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Wird der Strom jetzt teurer?

Schwarz-Gelb setzt auf die längere Nutzung von Atomstrom. Die Koalition verständigte sich auf ein differenziertes Laufzeitplus der Kernkraftwerke. Im Gegenzug sollen die Betreiber einige Milliarden Euro ihres Extra-Gewinnes für den Ökostrom-Ausbau bezahlen.

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Von Peter Heimann, Berlin

Schwarz-Gelb setzt auf die längere Nutzung von Atomstrom. Die Koalition verständigte sich auf ein differenziertes Laufzeitplus der Kernkraftwerke. Im Gegenzug sollen die Betreiber einige Milliarden Euro ihres Extra-Gewinnes für den Ökostrom-Ausbau bezahlen. Gegner laufen Sturm. Die SZ analysiert das neue Energiekonzept und mögliche Folgen für die Verbraucher:

Wie lange sollen die Meiler zusätzlich am Netz bleiben?

Es gibt derzeit 17 Atommeiler in Deutschland – alle stehen in den alten Bundesländern. Die sieben älteren, vor 1980 gebauten Kernkraftwerke dürfen acht Jahre länger Strom produzieren. Bei moderneren, nach 1980 fertiggestellten AKW, soll die Betriebszeit um 14 Jahre verlängert werden. Im Durchschnitt ergibt sich so ein Laufzeitplus von 12 Jahren.

Wann geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz?

Wahrscheinlich irgendwann nach 2040. Der Grund für die Unklarheit: Schalten die Konzerne ältere Reaktoren aus wirtschaftlichen Gründen früher als geplant ab, können sie zugebilligte Strommengen, die diese Kraftwerke produzieren durften, auf neuere AKW übertragen. Nach dem rot-grünen Atomgesetz wären die letzten Meiler etwa 2025 vom Netz gegangen. Rot- Grün hatte eine Regellaufzeit von 32 Jahren vorgesehen – die wird nun auf 40 beziehungsweise 46 Jahre erhöht. Kritiker sagen, eine solche Lebensdauer berge unkalkulierbare Risiken. Laut Bundesamt für Strahlenschutz fallen 4400 Tonnen zusätzliche hochradioaktive Atomabfälle an.

Was bringt die zusätzliche Laufzeit den Betreibern?

Die Experten rechnen bei abgeschriebenen Kraftwerken – grob gesagt – mit einem Verdienst von einer Millionen Euro pro Tag. Schätzungen sprechen insgesamt von sechs Milliarden Euro im Jahr Extra-Gewinn. Das Freiburger Öko-Institut geht von Zusatzeinnahmen der Energiekonzerne von alles in allem 127 Milliarden Euro aus.

Wie viel müssen die Betreiber für das Laufzeitplus zahlen?

Die Konzerne müssen eine neue Atomsteuer zahlen, die dem Bund ab 2011 jährlich netto rund 2,3 Milliarden Euro für die Haushaltssanierung einbringen soll. Eon, RWE, EnBW und Vattenfall haben aber erreicht, dass diese ursprünglich unbegrenzt geltende Brennstoffsteuer nur für sechs Jahre erhoben wird. Zusätzlich zahlen sie in einen Fonds für erneuerbare Energien.

Und was Zahlen die Konzerne für die Ökoenergien?

Die Energieriesen sollen zusätzlich von 2011 bis 2016 eine Sonderabgabe in den neuen Ökostrom-Fonds einzahlen: zunächst 300, später 200 Millionen im Jahr, insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Ab 2017, wenn Steuer und Sonderabgabe ausgelaufen sind, sollen die Stromkonzerne langfristig bis zu 15 Milliarden Euro aus ihren Laufzeit-Gewinnen für den Fonds abgeben. Die Angabeeinheit: neun Euro je Megawattstunde produzierter Atomstrom.

Wird durch das Konzept jetzt der Strom teurer?

Die Regierung sagt, Verbraucher würde jedenfalls nicht belastet: „Was wir auf den Weg bringen, wirkt preisdämpfend.“ Genau prognostizieren kann aber niemand, wie das Preisniveau in fünf, zehn oder gar in 30 Jahren ist. Experten gehen davon aus, dass Strom grundsätzlich teurer wird. Das liegt auch am stark geförderten Ausbau der erneuerbaren Energien.

Was gibt der Staat

zur Öko-Förderung dazu?

Ab 2013 sollen die Einnahmen aus dem Emissionshandel mit CO2– Papieren komplett in den neuen Öko-Fonds fließen. Der Bund rechnet mit jährlich rund 2,5 Milliarden Euro. Die an einer Börse gehandelten Zertifikate muss die Industrie für den Ausstoß von Kohlendioxid kaufen. Das Geld soll auch in den Stromnetzausbau fließen. (mit dpa)

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