der Sebnitzer OB Mike Ruckh über die 10 000-Euro-Prämie für Händler, Kritik und das Ergebnis von 25 Jahren Stadtpolitik.

© Dirk Zschiedrich

Herr Ruckh, beim vergangenen Faschingsumzug mussten Sie heftig einstecken. Bekommt der Elferrat dieses Jahr wie gewohnt Schnaps vom OB?

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Wir setzen sogar noch eins drauf und bleiben mit 1 000 Euro der Hauptsponsor des Faschingsumzugs.

Wie sehr greift Sie die Kritik an, mit der Stadt gehe es bergab?

Kritik ist immer okay und zwingt zur eigenen Reflexion. Außerdem haben wir Meinungs- und an Fasching auch Narrenfreiheit. Letztendlich zählen die Ergebnisse.

Wie sind die aus ihrer Sicht?

Nach 25 Jahren stehen etliche Auszeichnungen für die Stadt: Staatlich anerkannter Erholungsort in Sebnitz und Hinterhermsdorf, mehrere erste Preise mit Hinterhermsdorf im Dorfentwicklungsprogramm europäisch wie national. Zweimal Vize im Bereich sportfreundliche Kommune, einmal Sieger. Zuletzt die Auszeichnung Kommune des Jahres 2016 des Sparkassenverbands. Was mich an diesem Titel besonders freut, ist, dass dafür die Gesamtentwicklung nach 1990 betrachtet wurde. Wo Licht ist, ist auch Schatten, das ist klar. Unterm Strich aber haben wir eine gute Bilanz. Ich beziehe das nicht auf meine Person. Das ist eine Gesamtleistung der Bürger und der Stadt- und Ortschaftsräte.

1993 haben Sie zur Finanzsituation der Stadt gesagt, es bestehe kein Grund zur Euphorie. Das sagen Sie noch heute. Dabei ist die Lage besser denn je.

Die Ansprüche sind anders geworden. Damals sind 100 D-Mark viel gewesen. Mit 50 Euro kann man heute nicht mehr so viel kaufen. Die Stadt ist finanziell gesundet. Trotzdem sind Risiken da, gerade was die Gewerbesteuer angeht. Da reicht eine Unternehmensentscheidung und die Lage kippt. Man darf sich nie zurücklehnen und sagen, uns kann hier nichts mehr passieren. Außerdem werden die Wünsche ja auch nicht kleiner.

Es wird also weiter gespart.

Wir haben in den letzten 25 Jahren immer solide gewirtschaftet, das zeichnet uns aus. Wenn mehr Geld da ist, gibt es aber auch mehr zu verteilen. Deswegen haben wir zum Beispiel die Vereinsförderung aufgestockt und können uns Dinge wie das Förderprogramm gegen Ladenleerstand leisten. Auch die Sanierung des Weifbergturms oder die neue Dorfmitte in Mittelndorf sind keine Pflichtaufgaben einer Kommune wie etwa die Straßenunterhaltung. Da geben wir dem Bürger etwas zurück.

Sie wollen Gründern bis zu 10 000 Euro zahlen, wenn sie einen Laden eröffnen. Hat sich schon jemand gemeldet?

Es gab bereits Gespräche mit mehreren Interessenten, auch aus der Nahregion. Richtig losgehen wird es, wenn wir das Angebot jetzt offensiv bewerben und Anzeigen schalten. Wir werden auch alle Hauseigentümer anschreiben, um zu erfahren, wer zu welchen Konditionen vermieten will. Daraus entsteht ein Katalog. Wenn sich Interessenten an die Stadt wenden, können wir sie direkt vermitteln. Das Programm startet jetzt, und in einem Jahr schauen wir uns die Ergebnisse an.

Ist der Einzelhandel dadurch zu retten?

Der Handel wird sich verändern. Es werden nicht alle Geschäfte bleiben. Aber wir können es schaffen, dass es in den nächsten Jahren keine Leerstände mehr in der Innenstadt gibt. Es wird nicht überall dort, wo ein Laden schließt, ein neuer einziehen. Das werden auch Dienstleister wie Friseure oder Praxen sein. Letztendlich entscheiden die Einwohner durch ihr Konsumverhalten, wie die Stadt aussieht.

Welche Ideen gibt es noch?

Wir müssen uns über innerstädtische Events Gedanken machen. Neben der Museumsnacht im Herbst würde uns eine Veranstaltung im Frühjahr gut zu Gesicht stehen. Da sehe ich Potenzial. Dafür muss aber eine zündende Idee her und ein langfristiges Konzept. Es gab bereits die Idee einer Einkaufsnacht. Das müssen die Händler aber auch wollen und stemmen können. Es nützt nix, wenn wir da ein Bierzelt aufstellen.

Hätten Sie vor 25 Jahren gedacht, dass Sie heute noch hier sitzen?

Ich sitze nicht, ich bin in Bewegung. Viele haben mir speziell zu Beginn unterstellt, der Ruckh will das hier nur als Sprungbrett nutzen. Ich bin trotz aller Schwierigkeiten nicht davongerannt. Mir macht die Arbeit jeden Tag noch Spaß. Ich habe noch jede Menge Ideen und Vorhaben.

Das Gespräch führte Dirk Schulze.