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Wirbel um gestohlene Luxusuhr

Wegen des Insolvenzverfahrens muss die „Gute Fahrt“ in Riesa eine Uhr, die eigentlich ihr gehört, der Sparkasse übergeben.

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Von Robert Reuther und Jens Ostrowski

Riesa. Der Krimi um eine geklaute Audi-Uhr des Autohauses Gute Fahrt kommt nun vorerst zu einem Abschluss. Und zwar zu einem Überraschenden. Am Freitag hat Autohaus-Mitarbeiterin Linda Krätzer das 3 600 Euro wertvolle Stück an den Sparkassen-Sprecher Ralf Krumbiegel übergeben. Und das, obwohl die Uhr eigentlich der Guten Fahrt gehört. Laut Geschäftsführer Kurt Hähnichen gibt es dafür einen einfachen Grund. „Durch unsere Insolvenz stehen derzeit Mietzahlungen an die Sparkasse aus. Vermieter können dann von einem Pfandrecht Gebrauch machen, welches das Finanzunternehmen auf die Uhr geltend gemacht hat“, sagt Hähnichen. Die Uhr war nämlich einmal im Audi-Center in der Sparkassen-Hauptfiliale auf der Hauptstraße ausgestellt – bis sie von dort gestohlen wurde. „Nachdem das gute Stück wieder aufgetaucht war, haben wir um die Herausgabe gebeten“, erklärt Ralf Krumbiegel. Das wiederum hatte der Insolvenzverwalter Stefan Hahn vorerst verweigert. Seine Aufgabe ist es, die Vermögenswerte zusammenzuhalten. „Jetzt hat allerdings ein Umdenken eingesetzt und wir durften die Uhr herausgeben“, so Hähnichen. Was jetzt mit der Square Chronograph Vajoux 7750 im Wert von 3 600 Euro passiert, weiß Ralf Krumbiegel auch nicht genau. „Wir werden sie sicherlich erst einmal in den Tresor legen und abwarten, wie das mit der Guten Fahrt weitergeht“, sagt Krumbiegel.

Abwarten müssen die Beteiligten auch, wie es mit dem Missetäter weitergeht, der die Uhr Anfang August auf spektakuläre Weise entwendet hatte. Nicht mit roher Gewalt, sondern mit einem Schlüssel. Der steckte sogar noch im Schloss. Der Sparkassen-Sicherheitsdienst hatte gemerkt, dass die Uhr weg war. Das Kuriose: Niemand wusste, wo der Schlüssel hergekommen sei. Eigentlich gäbe es nur einen, und der sollte laut Krumbiegel in einem Tresor der Sparkasse lagern. Lange herrschte Ratlosigkeit, wie sich der Diebstahl während der normalen Öffnungszeit zugetragen haben könnte. Aufgrund einer Inventur, die das Autohaus kurz zuvor durchgeführt hatte, konnten die Ermittler die Zeit eingrenzen, in der der Diebstahl geschah. Dass es mit einem Schlüssel geschah, wies schon damals daraufhin, dass es ein Mitarbeiter gewesen sein musste. Die Fahnder der Kriminalpolizei hatten zahlreiche Mitarbeiter von Autohaus und Sparkasse befragt und so den Kreis von den Personen, die grundsätzlich die Möglichkeit gehabt hätten, an die Uhr zu gelangen, eingrenzen können. Eine Wohnungsdurchsuchung führte jetzt schließlich zum Erfolg. Die Uhr wurde bei einem Verkäufer des Autohauses sichergestellt. Er hatte versucht, den Diebstahl damit zu entschuldigen, dass er die wertvolle Uhr davor retten wollte, in die Insolvenzmasse eingerechnet zu werden. Zwar hatten sowohl die Sparkasse als auch das Autohaus auf rechtliche Schritte verzichtet, das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft aber ließ sich nicht mehr stoppen. Eine Strafe von einer Geldbuße bis hin zu fünf Jahren Haft sind möglich.

Für Hähnichen und Krumbiegel sind die Gerüchte um die Uhr auch nach dessen Auftauchen nicht abgeebbt. Anfangs hieß es, Kurt Hähnichen soll die Uhr selbst geklaut haben. „Jetzt hören wir, dass der mutmaßliche Dieb draußen herumerzählt, dass die Sparkassen- und Autohausmitarbeiter alle darüber im Bilde gewesen sein sollen, dass er die Uhr mitgenommen hat“, sagt Hähnichen. Die fühlten sich kriminell behandelt. „Von uns hat niemand gewusst, dass der Verkäufer die Uhr gestohlen hat“, so Autohaus-Teiledienstchef Siegbert Wolf. Für Hähnichen ist es eine bodenlose Sauerei, dass die Angestellten jetzt noch so mit Schmutz beworfen werden. „Das hat gerade in der jetzigen Situation niemand verdient“, sagt Hähnichen. Die Situation mit der Insolvenz könnte sich Mitte Januar entspannen. Dann soll eine Entscheidung eines möglichen Investors fallen. Dieser wolle den Kurs des Autohauses mittragen, so Hähnichen. Es gebe zahlreiche positive Signale. „Aus meiner Sicht sieht es gut aus und ich bin sehr zuversichtlich, dass es weitergeht. Ich denke, dass wir mit gesundem Optimismus Weihnachten feiern können.“