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„Wir werden ein Wissenschaftsstandort“

Der Chef des Unternehmerverbandes Weißeritztal, Chris Meyer, über die wirtschaftliche Entwicklung in der Region.

© Karl-L. Oberthür

Von Tobias Winzer

Ab auf den Grill

Worauf muss man beim Grillen achten und was schmeckt am besten auf dem Grill? Egal zu welcher Jahreszeit - Grillen macht immer Spaß und verbindet.

Freital. Niedrige Arbeitslosigkeit, eine große Vielfalt an Unternehmen, steigende Gewerbesteuer- einnahmen für die Kommunen. Den Firmen in der Region rings um Freital und Dippoldiswalde geht es gut. Die Wirtschaft wächst. Der Unternehmerverband Weißeritztal mit Sitz in Freital begleitet die Entwicklung seit nunmehr 25 Jahren. Der Vorsitzende Chris Meyer schaut in die Zukunft.

Herr Meyer, denken wir uns zehn Jahre voraus, ins Jahr 2028. Wie sieht dann die Wirtschaft in der Region aus? Welche Unternehmen gibt es? Was produzieren diese?

Zunächst: Für großes produzierendes Gewerbe wird es schwierig – das gilt für Deutschland insgesamt, aber genauso für die Freitaler Region. Weil wegen der Tallage die für die Produktion nötigen großen Flächen hier nur in geringem Maße zur Verfügung stehen. Deswegen wird sich Freital vom Bergbau- und Produktionsstandort zu einem Wissenschaftsstandort entwickeln. Die Region wird im Verbund mit Dresden für technische Innovationen stehen. Hier werden die Computer, Maschinen und Roboter entwickelt, die in anderen Teilen der Welt produzieren.

Gilt das Gleiche auch für die Region Richtung Dippoldiswalde? Dort gäbe es theoretisch den Platz.

Ich glaube nicht, dass wir uns als Landkreis auf das produktive Gewerbe versteifen sollten. Aus meiner Erfahrung heraus wird dafür die unmittelbare Nähe zu Schnellstraßen und Eisenbahnverbindungen gebraucht. Das produktive Gewerbe wird sich eher entlang der Güterverkehrstrecke zwischen Görlitz und Leipzig ansiedeln. In unsere Region wird sich das „kleine Feine“ entwickeln, also Wirtschaft auf sehr hohem technologischen Niveau.

Freiberg wird immer als greifbares Paradebeispiel angeführt in diesem Zusammenhang. Was hat die Stadt in der Vergangenheit richtig gemacht?

Sie haben relativ zeitig angefangen, die Gewerbeflächen rund um das historische Zentrum zu analysieren: Wer ist noch da? Und welche freiwerdenden Flächen können wie genutzt werden? Es gab dort schon zu DDR-Zeiten zum Beispiel eine international gut laufende Aluminiumproduktion, aber auch andere ausbaubare Industriezweige. Davon profitierte man auch nach der Wende. Zudem profitierte die Stadt von der Hochschule und den Ausgründungen. Diesen wurden dann freie Flächen zur Verfügung gestellt.

Was kann unsere Region davon lernen? Es kann doch nicht jede Stadt Hochschulstandort sein.

Stimmt, aber wir haben einen großen Vorteil. Auf dem Weg zwischen den Hochschulstandorten Dresden, Freiberg und Tharandt kommen viele Menschen durch Freital durch. Die Stadt liegt also äußerst günstig. Ich kann mir vorstellen, dass sich hochschulnahe Institute hier ansiedeln. Außerdem brauchen wir Schulen für Fachausbildungen – also zum Beispiel für den Handwerker, der einen Fachhochschulabschluss machen will. Angesichts der technologischen Veränderungen, die uns bevorstehen, brauchen wir mehr Menschen, die über den Tellerrand hinausschauen. Schauen Sie sich nur die Entwicklung in der Automobilbranche an und den Trend vom Verbrennungs- zum Elektromotor.

Was wird künftig vom Arbeitnehmer verlangt werden?

Ich habe im Freitaler Edelstahlwerk gelernt. Die Arbeit von damals ist mit der heute nicht mehr zu vergleichen. Sicherlich wird es im Stahlwerk immer harte, körperliche Arbeit geben, aber diese ist in den vergangenen Jahren sehr zurückgegangen. Viele Prozesse sind mittlerweile automatisiert. Dieser Trend wird weitergehen. In der Produktion werden tendenziell weniger Menschen benötigt. Ihre Arbeit wird mehr und mehr von Computern und Maschinen übernommen. Gebraucht werden aber zum Beispiel die Menschen, die solche Maschinen programmieren oder Roboter entwickeln. Die Kreativwirtschaft bekommt eine starke Bedeutung.

Können Sie verstehen, wenn Menschen Angst vor dieser Entwicklung haben?

Ja, ich kann das verstehen, aber es braucht keiner Angst zu haben. Die Jobs werden sich einfach verlagern. Solch eine Entwicklung haben wir ja zum Beispiel gesehen, als der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz kam und Tausende Arbeitsplätze in dem Kitabereich entstanden sind. Das dauert aber eine gewisse Zeit. Und so wird es auch in anderen Bereichen sein. Deswegen kann man sagen: Die älteren Arbeitnehmer sollten aufgeschlossen sein für neue Entwicklungen. Sie brauchen aber keine Angst haben, dass ihre Arbeitskraft schon morgen nicht mehr gebraucht wird. Sie werden ihre Arbeit zu Ende führen. Und für die jungen Leute: Sie müssen sich natürlich Gedanken machen, ob ihr Beruf, den sie einmal gelernt haben, in zehn Jahren immer noch gefragt ist. Nehmen Sie den Ingenieur für Verbrennungsmotoren. Der muss jetzt sehen, dass er sich neu orientiert.

Ihr Unternehmerverband macht sich schon für die Förderung der Kreativwirtschaft stark. Vor drei Wochen haben Sie zu einer Infoveranstaltung zu dem Thema eingeladen. Was ist für Sie die Haupterkenntnis des Abends?

Ich habe mich sehr über das große Interesse an der Veranstaltung und über die Vielfalt der Teilnehmer gefreut. Jetzt ist die Frage, wie es weitergeht. Natürlich würden wir den Abend gern fortsetzen, aber für uns ist es letztlich eine Kostenfrage, die es zu klären gilt. Die Idee ist, dass sich kreative Unternehmer in einer losen Veranstaltungsreihe vorstellen.

Der Unternehmerverband Weißeritztal wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Was haben Sie sich vorgenommen?

Die Veranstaltung zur Kreativwirtschaft hat gezeigt, dass es doch ganz gut ist, wenn es jemanden gibt, der so etwas organisiert. Und darum geht es für mich im Jubiläumsjahr: Wir müssen grundsätzlich prüfen, ob ein regionaler Unternehmerverband noch zeitgemäß ist. Idealerweise sehe ich den Verband als Bindeglied zwischen Unternehmern und den Verwaltungen. Doch dafür müssen wir auch junge Leute motivieren, mitzumachen. Was ich nicht will, ist, dass der Unternehmerverband zu einem Seniorenklub der Ex-Unternehmer wird.

Das Interview führte Tobias Winzer.