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Wird das Theater flutsicher?

Eine mobile Schutzwand vor dem Eingang könnte in Windeseile hochgezogen werden. Doch der Bau ist umstritten.

© Foto: Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Zum dritten Mal in nur elf Jahren wurde das Meißner Theater 2013 überschwemmt. Nachdem 2002 und 2006 insgesamt gut zwei Millionen Euro in die Sanierung des Hauses flossen, kamen vor zweieinhalb Jahren noch einmal etwa 1,5 Millionen dazu. Ist das Theater also ein Fass ohne Boden? Muss nach der nächsten Flut wieder investiert werden oder gibt es die Aussicht auf einen wirksamen Schutz vor eindringendem Wasser?

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Von Wassermassen umgeben: Diesen traurigen Anblick bot das Theater am 4. Juni 2013 kurz vor dem Höhepunkt der damaligen Elbe-Flut. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie so etwas in Zukunft verhindert, das Theater besser vor Hochwasser geschützt werden
Von Wassermassen umgeben: Diesen traurigen Anblick bot das Theater am 4. Juni 2013 kurz vor dem Höhepunkt der damaligen Elbe-Flut. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie so etwas in Zukunft verhindert, das Theater besser vor Hochwasser geschützt werden © Foto: Claudia Hübschmann

„Aquaburg“ könnte die Lösung des Problems heißen. So nennt sich das derzeit schnellste mobile Hochwasserschutzsystem am Markt. Innerhalb von zwei Stunden können zwei Personen etwa 200 Meter der sogenannten Aqua-Planen aufbauen – ohne Einsatz eines Lkw oder sonstiger Hilfsmittel. Ist dieses System auch in der Meißner Innenstadt praktikabel, um das Theater vor dem nächsten Hochwasser zu schützen? Bedingt ja, meint Jörg Scholz, der innerhalb der Firma Arnold Consult für den Bereich Sachsen zuständig ist. Schon im letzten Jahr hatte das Unternehmen – das auch mit der gesamten Neugestaltung des Areals Theaterplatz beauftragt ist – die Idee einer in den Boden verankerten, mobilen Schutzwand den Stadträten vorgestellt. „Der Eingang am Theaterplatz ist der niedrigste Punkt in der Meißner Altstadt. Daher gibt es kaum Alternativen als einen mobilen Hochwasserschutz, um diesen Bereich zu schützen“, sagt er. „Aquaburg“ hätte den Vorteil, dass nicht in das Aussehen des historischen Vorplatzes im Eingangsbereich eingegriffen würde. Außerdem habe sein Ingenieurbüro die Erfahrung gemacht, dass herkömmliche Entwässerungsrinnen von der Denkmalschutzbehörde abgelehnt werden.

Schutz durch Planen

„Die Alternative könnte aus unserer Sicht die neue Methode sein. Das ist letztlich nichts anderes als eine Entwässerungsrinne mit einer integrierten Plane, die auf einer Rolle angebracht ist, mit dieser die Plane bei Hochwasser nach oben gezogen werden kann“, so Scholz. Mit Stahlpfosten, die in eine Rinne im Boden eingelassen werden, flüssigkeitsdichten Planen und einem Stahlnetz, das nur durch Ineinandersetzen mit den Pfosten verbunden werden kann, funktioniert das innovative Hochwasserschutzsystem.

Die Geschäftsführerin des Theaters Renate Fiedler würde so eine Variante befürworten, wenn sie finanziell realisierbar ist. „Und sie müsste natürlich um das ganze Haus errichtet werden, sonst ergibt das Ganze keinen Sinn“, sagt sie. Weil die Elbe-Flut 2013 bis über zwei Meter hoch im Theater stand, sollte die neue Mauer außerdem mindestens bis zu dieser Höhe – was einem Elbpegel von knapp neun Metern entspräche – hochgezogen werden können.

Genau hier liegt aber das Problem, weshalb die „Aquaburg“ innerhalb der Stadtverwaltung umstritten ist. Erstens könnte diese aus technischen und finanziellen Gründen nicht um das ganze Theater herum errichtet werden. Zweitens nur bis zu einer Höhe von etwa 70 Zentimetern, was mit baulichen Voraussetzungen des Platzes zusammenhängt. „Wenn der Pegel zu hoch steigt, würde das Wasser trotzdem über die Mauer schwappen“, sagt Jörg Scholz.

Diskussionen seit Jahren

Außerdem – sagen die Gegner – drücke Grundwasser sowieso nach oben, könnte man das Geld also sparen. Diese Argumente lässt Renate Fiedler aber nicht gelten. „Das Grundwasser ist mit den von außen kommenden Wassermassen nicht zu vergleichen. Das kann man besser in den Griff bekommen, Schäden minimieren. “

Diskussionen um einen effektiven Schutz gibt es schon seit Jahren, sogar Stimmen im Stadtrat, die einen Neubau an anderer Stelle fordern. Trotzdem werde sich die Stadt im nächsten Bauausschuss am 24. Februar mit der Variante Aqua-Burg auseinandersetzen, sagt Sprecher Philipp Maurer. „Das Konzept wird erst dem Bauausschuss vorgestellt, dann eventuell der Öffentlichkeit. Schließlich ist die Idee erst Anfang Januar 2016 geboren worden“, erklärt Baudezernent Steffen Wackwitz. Es müsse genau abgewogen werden, ob die Arbeiten tatsächlich am Theaterplatz machbar sind. Auch ein genauer Kostenplan stehe noch aus.

Klar ist aber auch, dass die Verwaltung sich bis zu einer Entscheidung nicht zu viel Zeit lassen darf. „Die Anträge für eine mögliche Förderung des Freistaats aus dem Topf für Hochwasserschadensbeseitigung müssen zeitnah gestellt werden“, sagt Stadtoberhaupt Olaf Raschke (parteilos). Für den Schutz des Eingangsbereiches wären nach SZ-Informationen etwa 30 Meter Plane nötig. Was genau das kosten würde, verrät Jörg Scholz aber nicht. Er werde nun abwarten, wie sich die Stadt Meißen entscheidet. Danach könnte es mit dem Bau der mobilen Schutzwand, insofern der Denkmalschutz mitspielt, zügig losgehen.