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„Wir kommen nicht, um uns auspfeifen zu lassen“

ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärt, warum er seinen Dialogversuch mit der AfD in Dresden angeht.

© Daniel Bockwoldt/dpa

Das Verhältnis der AfD zum öffentlich rechtlichen Rundfunk ist gelinde gesagt schwierig. Kommenden Donnerstag lädt ausgerechnet die Partei, in der man gern von Lügenpresse spricht, zum Austausch über „Medien und Meinung“ in die Dresdner Messe. Und die Chefredakteure von ARD und ZDF, Kai Gniffke und Peter Frey, haben die Einladung angenommen.

Herr Frey, wie schafft es ausgerechnet ein Kreisverband der AfD, die Chefredakteure von ARD und ZDF zu einer Diskussion nach Dresden zu locken?

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Kai Gniffke und ich wurden einfach eingeladen. Wir wollen die Möglichkeit nutzen, ins Gespräch zu kommen. Uns ist klar, dass ein Teil der Menschen in Sachsen Schwierigkeiten mit unseren Sendern hat, dass sie sich nicht richtig verstanden fühlen oder in der Berichterstattung nicht wiederfinden. Die Veranstaltung gibt uns die Chance zum Austausch. Schließlich beteiligen sich auch diese Zuschauer mit ihrem Beitrag am öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Haben Sie keine Bedenken, dass es ein Tribunal wird. Die Wut ist ja groß bei denen, die von „Staatsfunk“ reden?

Ich hoffe, die Zusage für eine faire Debatte wird eingehalten. Es soll eine konstruktive Auseinandersetzung mit freiem Zugang für alle Interessierten sein. Aber ich will vorab klarstellen: Es geht mir nicht um eine politische Auseinandersetzung. Ich will nicht über Politik reden, sondern über Journalismus. Wir sind nicht Verteidiger von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Mir geht es darum zu erklären, wie Journalismus funktioniert, wie wir arbeiten, wie sehr das ZDF Sachsen verbunden ist. Unser Landesstudio berichtet aus allen Ecken des Landes.

Es soll in sachlicher, nüchterner Atmosphäre mit gegenseitiger Wertschätzung diskutiert werden. Kündigt ausgerechnet die AfD an, die, wie ZDF-Moderator Markus Lanz neulich sagte, das Copyright auf den Begriff Lügenpresse hat. Und die mit Pegida kooperiert.

Ich bin bereit, mich mit Kritik auseinanderzusetzen, aber ich werde auch bei dieser Veranstaltung nicht akzeptieren, dass die freie Presse als Ganzes angegriffen wird. Kritik ist okay, aber wir kommen nicht, um uns auspfeifen zu lassen.

Immer wieder werden Journalisten von Mitgliedern und Anhängern der AfD und Pegida verunglimpft, sogar drangsaliert. Wie geht das zusammen mit einer sachlichen Atmosphäre?

Es ist ein Versuch. Für Erfolg gibt es keine Gewähr. Aber ich finde es klüger, sich einer sicher auch kontroversen Diskussion auszusetzen, als den Dialog zu verweigern.

Ein Versuch, aufeinander zuzugehen?

Von unserer Seite auf jeden Fall. Ich möchte darstellen, wie gut das ZDF in Sachsen verankert ist. Denken wir an das Projekt Frauenkirche, viele Filme über Leipzig oder Görlitz, die aktuelle Berichterstattung unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten. Der Marktanteil des ZDF in Sachsen ist überdurchschnittlich gemessen an den anderen ostdeutschen Ländern. Aber ich komme auch, um zu hören, welche Klagen es gibt. Ja, auch Journalisten machen Fehler. Vielleicht gibt es kritische Aspekte. Damit will ich mich auseinandersetzen.

Machen die Medien die AfD erst groß, weil sie auf jeden Tabubruch und jede Provokation reagieren?

Das richtige Maß in der Berichterstattung zu finden, ist wirklich schwierig. Wir müssen den Mechanismus durchbrechen, dass jede Grenzüberschreitung mit noch mehr Öffentlichkeit belohnt wird. Aber die größte Oppositionspartei im Bundestag ist angemessen zu berücksichtigten. Angemessen heißt aber auch: nicht mehr als andere.

Wären Sie etwa auch bei anderen Parteien zu Veranstaltungen eines Kreisverbandes gekommen?

Ich bin bei vielen ähnlichen Veranstaltungen, bei Verbänden, Bürgerinitiativen, Stiftungen. Das ist anstrengend, aber lohnt sich. Wir sitzen nicht auf dem hohen Ross. Andere Einladungen aus Sachsen lagen uns nicht vor. Ich wäre auch gekommen, wenn ein Bürgerbündnis oder Kulturverein eingeladen hätte. Das kommt vielleicht noch.

Das Gespräch führte Heinrich Maria Löbbers.