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„Wir werden keine verrückten Sachen machen“

Nach dem Einzug in die Champions League will RB Leipzig weder den Kader noch das Stadion radikal umbauen.

© PICTURE POINT

Von Daniel Klein

Den Feierkurzurlaub nutzten einige Spieler von RB Leipzig zu einem Trip nach Mallorca. Erst am Mittwoch muss sich die Mannschaft wieder im Trainingszentrum zur Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Bayern München melden. In der Geschäftsstelle dagegen waren keine Betriebsferien, im Gegenteil. „Jetzt können wir endgültig planen“, hatte Sportdirektor Ralf Rangnick bereits am Samstag im Berliner Olympiastadion frohlockt, als die direkte Qualifikation für die Champions League auch rechnerisch feststand. Vorzubereiten gibt es einiges. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen:

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Werden nun Stars eingekauft, um in der Champions League zu bestehen?

Das ist unwahrscheinlich – und das aus mehreren Gründen. Bei aller Finanzkraft des Hauptsponsors kann RB beim Etat nicht annähernd mit Bayern oder Dortmund mithalten, spanische und englische Spitzenklubs sind noch weiter weg. Zum anderen will Leipzig den Weg fortsetzen und auf junge, talentierte Spieler setzen. „Es wird keinen Riesenumbruch geben, wir werden keine verrückten Sachen machen“, kündigte Vorstandschef Oliver Mintzlaff an. „Wir haben unsere Spieler langfristig unter Vertrag genommen, weil wir die Mannschaft langfristig entwickeln wollen.“ Die Gehaltsobergrenzen, die bei Mintzlaff Leitplanken heißen, werden allerdings angepasst. Bisher lagen sie bei einem Jahressalär von drei Millionen Euro. „Wir werden neue Leitplanken setzen“, betonte er. „Wünsche, die außerhalb liegen, sind dann nicht zu realisieren.“

Um die Strapazen der englischen Wochen bei der intensiven Spielweise überstehen zu können, soll der Kader allerdings „in der Breite mehr Qualität“ bekommen, erklärte Rangnick. „Ob drei oder vier Neuzugänge reichen, das weiß ich nicht. Vielleicht brauchen wir auch fünf oder sechs.“ Insgesamt 40 Millionen Euro sollen dafür zur Verfügung stehen. Mit dem 22-jährigen Torhüter Yvon Mvogo von Young Boys Bern ist erst eine Verstärkung fix.

Wird die Stadionkapazität schneller erhöht als ursprünglich geplant?

Definitiv nicht. Im Zuge des Kaufs des ehemaligen Zentralstadions hatte RB angekündigt, dass ab Sommer 2018 größere Umbauarbeiten beginnen würden und das Fassungsvermögen dann von jetzt 41 400 auf 57 000 steigt. Für die Champions League ist eine generelle Kapazitätserweiterung nicht nötig – wohl aber bei der Anzahl der Vip-Plätze. 1 300 stehen derzeit zur Verfügung. „Wir brauchen weitere 400 bis 500. In der Kürze der Zeit ist das nur mit einer Zeltlösung möglich“, erklärte Mintzlaff. Zudem rückte der Verein inzwischen von der Zielgröße 57 000 ab. 50 000 seien zunächst ausreichend, betonte der RB-Boss. Dafür soll in die Infrastruktur wie Toiletten und Kioske investiert werden.

Auf welche Gegner könnte Leipzig in der Gruppenphase treffen?

Die acht Gruppen werden am 24. August in Monaco ausgelost, das erste Spiel in der Königsklasse bestreiten die Rasenballer am 12. oder 13. September. Da die Leipziger als Europapokal-Neuling keinen Uefa-Koeffizienten vorweisen können, landen sie automatisch im vierten und letzten Lostopf, damit drohen schwere Gegner. Die prominentesten wären – Stand jetzt – Chelsea, Liverpool, Barcelona, Real Madrid, Juventus Turin und Paris Saint-Germain.

Wie viel Geld kassiert der Verein für den Einzug in die Königsklasse?

Bereits die direkte Qualifikation zahlt sich aus. Als Startgeld überweist die Uefa rund 13 Millionen Euro, für jeden Sieg in der Gruppenphase gibt es anderthalb Millionen, für ein Remis 500 000. Sollte RB ins Achtelfinale einziehen, kämen sechs Millionen hinzu. Noch nicht mitgerechnet ist dabei der sogenannte Marktpool, bei dem die TV-Gelder des jeweiligen Landes unter den maximal vier Startern aufgeteilt werden. Hält Leipzig in der Bundesliga Platz zwei, bekäme der Neuling hinter Meister München den zweitgrößten Anteil.

Bekommt RB überhaupt die Starterlaubnis von der Uefa?

Die Verflechtungen mit dem Red-BullSchwesterklub aus Salzburg könnten zum Stolperstein werden. Im Paragraf 5 der Uefa-Regularien heißt es: „Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem Uefa-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben.“ Rangnick war bis 2015 auch Sportdirektor in Salzburg, erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Mintzlaff seinen Zweitjob als Fußball-Chef des Red-Bull-Konzerns abgegeben hat. Dass dies eine Reaktion auf die Uefa-Vorschriften sei, stritt Leipzig ab.

Der europäische Verband teilte mit, dass etwaige Verstöße erst nach Eingang der Meldungen geprüft würden. RB gibt sich gelassen: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Mintzlaff.