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„Wir rauchen gemeinsam die letzte Zigarette“

Suchtberaterin Jana Tempels erklärt das Rauchfrei-Programm der Suchtberatungsstellen in Freital und Dippoldiswalde. Und sie verrät, warum es in einer Gruppe leichter ist, aufzuhören.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Freital/ Dippoldiswalde. Die Suchtberatungsstelle Löwenzahn in Dippoldiswalde und Freital bietet ab März ein neues Rauchfrei-Programm. Es ist ein Weg, um in einer Gruppe gemeinsam von der Zigarette oder anderen Formen des Tabaks loszukommen. Kursleiterin Jana Tempels erklärt, wie das geht.

Frau Tempels, Sie bieten als Suchtberatungsstelle ein Rauchfrei-Training an. Ist Tabakrauchen so ein Riesenproblem, sind nicht andere Süchte schlimmer?

Zu uns in die Suchtberatung kommen in erster Linie Leute wegen Alkohol oder illegalen Drogen. Das ist die Hauptdiagnose. Wir stellen aber fest, in der Nebendiagnose gibt es immer auch die Tabakabhängigkeit. Die meisten sagen dann, wir gehen erst das eine Laster an, das andere kommt später. Es ist ja auch nicht so schlimm. Aber die Statistiken sagen klar, dass jährlich rund 100 000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens sterben, 20 000 an den Auswirkungen von Alkoholmissbrauch und rund 2 000 Todesfälle durch illegale Drogen verursacht werden. Das macht einmal die Dimension des Themas klar. Wir wollen die Perspektive anbieten, ein unabhängiges Leben zu führen, unabhängig von jeder Art von Sucht. Die Krankenkassen unterstützen das, weil auch die wissen, Präventionsangebote lohnen sich. Die sparen den Kassen Geld und die Menschen gewinnen Lebensqualität.

Nun ist Rauchen für viele ja ein Genuss. Was gewinnt der, der darauf verzichtet?

Nach acht Stunden verbessert sich schon die Sauerstoffversorgung des Körpers. Gerade für Leute mit Atemnot ist das spürbar. Nach zwei Tagen merkt man, Geruchs- und Geschmackssinn verändern sich positiv. Das Essen schmeckt intensiver. Man muss nicht mehr so viel nachwürzen. Das hat natürlich einen Nebeneffekt: Wenn das Essen besser schmeckt, isst man mehr. Da gucken wir auch nach Alternativen. Eine Motivation ist auch das Geld: Wie viel spare ich, wenn ich keine Zigaretten mehr kaufe? Es sind aber oft auch kleine Gewinne: Ich muss nicht mehr vor die Tür gehen. Meine Frau meckert nicht mehr mit mir.

Wie soll der Kurs ablaufen?

Er wird in einer Gruppe ablaufen. Ich bin selbst eine begeisterte Gruppentherapeutin, und der Mensch ist ein soziales Wesen. Bei einer solchen Therapie kommt die Unterstützung durch die Gruppe dazu. Man teilt sein Problem und macht sich gemeinsam auf den Weg. Das Gemeinsame macht viel aus. Wenn alle sagen: Wir hören in der Gruppe mit dem Rauchen auf, wir rauchen gemeinsam die letzte Zigarette – das motiviert.

Warum bieten Sie genau diesen Kurs?

Das Institut für Therapieforschung bietet dieses Programm, bei dem die Teilnehmer tatsächlich gemeinsam aufhören zu rauchen. Das Programm hat eine hohe langfristige Erfolgsquote. Darüber geben die Rauchfrei-Trainer eine Rückmeldung. Jeder Dritte schafft es. Dabei kommt es natürlich auf die Teilnehmer an, welche Motivation sie mitbringen. Es ist ein Kompaktkurs mit sechs Terminen in Folge. Die Leute müssen also nicht viel Zeit dafür aufwenden.

Ist das Aufhören so ganz einfach?

In der Gruppe einfacher als allein. Die ersten 24 Stunden nach der letzten Zigarette werden vorbereitet. Es gibt eine Notfallkarte, es steht Hilfe am Telefon bereit. Die größte Angst ist immer die Angst vor Entzugserscheinungen. Bei 50 Prozent der Teilnehmer treten die gar nicht auf. Es geht den meisten hinterher nicht schlecht.

Wenn jemand mehr als 20 Zigaretten am Tag raucht, dann ist das eine starke Abhängigkeit. Da muss man eventuell einen Arzt mit ins Boot nehmen, dass der ein Nikotinpflaster oder medikamentöse Unterstützung gibt. Aber das wird alles im Vorfeld besprochen. Viele trauen sich einfach den ersten Schritt nicht zu. Mit fachlicher Begleitung und in der Gruppe ist es leichter. Es sind vielleicht drei Tage, wo man eine Art Erkältungssymptom hat. Aber dann setzten schon die Verbesserungen ein.

Ist die E-Zigarette ein Ausweg?

Das Schadstoffniveau ist deutlich unter dem Niveau einer Tabakzigarette. Langjährige Raucher haben in der Regel schon ein geschädigtes Bronchialgewebe, wenn da das Chemikaliengemisch einer E-Zigarette draufkommt, wird es auch schwierig. Und ich sehe sie aus einem anderen Grund kritisch: Rauchen ist oft eine Einstiegsdroge. Das Abhängigkeitsverhalten ist mit der E-Zigarette nicht gelöst.

Wohin muss sich wenden, wer beim Rauchfrei-Programm mitmachen will?

Am besten kommen Interessenten zur Informationsveranstaltung am Montag, dem 5. März, in das Beratungszentrum der Arbeiterwohlfahrt, Niedertorstraße 5, in Dippoldiswalde. Kontakt und Information telefonisch über 0351 6493528 oder per E-Mail an [email protected].