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„Wir sind alle Kameraden“

© Ronald Bonß

In einer Petition an den Landtag fordern ehrenamtliche Katastrophenschützer Gleichstellung mit Feuerwehr und THW.

Von Karin Schlottmann

Es war für die ehrenamtlichen Helfer einer ihrer größten Einsätze in diesem Jahr. Rund 1 800 Menschen mussten in der Messe übernachten, pflegebedürftige Patienten versorgt und getröstet werden. Die Evakuierung nach dem Bombenfund in Dresden Mitte Mai, die sich über mehrere Tage hinzog, wäre ohne Hunderte ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes und der Johanniter Unfallhilfe kaum zu bewältigen gewesen.

Dennoch hätten sie erst nach Verhandlungen mit der Stadt für diesen außergewöhnlich schwierigen und langen Einsatz Verdienstausfall erhalten, sagt Kai Kranich, Sprecher des DRK-Landesverbandes Sachsen. Der Normalfall ist das nicht. Für die meisten Einsätze müssten Ehrenamtler Urlaubstage opfern oder ihren Arbeitgeber um Kulanz bitten, wenn sie während der Arbeitszeit oder in den Nachtstunden als Helfer unterwegs sind.

Das muss sich dringend ändern, fordern viele Ehrenamtliche. In einer Petition „Status 6 – Helfergleichstellung in Sachsen jetzt“ verlangen Katastrophenschutzhelfer die vollständige juristische Gleichstellung der insgesamt 15 746 ehrenamtlichen Helfer von Hilfsorganisationen mit der Feuerwehr. Im Datenfunk von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz bedeutet der Begriff „Status 6“ „nicht einsatzbereit“. „Kameraden sind wir alle“, sagt Kranich. Lohnersatzleistungen müssen gezahlt werden, wenn der Staat oder eine Kommune einen Katastrophenfall ausrufen. In den anderen Fällen, zum Beispiel bei großen Unfällen, können sie gezahlt werden, es ist aber keine Pflicht. „Wir wollen, dass es bei Alarmierung durch Behörden und Kommunen eine Muss-Bestimmung wird.“

Katastrophenalarm wurde in Sachsen zuletzt während des Hochwassers ausgerufen. Gerade jetzt im Sommer werden die Helfer aber besonders häufig zu weniger großen Einsätzen geholt. Sie bringen Autofahrern im Stau Essen und Getränke, suchen Vermisste mit der Hundestaffel oder retten Freizeitsportler in den Bergen. Die Petition ist nach Worten des Initiators Markus Kremser bereits an den Landtag übergeben worden. Auf der Webseite Open Petition sammeln er und andere Aktive weiterhin Unterschriften, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Kremser, der in Görlitz im Katastrophenschutz tätig ist, sieht das Rote Kreuz auch bei der technischen Ausstattung im Nachteil. Während die Freiwillige Feuerwehr mehrere Millionen Euro zusätzlich für Fahrzeuge, Ausbildung und Helfer erhält, gingen die sogenannten „weißen Einheiten“ leer aus, kritisiert er. In einem per Facebook verbreiteten offenen Brief an Innenminister Roland Wöller (CDU) fordert Kremser finanzielle Unterstützung, damit Katastrophenhelfer ähnlich wie Feuerwehrleute einen Lkw-Führerschein machen können.

Es fehle zudem Geld für Sanierungen von sanitären Anlagen sowie für den Unterhalt und die Reparaturen der hochwertigen Spezialfahrzeuge des DRK. Benzin müsse teils aus Spendengeldern bezahlt werden. Das Finanzierungspaket für die Feuerwehr sei eine gute Sache, sagt Kremser. „Aber der Katastrophenschutz ist auch wichtig.“ Die Benachteiligung gegenüber der Feuerwehr sei völlig unbegründet.

DRK-Sprecher Kranich verweist darauf, dass Bayern kürzlich auf Drängen von Hilfsorganisationen Geld bereitgestellt hat, mit dem die freiwilligen Helfer Lohnersatzleistungen erhalten. Mehrere Gespräche mit Innenminister Wöller und Landtagsabgeordneten haben die DRK-Helfer bereits hinter sich. Noch fehle die Bereitschaft, obwohl sich auch die Präsidentin des DRK, Gerda Hasselfeldt, für die Gleichbehandlung der sächsischen Helfer starkmacht. Kremser hofft auf die Unterstützung eines ehemaligen, inzwischen prominenten DRK-Katastrophenhelfers: Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte sich als Wehrdienstpflichtiger ersatzweise für acht Jahre beim DRK verpflichtet.