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„Wir sind vereint“

Nach der aufgeheizten Stimmung in Cottbus wegen Gewalt zwischen Deutschen und Ausländern wollen Hunderte Menschen ein Zeichen für Frieden setzen. Viele Politiker stehen an ihrer Seite.

© dpa

Anna Ringle

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Cottbus. Unter dem Eindruck der Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen in Cottbus haben zahlreiche Menschen mit einem Sternmarsch ein Zeichen für Weltoffenheit und Frieden gesetzt. Hunderte starteten am Donnerstag aus verschiedenen Richtungen und trafen an der Oberkirche im Stadtzentrum zu einer Kundgebung zusammen. Der Verein „Cottbuser Aufbruch“, der dazu aufgerufen hatte, ging von insgesamt weit mehr als 1000 Menschen aus. Die Polizei sprach von einem störungsfreien Verlauf.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte in seiner Rede auf dem Oberkirchplatz: „Wir lassen uns den Ruf dieser Stadt nicht kaputtmachen.“ Cottbus sei eine weltoffene Stadt. Mit der Kundgebung werde ein Signal gegen Rechtsextremismus gesetzt.

Cottbus‘ Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) sagte zu Negativschlagzeilen zur Stadt wegen der geballten Auseinandersetzungen: „Wir sind nicht gespalten, wir sind vereint.“ Er ergänzte: „Die Maßnahmen, die wir eingeleitet haben, die werden greifen, davon sind wir überzeugt.“

In der Stadt gibt es die Befürchtung, dass das Image der Stadt dauerhaft leiden könnte. Mit dem Sternmarsch am 73. Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg sollte deshalb nicht nur dieser Opfer gedacht werden, sondern auch ein Zeichen des friedlichen Miteinanders gesetzt werden.

Zahlreiche Landespolitiker beteiligten sich an der Kundgebung. Dazu zählten unter anderem Finanzminister und Linken-Chef Christian Görke, Sozialministerin Diana Golze (Linke) und Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben. Viele Studenten der Uni zog es auf die Demo, ebenso Familien, Rentner und Vertreter der Cottbuser Wirtschaft. Der evangelische Bischof Markus Dröge betonte, dass es in Cottbus ein großes Engagement bei der Integration von Flüchtlingen gebe.

In den vergangenen Monaten war es immer wieder zu Gewalt zwischen Deutschen und Flüchtlingen in Cottbus gekommen - im Januar in geballter Form. In der Vergangenheit hatte es in Abständen auch Demos gegen die Ausländerpolitik der Bundesregierung gegeben. Diese bekamen nach den Auseinandersetzungen zuletzt deutlich mehr Zulauf. Unter die Besucher mischten sich stets auch Rechtsextreme.

Oberbürgermeister Kelch zeigte sich am Rande der Kundgebung zuversichtlich, dass der Zulauf zu den Demos gegen die Ausländerpolitik wieder rückläufig sein werde, wenn die eingeleiteten Maßnahmen in der Stadt sichtbar greifen. Er zählte unter anderem die Schaffung von weiteren Kita- und Schulplätzen und mehr Sozialarbeit auf. Cottbus hatte in der Vergangenheit mehr Flüchtlinge aufgenommen als viele andere Kommunen in Brandenburg. Zurzeit nimmt die Stadt auf Anweisung des Landes keine weiteren aus der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes auf.

Zu Befürchtungen, dass in Cottbus ein zweites Pegida-Dresden entstehen könnte, sagte Kelch: „Ich gehe davon aus, dass die Zivilgesellschaft in Cottbus stark genug sein wird, dass sich sowas nicht wiederholt.“ Zur aktuellen Stimmung in der Stadt meinte er: „Es ist entspannter geworden.“ Das führte er auch auf die verstärkte Polizeipräsenz in der Innenstadt zurück. Auch eine Polizeisprecherin hatte zuvor zur Einschätzung der Lage der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Es hat sich beruhigt.“

Seit Jahren wird am 15. Februar mit der Demonstration des Vereins „Cottbuser Aufbruch“, der sich gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzt, an den Jahrestag der Bombardierung der Stadt erinnert. Die Demo war vor Jahren als Gegenpol zu rechten Aufmärschen initiiert worden. In diesem Jahr war nach Polizeiangaben kein solcher Aufmarsch im Vorfeld angemeldet worden. (dpa)