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„Wir werden bei Bombardier um jeden Arbeitsplatz kämpfen“

Trotz der Zusage, keine deutschen Standorte zu schließen, bangen die Waggonbauer in Bautzen und Görlitz um ihre Jobs. Jetzt meldet sich der IG-Metallchef von Sachsen, Berlin und Brandenburg zu Wort.

© von Polenz/transitfoto

Von Olivier Höbel

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Die Nachricht über mögliche Standortschließungen in den Werken Görlitz und Bautzen beim kanadischen Bahnhersteller Bombardier haben Öffentlichkeit und Politik aufgeschreckt. Vor einem Jahr war der Abbau von 1 430 Arbeitsplätzen in Deutschland vollzogen worden. Im Herbst war die Rede von bis zu 5 000 weiteren Jobs weltweit mit Schwerpunkt in Deutschland. Schlimmer noch als die Hiobsbotschaft selbst war die Art dieser Mitteilungen: Sie zeigten, dass das Management von Bombardier, das in immer kürzeren Abständen ausgewechselt wird, kein unternehmerisches Zukunftskonzept entwickelt, sondern sich offenkundig nach der Logik des Kapitalmarkts richtet.

Deshalb war das Gespräch von IG Metall und Betriebsrat mit der Unternehmensführung bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ein wichtiges Signal. Auch die Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg haben sich aktiv eingeschaltet. Dies sendet ein klares Zeichen an die Führung von Bombardier: Die Politik beobachtet und begleitet die Entwicklungen bei dem Unternehmen mit Argusaugen.

Vereinbart wurde unter Vermittlung der Politik ein Dialog über die Zukunft von Standorten und Jobs bei Bombardier. Dialog heißt für uns nicht, dass wir uns fertige Abbau-Konzepte noch einmal erklären lassen, sondern dass wir die Themen Produktivität, Beschäftigungssicherung und Innovation gemeinsam mit dem Unternehmen bearbeiten. Bombardier muss jetzt das Unternehmenskonzept auf den Tisch legen, damit die zugrunde liegenden Annahmen überprüft werden können. Dies ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen gemeinsamen Dialog und Prozess.

Alle Pläne, die von einem Szenario von betriebsbedingten Kündigungen und Massenentlassungen oder gar Standortschließungen ausgehen, werden auf den entschiedenen Widerstand der IG Metall stoßen. Dass Veränderungsbedarf besteht, haben IG Metall und Betriebsrat selbst erkannt. Deshalb haben wir schon im Frühjahr vergangenen Jahres den „Fahrplan Zu(g)kunft“ vorgelegt. Darin sind viele substanzielle Vorschläge für mehr Wettbewerbsfähigkeit und höhere Produktivität aufgezählt. Allerdings sind seither keine Taten gefolgt. Gewerkschaft und Betriebsräte arbeiten aktiv an der Zukunftsperspektive – im Gegenzug erwarten wir Beschäftigungssicherheit, Standort- und Kompetenzzusagen.

Die Bahnindustrie ist in Deutschland nach der Automobilindustrie eine der technologischen Leitbranchen im weiter an Bedeutung zunehmenden Mobilitätssektor. Die Technologie- und Innovationskompetenz der Bombardier-Belegschaften und -Standorte sind unverzichtbarer Bestandteil dieses Bahn-Clusters. Deutschland und Europa sind wichtige Wachstumsmärkte für Mobilität und Schienenfahrzeuge.

Politik und die Deutsche Bahn als wichtigster Akteur und Nachfrager von Schienenfahrzeugen haben die Verpflichtung, darauf zu achten, dass Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden. Wenn die Bundesregierung die Bahn mit Milliardenbeträgen aus Steuergeldern stützt, wie gerade erst geschehen, ist es nur folgerichtig, dass die Bahn neue Züge auch in Deutschland bestellt.

Die Standorte von Bombardier in Brandenburg und Sachsen sind unverzichtbare Eckpfeiler der industriellen Entwicklung in den Regionen. Sie geben den Beschäftigten und ihren Familien Einkommen, soziale Sicherheit und bringen Kaufkraft in die Regionen. Sie sind außerdem Quelle für Steuereinnahmen der öffentlichen Hand sowie für Aufträge an Zulieferer, Dienstleister und Handwerker in den Regionen und sichern so Tausende weitere Arbeitsplätze.

Jeder Arbeitsplatz hat für uns ein Gesicht. Eine Kollegin oder ein Kollege mit seiner Familie wird sichtbar hinter dem abstrakten Begriff „Arbeitsplatz“. Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen!