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Wird die B 172 nun doch ausgebaut?

© Daniel Schäfer

Die Erneuerung der Königsteiner Ortsdurchfahrt ist notwendig. Der Bau bringt aber auch Probleme mit sich.

Von Yvonne Popp

Königstein. Der Ausbau der B 172 ist schon viele Jahre ein Thema in Königstein. Mit einem Aufkommen von rund 10000 Kraftfahrzeugen pro Tag zählt die Ortsdurchfahrt zu einer der verkehrsreichsten im Landkreis. Kein Wunder, denn die Bundesstraße ist die Hauptverkehrsader durch die Sächsische Schweiz. Entlang der Bahnhofstraße in Königstein allerdings wird es eng für alle Autofahrer. Auf dem Stück zwischen Kreisverkehr und Abzweig Pladerberg passen zwei Lkw kaum aneinander vorbei.

Mit der Planung für einen Ausbau der Fahrbahn an dieser Stelle ist in der Vergangenheit schon einmal begonnen worden. 2008 hatte man in Richtung Bad Schandau, entlang der rechten Straßenseite, mehrere Häuser weggerissen. Danach sollte der Hang gesichert werden, damit nachfolgend die Fahrbahn verbreitert werden konnte. Doch dazu ist es nicht gekommen, weil es wohl zwischen dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), welches damals noch Straßenbauamt Meißen-Dresden hieß, und der Stadt Königstein zu keiner Einigung über das weitere bauliche Vorgehen gekommen war.

Warum kommen die Ausbaupläne jetzt wieder auf den Tisch?

Im vergangenen Jahr aber hatte sich das Lasuv wieder mit dem Ausbau der B 172 beschäftigt und die Planungen dazu wieder aufgenommen. Die Landesbehörde schloss einen Vertrag mit der Stadt ab, in dem festgelegt wurde, dass Königstein und das Lasuv das Vorhaben in enger Zusammenarbeit angehen. Zudem sollten mehrere Varianten zur Umsetzung der Baumaßnahme erarbeitet werden. Nun gibt es einen ersten, konkreten Vorentwurf seitens des Lasuv. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Königsteiner Stadtrat seine Stellungnahme dazu verabschiedet.

Welche Vorschläge macht das Landesamt für Straßenbau?

Einer Verbreiterung der Fahrbahn auf durchgängig 6,50 Meter Breite, wie vom Lasuv vorgeschlagen, stimmt die Stadt zu. Keine Notwendigkeit sieht sie aber für einen 1,50 Meter breiten Fußweg auf der Hangseite der Bahnhofstraße. Der zwischen Reißigerplatz und Pladerberg bereits bestehende Fußweg, so begründet Bürgermeister Tobias Kummer (CDU), werde nach jetzigem Kenntnisstand von Anwohnern und Touristen äußerst selten bis gar nicht genutzt. Nachdem die Häuser dort abgebrochen wurden, habe es schließlich auch keinen fußläufigen Anwohnerverkehr mehr gegeben, führte Kummer im Stadtrat aus. Dazu komme, dass die Prallwand auf Fußgänger psychologisch stark einengend wirke, besonders, wenn hohes Verkehrsaufkommen besteht. Dieser Effekt würde sich durch die geplanten, drei Meter hohen Stützmauern weiter verstärken. Die Stadt hält hier einen Grünstreifen für angebracht.

Was wünscht sich die Stadt Königstein?

Königstein hätte auf der Bahnhofsstraße elbseitig gern einen Gehweg von drei Metern Breite. Vom Lasuv angedacht waren hier nur 2,50 Meter. Mit einem halben Meter zusätzlich wäre die Häuserzeile zwischen Bahnhofstraße 1 und altem Bahnhofsgebäude für Gewerbetreibende wieder attraktiv, weil es dann genug Platz zum Verweilen zum Schaufensterbummel gäbe, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Dazu will Königstein in Eigenregie auf dem Gelände an der Bahnhofstraße 34 einen Park+Ride Platz anlegen. Insgesamt 24 Stellplätze sollen hier entstehen. Dieser wäre dann hangseitig gelegen. Damit Fußgänger die B 172 sicher queren können, hält die Stadt an dieser Stelle eine Fußgängerampel für erforderlich.

Was passiert mit dem Haus Bahnhofstraße 2?

Eine Frage, die es noch zu klären gilt, ist, ob weitere Gebäude abgerissen werden müssen, um die Fahrbahn durchgängig verbreitern zu können. Das Lasuv ist hier der Ansicht, dass das Haus an der Bahnhofsstraße 2 weichen muss. Eine Ecke des Gebäudes engt die Straße unmittelbar nach dem Kreisverkehr deutlich ein. Das wirkt verkehrsdämpfend, vor allem für Fahrzeuge, die aus Richtung Bad Schandau kommen. Die Stadt aber steht einem Abbruch des Gebäudes skeptisch gegenüber. Sollte das Lasuv an der Variante mit zwei Gehwegen festhalten, gäbe es nach dem Abriss des Hauses keine wirkliche Entschärfung an dieser Stelle, argumentierte die Stadt.

Wann könnte der Ausbau beginnen?

Mit dem Beschluss des Stadtrats kann das Lasuv nun die Auswertung der Ergebnisse angehen. Ein Signal für einen baldigen Baustart ist das aber nicht. „Weder Kosten noch Termine lassen sich zu diesem Zeitpunkt belastbar benennen“, teilt Isabel Siebert, Sprecherin des Lasuv, auf Anfrage mit. „Bis zum ersten Spatenstich werden sicher noch mehrere Jahre ins Land gehen, da wir noch in einer frühen Planungsphase stecken und sicher ein Planfeststellungsverfahren erforderlich wird“, erklärt sie. Als Hauptknackpunkt für das Bauvorhaben könnte sich die nötige Vollsperrung der B 172 am Nadelöhr erweisen. Die Stadt kämpft darum, dass die B 172 während der Bauphase befahrbar bleibt. Hier sucht das Lasuv noch nach einer Lösung.