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„Wir wollten doch nur Spaß machen“

Zwei Libyer sollen Geld von einem Somalier erpresst haben. Einer der Täter muss nun in Haft.

© Symbolbild/dpa

Von Yvonne Popp

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Pirna/Klingenberg. Alyasia M. und Walid A. waren dem Alkohol sehr zugetan. Sie tranken, um sich die langen Abende in der Klingenberger Asylunterkunft zu vertreiben. So auch am 22. Juli vergangenen Jahres. Zu vorgerückter Stunde fassten die beiden Männer den Entschluss, nach Dresden zu fahren, um dort weiterzumachen. Dafür fehlte ihnen aber das Geld. Doch Walid A. wusste Rat. Ein Somalier sollte ihnen etwas leihen.

Laut Staatsanwaltschaft hatten die beiden Angeklagten den 30-Jährigen aber keineswegs um diesen Gefallen gebeten. In seinem Zimmer sollen sie den Somalier rüde aufgefordert haben, ihnen 40 Euro zu leihen. Als dieser beteuerte, kein Geld zu haben, bedrohten sie ihn, später sogar mit einem Besteckmesser. Weil sich der Somalier beharrlich weigerte, sein Geld herzugeben, setzte es Schläge. Schließlich gelang es den Männern, ans Portemonnaie aus der Gesäßtasche seiner Hose zu kommen.

Das alles sei gar nicht so gewesen, sagt Walid A. am Amtsgericht in Pirna. „Wir waren betrunken und haben nur Spaß gemacht“, erklärt der 24-Jährige. Im Übrigen habe man sich nur 20 Euro borgen wollen und geschlagen habe man schon gar nicht.

Sein Komplize hat aufgrund seines Alkohol- und Drogenkonsums an diesen Abend nur verwaschene Erinnerungen, weiß aber noch, dass die Situation im Zimmer des Opfers, nachdem es am Anfang tatsächlich eher locker zugegangen war, schnell umgeschlagen ist. Als er und Walid A. merkten, dass ihnen der Somalier sein Geld nicht geben wollte, habe es ein Hin und Her gegeben. Dann räumt Alyasia M. ein, das Portemonnaie, in dem sich 60 Euro und Ausweispapiere befanden, dem Somalier weggenommen zu haben. Die Hilferufe des Opfers hatten sowohl Bewohner als auch den Sicherheitsdienst alarmiert, sodass die beiden Angeklagten mit ihrer Beute nicht weit kamen. Noch im Haus konnten sie gestellt werden. Ein weiterer Libyer schritt ein, holte die Geldbörse von den beiden Männern zurück und übergab sie mit vollständigem Inhalt an den Somalier.

Bilder der Überwachungskameras der Asylunterkunft zeigen, wie der verängstigte Geschädigte den beiden Tätern noch auf den Flur gefolgt war, in der Hoffnung, seine Börse wiederzubekommen.

Walid A. und Alyasia M., die seit dem Vorfall in Untersuchungshaft sitzen, bedauern ihre Tat heute. Beide entschuldigen sich und bitten um eine Strafe auf Bewährung. In Alyasia M.s Fall kann das Schöffengericht dem nachkommen. Wegen schweren Raubes verurteilt es den 22-Jährigen zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung. Zudem muss der junge Libyer 100 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Walid A. dagegen trifft es härter. Nach Überzeugung des Gerichts war der polizeibekannte Mann federführend bei der Tat und widersetzte sich im Anschluss massiv der Polizei. Urteil: 26 Monate Haft – ohne Bewährung.