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„Wir sind nicht da, Helene Fischer ranzuholen“

Am Wochenende feierte Großenhain sein 25. Stadtfest – und wurde in einschlägigen Internetforen kritisiert.

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© Anne Hübschmann

Von Catharina Karlshaus

Großenhain. Natürlich haben sie es gelesen: Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) und Kulturkoordinator Jörg Withulz wissen an diesem Dienstagmorgen, was einige Großenhainer auf Facebook geschrieben haben. Befragt nach dem diesjährigen Stadtfest fand sich neben durchaus lobenden Worten vor allem harsche Kritik: Zu wenig los, zu schlechte Bands, zu wenig Atmosphäre. „Wir sind immer für Verbesserungsvorschläge offen! Aber all die Organisatoren, Mitglieder von Vereinen, Organisationen, die vielen Ehrenamtlichen und nicht zuletzt die Mitarbeiter der Verwaltung nur abzuwatschen, finde ich nicht in Ordnung“, sagt Sven Mißbach. Wie Großenhains Verwaltungschef betont, investierten alle Beteiligten in die Vorbereitung und Durchführung eine Menge Arbeit. Die meisten ehrenamtlich. „Und das sollte man doch wertschätzen. Sonst müssen wir so etwas auch nicht mehr aller zwei Jahre tun.“ Die SZ blickte mit Jörg Withulz hinter die Organisation des Festes.

Herr Withulz, sind die Großenhainer und Gäste der Stadt undankbar und verwöhnt? Oder reichte es dieses Jahr tatsächlich nicht zum ganz großen Wurf?

Von Undankbarkeit möchte ich nicht reden. Das würde ich mir niemals anmaßen. Aber verwöhnt sind wir natürlich alle ein bisschen. Das Angebot ist ringsherum groß, ebenso die Erwartungshaltung. Nicht zuletzt durch den Tag der Sachsen im Jahre 2014 rufen wir teilweise ganz unbewusst immer wieder die tollen Bilder von vollen Straßen, Plätzen und Bühnen auf. Mit dieser Großveranstaltung können und wollen wir uns aber gar nicht messen! Es war ein normales Stadtfest. Liebevoll und mit großem Aufwand von allen Beteiligten vorbereitet. Ein Stadtfest, wie es das deutschlandweit überall gibt. Eines, wie es sich andere Städte wünschen würden und das sich an den finanziellen Gegebenheiten des kommunalen Haushaltes orientieren musste. Aus unserer Sicht ist uns ein gutes Fest gelungen, zumindest habe ich in den Gesprächen vor Ort nichts anderes gehört.

Dafür wurde im Nachhinein der vermeintlich provinzielle Charakter, das schlechte Angebot an Händlern und die angeblich geringe Qualität der am Abend aufgetretenen Bands kritisiert. Vorwürfe, die Sie treffen?

Nein, das tun sie nicht! Weil ich erstens weiß, dass sie nur von einer Handvoll Leuten kommen. Und mir zweitens im Einvernehmen mit allen Beteiligten sehr bewusst bin, wie viel Zeit und Energie wir alle gemeinsam investiert haben. Wir haben in Absprache mit dem Oberbürgermeister von vornherein in diesem Jahr auf ein kleineres Fest gesetzt. Angesichts der städtischen Finanzen bedeutete das praktisch, lediglich den Hauptmarkt und den Kirchplatz zu nutzen. Dann haben sich aber die Fördergemeinschaft Großenhain aktiv und die Schützenhaus Event Group gemeldet und ihre Unterstützung zugesagt. Die Feuerwehr Großenhain , die Mobile Jugendarbeit, das Museum und viele Vereine brachten ihre zahlreichen Ideen ein und auf einmal war das Fest eingedenk der Schausteller größer als eigentlich gedacht. Das Angebot war damit größer und das Festgelände insgesamt freilich etwas auseinander gezogen und deshalb vielleicht nicht immer so proppenvoll. Aber entscheidet denn eine dichte Menschenmenge jetzt wirklich darüber, ob etwas gut oder schlecht ist? Und wer von einer Verwaltung erwartet, dass sie einen Superstar wie Helene Fischer auf die Großenhainer Bühne holt, den muss ich sowieso enttäuschen! Wir sind als Stadtverwaltung keine professionellen Konzertveranstalter. Dafür ist unser Stadtfest auch nicht da.

Und was antworten Sie denen, die eine zu hohe Standgebühr für Händler anmahnen?

Denen sage ich, dass wir die Preise für Händler schon seit 2005 nicht mehr angehoben haben! Und Vereine sowieso keine Standgebühren zahlen müssen.

Würden Sie nun irgendetwas anders machen?

Das kann man sicherlich immer tun. Aber dieses Stadtfest war gut so, wie es gewesen ist. Und ich bin froh, dass es viele engagierte Großenhainer gibt, die diese Veranstaltungen durch ihren Einsatz jedes Mal dazu machen. Alles andere muss man abwarten. Mal sehen, wie die Lage übernächstes Jahr ist, wenn wieder Stadtfest-Zeit ist.

Gespräch: Catharina Karlshaus