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„Wir kümmern uns um die Internet-Problemzonen“

Dezernentin Heike Zettwitz spricht mit der SZ über den Zeitplan beim Breitbandausbau im Landkreis Görlitz, neue Prioritäten und den Dschungel der Möglichkeiten.

© nikolaischmidt.de

Von Anja Beutler

Görlitz. Vor Heike Zettwitz liegt eine Karte des Landkreises. Einige Gemeinden sind einheitlich hell eingefärbt, die meisten haben aber dunkelblaue Einsprengsel über ihre Territorien verteilt, mal größer, mal kleiner – fast wie Streusel auf einem Kuchen. Bei diesen blauen Flecken jedoch handelt es sich um die „Problemzonen“ beim Breitbandausbau im Landkreis, bestätigt die Dezernentin des Landkreises. Die kleineren oder größeren Ortsteile oder Straßenzüge in den Gemeinden haben noch kein schnelles Internet. Wer für eine rasche Anbindung sorgen wird und warum es in den Gemeinden so viele verschiedene Wege zum Breitbandangebot gibt, erklärt Heike Zettwitz im SZ-Interview:

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Frau Zettwitz, seit rund einem Jahr hat der Kreis es in der Hand, schnelles Internet in die Gemeinden zu bringen. Inzwischen hat sich viel getan – was genau haben Sie als Kreis da noch zu tun?

Wir kümmern uns sozusagen um die „Problemzonen“ beim Breitbandausbau – also die Gebiete, die Kommunikationsunternehmen nicht aus eigenem Antrieb erschließen wollen. Unsere Priorität liegt zudem bei Schulen und auch bei Gewerbegebieten, die mit Glasfaser und hohen Leistungen ausgestattet werden sollen. Diese Möglichkeit – gerade für Schulen – ist neu und wir analysieren derzeit gerade, wie der Stand in jeder einzelnen Schule im Landkreis ist, und ob es noch etwas zu tun gibt. Wir setzen dabei auf einen Glasfaserausbau.

Vielerorts ist inzwischen neben der Telekom und privaten Anbietern auch der Energieversorger Enso im Geschäft. Von außen wirkt das undurchschaubar...

Es gibt in der Tat viel Bewegung derzeit bei dem Thema – es ist ein bisschen wie in einem Dschungel. Man muss sich den Weg erst freimachen, um da einen Überblick zu bekommen. Einige Gemeinden, die sogar schon Fördermittelbescheide für den Internetausbau erhalten hatten, haben diese wegen eines neuen Angebotes – beispielsweise von der Enso – zurückgegeben oder bauen nun doch nicht selbst aus. Andere wollen hingegen wieder zurück zum Kreis. Derzeit stellen wir anhand der verfügbaren Machbarkeitsstudien zusammen, was genau zu tun ist. Dann werden wir die Karte mit den „Breitband-Problemzonen“ nochmals aktualisieren.

Wo im Kreis hängt es denn vor allem?

Es sind meist die abgelegenen Ortschaften, die noch nicht versorgt sind. Für die Ortsteile von Löbau, die an der Peripherie liegen, gibt es beispielsweise noch einiges zu tun, ebenso in Boxberg, Hohendubrau, Krauschwitz, Rothenburg oder auch für Zittaus Gewerbegebiete. Generell gibt es im Kreis überall Probleme, aber der Unterschied in den Siedlungsstrukturen macht sich bemerkbar: Im Norden leben weniger Menschen auf größerem Raum und es sind oft größere Strecken zu überwinden. Dort gibt es auch mehr blinde Flecken.

Macht es einen Unterschied für die Bürger vor Ort, ob nun der Kreis oder ein anderes Unternehmen von sich aus das Breitbandnetz ausbaut?

Höchstens bei der Leistung. Die großen Telefonanbieter haben meist bis zu 30 Mbits im Angebot, unser Ziel sind 100 Mbits. Generell setzen wir auf kompletten Glasfaserausbau bis zum Haus selbst – und nicht nur bis zum Verteilerkasten. Dabei müssen wir natürlich auch abwägen, ob für Opa Karl in seinem Haus im Wald auch Glasfaser sinnvoll ist, oder ob vielleicht eine andere Technik das Problem löst. Derzeit rechnen wir mit 104 Millionen Euro Kosten, ob es dabei bleibt, werden wir nach den Planungen und Ausschreibungen sehen.

Wenn eine Gemeinde schnell war und schon selbst ausgebaut hat, die Leistung aber inzwischen nicht mehr optimal ist – hat sie dann das Nachsehen?

Das muss man prüfen. Es schließt sich aber generell nicht aus, dass einzelne Gebiete im Nachhinein besser versorgt werden.

Am Freistaat gibt es Kritik, weil er die Gelder für den Internetausbau bislang kaum abgerufen hat – auch der Kreis Görlitz ist – anders als Bautzen – noch nicht soweit. Warum?

In der Tat wird der Landkreis Bautzen jetzt, nach etwa anderthalb Jahren, die Aufträge vergeben. So viel Vorlauf hatten wir nicht, wollen aber in den nächsten Monaten die Planungen konkretisieren und im besten Fall in der Dezembersitzung des Kreistages die Aufträge vergeben, sodass 2019 gebaut werden kann. Dass vielen Gemeinden seit Jahren dieses Thema auf den Nägeln brennt und alles nur langsam vorangeht, ist ein Problem. Vielleicht hätte man von vornherein den Internetausbau – so wie den Ausbau der Straßen – als grundlegende Infrastruktur deklarieren sollen, für die der Staat zuständig ist. Das hätte sicherlich manches erleichtert.