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„Wir müssen regional denken“

Energiewende, Betriebsnachfolge und neuer Vorstand im Unternehmerverband Niederschlesien: Darüber spricht der Vorsitzende Roland Jäkel im Interview.

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© André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Der Unternehmerverband Niederschlesien geht in sein 26. Jahr. Gegründet 1991 als Wirtschaftsförderverein ist sein Ziel, den Wirtschafts- und Kulturraum der niederschlesischen Region umweltverträglich und sozial verantwortlich zu fördern. Wo der Verband jetzt steht und welche Pläne er hat, darüber sprach die SZ mit dem Vorsitzenden Roland Jäkel.

Herr Jäkel, das neue Jahr beginnt mit einigen Veränderungen im Unternehmerverband. Zudem sind Sie als Vorsitzender von den Mitgliedern am Donnerstag einstimmig wiedergewählt worden. Sie werden den Verband also die nächsten drei Jahre weiterführen.

Ja, dazu bin ich bereit und danke den Mitgliedern für das Vertrauen in meine Arbeit. Dennoch gibt es Veränderungen im Vorstand. Bis auf Elke Weinig, die unsere Schatzmeisterin bleibt, gibt es personelle Wechsel. Die stellvertretende Vorsitzende ist jetzt Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann, nachdem Ulrich Dedeleit als Geschäftsführer der Lausitz Elaste sich nicht mehr der Wiederwahl stellte. Auch Hans Joachim Tauch, seit 1994 im Vorstand, gibt den Posten als Schriftführer an Rechtsanwältin Ines Lätsch ab. Zudem hat Unternehmer Günter Schuster seine Funktion als dritter Beisitzer abgegeben. Sie ist nun unbesetzt. Die Ausgeschiedenen bleiben aber weiter Mitglied im Verband.

Bleibt trotz des Wechsels an der Spitze die Basis des Verbandes stabil?

Den fünf Neuaufnahmen in den letzten drei Jahren stehen drei Austritte gegenüber, so dass der Verband jetzt 54 Mitglieder zählt, darunter drei Ehrenmitglieder. Unser Ziel bleibt es weiterhin, neue Mitglieder für den Verband zu werben.

Haben Sie es bei den Neuansiedlungen wie im Gewerbegebiet Kodersdorf schon versucht?

Es ist schwierig, Firmen, die zwar in unserem Territorium produzieren, aber nicht hier ihren Sitz haben, für den Unternehmerverband zu gewinnen. Wir sehen uns als Interessenvertreter für den hiesigen Mittelstand, auch wenn Großbetriebe wie der Stahlbau und der Waggonbau gleichfalls Mitglied sind. Aber beides sind reine Nieskyer Firmen und von Anfang an dabei.

Als Unternehmerverband stehen Sie nicht allein da. In Görlitz und Zittau gibt es ebensolche Verbände. Streben Sie einen Zusammenschluss an?

Wir sind uns in allen drei Verbänden einig, dass die Struktur so bleibt. Diese Individualität wollen auch die Unternehmer und Gewerbetreibenden. Und für das Überregionale haben wir die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer. Daher ist kein Bedarf, uns zu vereinigen.

Mit der Wirtschaftsinitiative Lausitz (Wil) macht ein neuer Verein auf sich aufmerksam. Wird er zur Konkurrenz?

Die Initiative ist nach eigener Angabe eine Aktions- und Netzwerkplattform, die sich durch länder- und branchenübergreifende Arbeit auszeichnet. Sie konzentriert sich auf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Lausitz. Somit steht die Frage, ob nicht wir Mitglied in der Wil werden. Eines unserer Mitglieder, Katrin Bartsch, sitzt bereits im Vorstand der Wil. Großen Bedarf einer überregionalen Zusammenarbeit sehe ich in der Umsetzung der Energiewende. Wir müssen regional denken. Die Politik wird keine neuen Arbeitsplätze in der Lausitz schaffen, höchstens die Weichen stellen.

Das machen Sie dann als Verband?

Ja und nein. Die Entscheidung für neue Arbeitsplätze liegt bei jedem Unternehmer selbst. Wir können Unterstützung und Anregungen geben. Dazu gehört unser jährliches Wirtschaftsgespräch mit Referenten aus Politik und Wirtschaft sowie ein reger Informationsaustausch. Deshalb wollen wir auf unserer Internet-Seite ein Postfach für Mitglieder einrichten, damit sie immer auf dem Laufenden sind.

Bei all Ihrer Entschlossenheit: Es bleiben Hindernisse, die der Verband allein nicht überwinden kann?

Da nenne ich die immer noch mangelnde Breitbandversorgung und die Funklöcher, die wir im Landkreis nach wie vor haben. Aber auch das Problem der Unternehmensnachfolge beschäftigt uns. Bundesweit gehen uns im Jahr rund 100 000 Arbeitsplätze verloren, weil Betriebe schließen. Das betrifft besonders den Mittelstand. Dagegen hilft, sich frühzeitig um einen Nachfolger zu kümmern und ihn für diese Aufgabe anzulernen. Aber auch die Bereitschaft in der Belegschaft, Führungsaufgaben zu übernehmen. Das bleibt ein Thema für uns.