merken

„Wir müssen die Schwächsten schützen“

Zwei Dresdner Mediziner werben für mehr Achtsamkeit bei Infektionskrankheiten. Und raten zur Vorsorge.

In den vergangenen Jahren haben Ausbrüche von Masern und Tuberkulose die Stadt beschäftigt. Und auch für viel Verunsicherung gesorgt. Professor Antje Bergmann und Professor Joachim Kugler von der Medizinischen Fakultät Dresden führen die Debatte am Donnerstag bei einem Symposium fort und suchen Lösungen.

Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Anspruchsvoller Geschmack, Style, Gemütlichkeit und Markenqualität - dafür steht Möbel Hülsbusch seit über 29 Jahren. Lassen Sie sich von den Wohnideen begeistern und individuell beraten. Jetzt zum Küchen- und Einrichtungsprofi zwischen Dresden und Meißen.

Sie beide sehen beim Thema Infektionskrankheiten Sachsen in einer Sonderrolle. Wie sieht diese aus?

Kugler: Betrachtet man den Report des Robert-Koch-Instituts zur Impfmüdigkeit, sieht man, dass diese in Sachsen stark zunimmt. Sachsen hat noch nicht ganz die Rote Laterne, aber es fehlt nicht mehr viel. Dagegen waren wir mal viel besser. Noch vor 15 Jahren galten die Kinder hier als durchgeimpft.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Kugler: Die Rate der strengen Impfgegner liegt recht konstant bei drei bis fünf Prozent. Diese wird man auch nicht mehr umstimmen können. Aber die Anthroposophische Grundhaltung wächst, die Leute suchen sich entsprechende Ärzte, die nicht auf Impfen bestehen. Das gipfelt dann bei den Masern gar in Masernpartys. Aber ihnen fehlt die Grundverantwortung im Sinne einer Herden-Immunität.

Sie meinen, dass nur durch die Herden-Immunität jene geschützt werden, die selbst nicht geimpft werden können …

Bergmann: Richtig. Die Leute begründen Ihre Entscheidung gegen das Impfen mit der Angst vor Nebenwirkungen. Aber was kann denn passieren? Ein Kind kann Fieber bekommen. Wir können nur versuchen, Unentschlossene durch Aufklärung umzustimmen.

Kugler: In Leipzig gab es beim Masernausbruch einen Fall, dass eine ungeimpfte Mutter und ihr fünf Monate altes Kind erkrankt sind. Das Kind, das zu jung zum Impfen war, lag schließlich im Koma. Vermutlich wird es unter schweren neurologischen Schäden leiden. Eigentlich müssten wir die Schwächsten am meisten schützen.

Also sprechen Sie sich
für eine Impfpflicht aus?

Kugler: Ja. Denn im Falle der Masern liegen die Risiken bei einer Erkrankung bei 1 zu 10 000. Das ist nicht ganz so gering. In den USA gehört das Impfen dazu. Dort haben schon Eltern das Sorgerecht verloren, wenn sie ihre Kinder nicht haben impfen lassen.

Bergmann: In Deutschland sind Kinder im Mutterleib, also als ungeborenes Leben, ganz stark geschützt. Ich muss sogar für Vorlesungen eine Gefährdungsbeurteilung verfassen, wie hoch das Risiko einer Ansteckung mit einer Infektionskrankheit für schwangere Teilnehmer sein könnte. Aber kaum ist das Kind da, entscheiden nur noch Mutter und Vater.

Nun hat Dresden im vergangenen Winter auch unter einer großen Grippewelle gelitten. Plädieren Sie auch hier für eine Impfung?

Bergmann: Ja, besonders in Multiplikatorenberufen. Es kann nicht sein, dass nur 25 Prozent des Medizinpersonals gegen Grippe geimpft sind. Obwohl diese Leute wissen, was passieren kann. Die Erkrankung kann bis hin zur künstlichen Lunge oder dem Tod führen. Vergangene Saison kam die Verunsicherung über den richtigen Impfstoff erschwerend hinzu. Erst spät haben die Krankenkassen den Vierfach-Impfstoff empfohlen. Sie hätten viel schneller reagieren müssen.

Kugler: Grundsätzlich müsste sich auch etwas am System ändern. Einige wenige Pharmafirmen beherrschen den Markt. Wenn eine Firma ausfällt, spüren wir das. In den vergangenen Jahren wurde wiederholt Impfstoff knapp. Aber es gehört doch zur Basisversorgung, dass es genügend Impfstoff gibt. Hier muss der Staat reagieren und entweder ausreichend lagern oder nachdenken, selber zu produzieren.

Sie positionieren sich auch zu Tuberkulose. Dagegen kann man aber nicht impfen. Was soll sich hier verändern?

Bergmann: Hier geht es vor allem darum, Ärzte wieder mehr für diese Krankheit zu sensibilisieren. Weil die Wahrscheinlichkeit an Tuberkulose zu erkranken gering ist, ist die Krankheit bei vielen Hausärzten nicht so präsent. Aber wenn jemand nach vier bis sechs Wochen noch immer hustet, gilt er nicht mehr als typischer Erkältungsfall. Dann muss er an dieser Stelle genauer untersucht werden.

Gespräch: Juliane Richter

Beim Symposium „Meldepflichtige Infektionskrankheiten: Besonderheiten in Sachsen“ führen die Mediziner die Debatte mit weiteren Kollegen fort. Donnerstag, 17.30 bis 20.30 Uhr, MTZ, Fiedlerstraße 42, Hörsaal 1. Anmeldung unter: [email protected]