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Wird die Bundesstraße zur Sackgasse?

Das Straßenbauamt stellte in Priestewitz erste Vorplanungen für eine Umgehungsstraße vor - und erntete vor allem Kritik.

© Brühl/Montage: Bildstelle

Von Manfred Müller

Priestewitz. Volles Haus im Priestewitzer Gemeindeamt. Am Dienstagabend hatte sich zur Ratssitzung das sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) angesagt, und das lockte nicht wenige Einwohner in den Versammlungsraum. Ganz gleich, in welcher Himmelsrichtung die Bundesstraße 101 um den Ort herumgeführt würde – betroffen wären alle. Vor allem deshalb, weil nach der Fertigstellung der Ortsumfahrung der Bahnübergang auf jeden Fall dichtgemacht würde. Das aber wollen, wie im Laufe des Abends deutlich wurde, viele Priestewitzer nicht.

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Referatsleiterin Sybille Knauthe analysierte zunächst die drei Hauptvarianten für den Straßenverlauf, die die Planer für denkbar halten. Nach der Ersten würde die Bundesstraße weiter durchs Dorf führen und die Bahnstrecke mit einer Überführung oder einem Tunnel queren. Beides wäre nur mit hohem technischen und finanziellen Aufwand machbar und würde – zumindest im Falle einer Straßenbrücke – die Häuser in der Nähe des Bahnübergangs wegen der Lärmbelastung quasi unbewohnbar machen. Deshalb wurde diese Variante schnell als theoretisches Konstrukt beiseitegelegt. Sie wäre mit 15 Millionen Euro auch um zwei Drittel teurer als eine Umfahrung im Osten oder Westen des Dorfes. Letztere präsentierte das Lasuv als seine Vorzugsvariante.

Die Westumfahrung würde unmittelbar am Ortseingang aus Richtung Großenhain rechts abzweigen, die gesamte Wohnbebauung umgehen, die Bahnlinie auf einer Brücke überqueren und am Dorf-Ende wieder in die jetzige Trasse einmünden. An der Stelle, wo sie die Kreisstraße zwischen Priestewitz und Strießen kreuzt, soll ein Kreisverkehr gebaut werden. Sybille Knauthe ließ keinen Zweifel daran, dass das Lasuv die neun Millionen Euro teure Lösung als Vorzugsvariante betrachtet. Fußgänger und Radfahrer könnten innerorts dann die vorhandene Überführung am Priestewitzer Bahnhof nutzen. Für sie und behinderte Menschen sollten dort zwei Aufzüge angebaut werden.

Die dritte Möglichkeit – eine Umfahrung östlich des Dorfes – würde streckenmäßig etwas länger ausfallen, aber in etwa die gleichen Kosten verursachen. Ungünstiger wäre hier die Tatsache, dass die Trasse an mehr Wohngrundstücken vorbeiführt. Außerdem gäbe es mehr Konflikte mit Umweltbelangen.

Als dann schließlich die Bürger zu Wort kamen, hagelte es Kritik vor allen an der vom Amt bevorzugten West-Umfahrung. Die soll nur einen 40-Meter-Abstand von der letzten Wohnbebauung haben, und das schmeckte vielen Priestewitzern gar nicht. Ob die Planer daran gedacht hätten, dass der Wind vorwiegend aus Richtung West weht, wurde gefragt. Dadurch bekämen die Anwohner Fahrzeuglärm, Staub und Abgase praktisch exklusiv herübergeweht. Außerdem befänden sich in unmittelbarer Nähe die Förderschule und die Kindertagesstätte. Und was sei mit dem Verkehr auf der Kreisstraße nach Strießen? Der nehme durch die außerörtliche Anbindung an die B 101 doch zu und rolle dann an Schule und Kita vorbei, was die Unfallgefahr für die Kinder erhöhe.

Im Grunde hätten es viele Priestewitzer ohnehin lieber, wenn die Umfahrung zwar gebaut, der Bahnübergang aber offenbliebe. Deshalb forderte Gemeinderat Adolf Noppes erst einmal, den Mehrheits-Willen im Dorf zu erkunden. Referatsleiterin Knauthe hatte diesem Ansinnen aber schon im Vorfeld eine Absage erteilt. Die innerörtliche Verkehrsbelastung allein (Prognose für 2025:5500 Fahrzeuge pro Tag) rechtfertige in keinem Fall eine Umgehungsstraße. Wenn die Gemeinde nicht wolle, so die Verkehrsplanerin, werde das Buch eben wieder zugeklappt.

Mit dem Scheitern ihrer Verkehrsentlastungspläne haben die Priestewitzer schon gewisse Erfahrungen. Im Jahr 2000 hatte sich der Gemeinderat schon einmal für eine Trasse entschieden, eine – allerdings ortsfernere – West-Umfahrung. Sechs Jahre später stoppte Sachsens Wirtschaftsministerium sämtliche Planungen – der Freistaat wollte sparen.