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„Wir lassen uns nicht einfach überfahren“

Zur Thematik Asylbewerber in Choren erreichte die DA-Redaktion ein Brief der Bürgerinitiative „Gegenwind Choren“.

© André Braun

„Nach dem „Tag der offen Tür“ in Choren sind die Bürger unserer Gemeinde schlicht entsetzt. Von der einstigen Schule ist im Inneren nichts mehr zu sehen, lediglich eine Schultafel, nun im ehemaligen Speiseraum angebracht, hat überlebt. Die gesamte Ausstattung der Schulräume und Fachkabinette wurde im wahrsten Sinne des Wortes zum Fenster hinaus geworfen, direkt in die darunter aufgestellten Container. Noch vor wenigen Jahren wurden diese Möbel und Ausstattungen durch Schüler des Gymnasiums Nossen genutzt. Wir sind uns sicher, dass Schulen oder Kindereinrichtungen in anderen Orten gern auf dieses Material zugegriffen hätten, oder sich unter der jetzt so dringlichen schulischen Integration der Flüchtlingskinder eine bessere Verwendung gefunden hätte. Geld spielt einfach keine Rolle – offensichtlich nicht nur ein subjektiver Eindruck, den man zurzeit allerorten gewinnen kann.

Ehrlichkeit im Umgang mit unseren Bürgern scheint dagegen eine echte Rarität im Landkreis zu sein. Schriftlich vorliegende „Festlegungen zur Asylunterkunft“ des Landrates weisen eine Maximalkapazität von 220 Asylbewerbern in Choren aus, unsere Bürger haben selbst 240 Betten gezählt, ein Wachmann bestätigte auf Nachfrage diese Zahl. Haben sich die Verantwortlichen schlicht verzählt? Glaubt man immer noch, dass man mit Halbwahrheiten diese schwierige Situation meistern kann? Weiteren Unmut erzeugte folgender Sachverhalt: Die im Außenbereich angebrachten Überwachungskameras sind von den Grundstücken der unmittelbaren Nachbarn gut zu sehen – logisch, dass sich Bürger fragen, ob auch sie von den Kameras bei Tätigkeiten auf ihren Grundstücken erfasst werden. Der verantwortliche Mitarbeiter des Landrates wird direkt vor Zeugen damit konfrontiert und beruhigt prompt. „…alles durch Blenden im Inneren der Kameras abgedeckt, wir sehen nur bis zum Zaun…“ Als sich Nachbarn wenig später beim Sicherheitsdienst zu den technischen Möglichkeiten informieren lassen, bekommen sie ihr Grundstück live am Bildschirm präsentiert. Gegen die unzulässige Videoüberwachung bereiten einige der betroffenen Bürger nun rechtliche Schritte vor.

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Das Ausmaß der Umbauten im Schulgebäude verwundert ebenso, Deckendurchbrüche über mehrere Etagen, Zwischenwände , Rohrleitungen und neue Elektrikinstallationen, alles ohne Baugenehmigung nach eigenem Bekunden der Stabsstelle Asyl. Genauer will es Jens Liebscher wissen, er beauftragte einen Anwalt mit der Klärung dieses Faktes, die Anfragen wurden letzte Woche an Landratsamt und das zuständige Bauordnungsamt verschickt. Sollte sich die fehlende Baugenehmigung bestätigen, werden die Mitglieder der Bürgerinitiative umgehend Klage gegen den Landrat und evtl. auch das Bauordnungsamt erheben, um eine baurechtliche Prüfung der Umbauten zu erreichen. Nach einer „absoluten Notlösung, wenn gar nichts mehr geht“ sieht das nicht aus, hier werden Dauerlösungen für sehr viele Menschen vorbereitet, da ist sich die Bürgerinitiative „Gegenwind Choren“ sicher.

Auch aus diesem Grund haben bereits viele Bürger des Ortes in den letzten Tagen Einspruch beim Landrat gegen die Nutzung in diesem Umfang eingereicht und erwarten nun eine Reaktion der Verantwortlichen. Wir lassen uns hier nicht einfach überfahren, so die überwiegende Meinung im Ort. Mit der Gründung der Bürgerinitiative „Gegenwind Choren“ haben wir uns nun entschieden, alle Möglichkeiten zu nutzen, um eine verträgliche Lösung für unseren Ort zu erreichen und diese auch auf eine verlässliche Basis zu stellen. Wir stehen jederzeit für wirklich offene Gespräche sowohl mit den Verantwortlichen der Stadt als auch des Landrates zur Verfügung. Einzige „Bedingung“: Ehrlichkeit und verlässliche Aussagen der Verantwortlichen.

Ein kleiner Lichtblick in dieser Hinsicht ist die Tatsache, dass man sich bisher an die gegebene Zusage gehalten hat, diese Woche das Objekt noch nicht zu belegen.“

Jens Liebscher im Namen der Bürgerinitiative „Gegenwind Choren“