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„Wir ziehen uns den Verkehr in die Stadt“

Vorige Wochen sprach die SZ mit Befürwortern des Autotunnels Berliner Straße. Heute sagt Klaus-Dieter Magister, weshalb er die Idee für falsch hält.

© Kristin Richter

Von Birgit Ulbricht

Herr Magister, braucht Großenhain einen Autotunnel an der Berliner Straße?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Aus meiner Sicht nein. Natürlich ist so ein Tunnel machbar, das ist doch gar keine Frage. Aber ist er auch sinnvoll? Da muss man sich doch nur einmal die Ergebnisse der Studie ansehen. Wo wohne ich? Welche Vorteile und Nachteile hat das Projekt? Was kostet es? Entscheidend ist doch die Frage: Was entsteht durch den Tunnel?

Und was wäre das aus Ihrer Sicht?

Die Ortsumfahrung der B 98 wäre mit einem Schlag um die Hälfte leerer, das zeigen die Verkehrsprognosen des Planungsbüros. Die würden wieder alle durch die Innenstadt rammeln. Es ist doch eine Illusion zu glauben, dass dann nur die unmittelbaren Anwohner die neue Durchfahrt nutzen. Auf der Wildenhainer Straße, der Herrmannstraße und der Mozartallee würde sich der Verkehr verdoppeln. Was haben wir denn damit gekonnt? Überall versucht man, den Verkehr aus den Städten heraus zu bekommen. Und wir wollen den umgedrehten Weg gehen?

Sagen Sie das, weil Sie als Anwohner selbst betroffen wären?

Nicht nur. Es gibt schließlich auch Anlieger, die einen Autotunnel befürworten. Ich denke, es wäre für die Stadt nicht richtig.

Und was sollen die Großenhainer sagen, die zum Beispiel am viel befahrenen Steinweg wohnen und die ganze Diskussion um die Berliner Straße verfolgen?

Die tun mir ohne Ende leid. Jeder, der solchen Krach und Dreck aushalten muss. Deshalb muss sich die Stadt auch auf die Ortsumfahrung der B 101 konzentrieren, um genau diese Leute endlich zu entlasten. Dafür brauchen wir unsere ganze Kraft und das wird schwer genug. Insofern ist ein neuer Autotunnel vertane Zeit und vertanes Geld.

Nun fiel ja mehrfach das Wort Luxusprojekt in diesem Zusammenhang. Wäre eine Minimalvariante wirklich finanziell nicht zu stemmen?

Ja. Man darf nicht vergessen, dass es ganz klare Bauvorgaben für geförderte Projekte gibt: 4,50 Meter Tunnelhöhe, Durchfahrt auch für Lkw, zum Beispiel. Ob ein reiner Autotunnel überhaupt gefördert würde, weiß ich nicht. Da wird eine Minimalvariante von drei oder 3,5 Millionen auch schnell zum Fiasko für eine kleine Stadt, zumal wir andere Ausgaben haben. Und die Bahn gibt kein Geld dazu, weil sie nicht dazu verpflichtet ist. Wir hatten doch erst ein schönes Beispiel dafür: Wenn die Stadt nicht mit Gutachten und Anwälten nachgewiesen hätte, dass sie Berechnungen zum Zugverkehr wohl doch nicht ganz stimmen, hätte die Deutsche Bahn da einen Euro für weitere 300 Meter Lärmschutzwand zugesagt? Sicher nicht.

Es gibt aber noch eine andere Überlegung als die reinen Baukosten, die ohnehin nie ganz im Rahmen bleiben, wie jeder weiß. Wenn der Tunnelbau ein Stadtwunsch ist, dann haftet sie auch für mögliche Folgeschäden an den Fundamenten der Häuser durch die Grundwasserabsenkung, die in diesem Areal notwendig wäre. Wollen wir uns darauf einlassen?

Nun gibt es ausgerechnet viele Kleinraschützer, die zwar auch betroffen wären von mehr Verkehr, aber den Autotunnel trotzdem wollen.

Ja, das stimmt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Leute immer alle Details kennen, wenn darüber gesprochen wird. Aber das können sie auch nicht, die Arbeitsgruppe war zunächst ja intern. Aber das ist auch nötig, damit die Sachen nicht gleich von Anfang an zerredet werden. Am 11. Juni gibt es die Einwohnerversammlung, wo alles noch mal ausführlich dargestellt wird.

Ich weiß auch, dass unter anderem das Argument, die Eltern müssten auch immer den Umweg fahren, wenn sie ihre Kinder in die Kita oder die Schulen am Schacht bringen, kommen wird. Aber für mich ist das eher das Gegenargument, das Külzviertel weiter zu beruhigen und nicht wieder den ganzen Verkehr dort hinzuführen. Viele laufen doch auch heute schon sicher durch den Geh-/Radtunnel. Und wenn die Stadt tatsächlich irgendwann das Wohngebiet Nord-West wieder anfassen sollte – will man da neben der B 98 auf der anderen Seite auch noch eine viel befahrende Straße haben?

Die Befürworter des Tunnels haben kritisiert, dass die Verkehrsprognosen nicht stimmig sind, dass künstlich hochgerechnet wurde, um das Vorhaben gleich ad absurdem zu führen.

Wer von vornherein nichts zur Kenntnis nehmen will, hält sich aber auch nicht an demokratische Spielregeln. Es geht außerdem an dieser Stelle nicht nur um die Autos, die dort fahren, sondern auch um die, die dann dort stehen. Denn wir haben einen Bahnübergang, der durch die zwei Strecken alle 15 Minuten geschlossen ist. Das würde sich dann in Stoßzeiten erheblich zurückstauen, und das lässt sich heutzutage mit entsprechenden Programmen alles simulieren. Insofern beruht die Studie nicht auf Hirngespinsten. Das ist mir zu viel Polemik, statt klar die Fakten zu sehen.