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Wird nicht ganz so laut

Die Seewoche startet mit einem Elektro-Open-Air am Strand des Berzdorfer Sees. Bei der Hitze kann sowieso niemand schlafen.

© Nikolai Schmidt

Von Susanne Sodan

Gerade noch in Berlin, jetzt am Berzdorfer See: In der Hauptstadt hatte Jens Werner in den vergangenen Tagen zwei Veranstaltungen, zwei sind es nun am Wochenende auch am See, die er gemeinsam mit Benjamin Reiss auf die Beine stellt. Am Freitagabend findet beim Oberhof die Depeche Mode Lounge statt. Und am Sonnabend ist das Electronic Summer Open Air, Auftakt zur Seewoche. Diesmal sollen aber alle vorgewarnt sein. Mittels Formular, das Jens Werner verteilt hat, an die Polizei, Ordnungsamt, den Sicherheitsdienst und so weiter. Auf diesem Formular steht, wie lange gefeiert werden darf, welche Lautstärke zugelassen ist, Sicherheitsvorkehrungen, wie viele Gäste erwartet werden.

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Über Himmelfahrt veranstalteten Jens Werner und Benjamin Reiss das Open Air „Einfach mal tanzen“. War gut besucht, gab im Nachhinein aber Ärger. Anwohner beschwerten sich, auch bei der SZ, dass zu laut und zu lange gefeiert wurde. Im Planungsverband Berzdorfer See kam Kritik vom Hotel „Insel der Sinne“. „Ehrlich gesagt, mit so vielen Gästen hatten wir nicht gerechnet“, erzählt Jens Werner. Und ja, in dem Trubel sei es auch irgendwann untergegangen, auf die Richtung des Windes zu achten – der die Bässe mit sich über den See in weite Fernen trug. „Wir haben uns im Nachhinein nochmal zusammengesetzt mit der Inhaberin der ‚Insel der Sinne‘ und die Sache geklärt“, erzählt Jens Werner.

Schlafen ist bei der Hitze gerade sowieso schwierig. Ganz passend dazu kann man die ganze kommende Woche viele andere Sachen machen am See: Zahlreiche Akteure beteiligen sich wieder bei der Seewoche. Ungewöhnliche Mischung: Neben Depeche Mode läuft am morgigen Freitag auch Schlager, Bernd Otto von der gleichnamigen Milchbar am Deutsch-Ossiger Ufer lädt zur großen Schlagernacht. Am Sonntag ist am Tauchritzer Ufer das Hafenfest, und beim Jo-Grill am Nord-Ost-Strand gibt’s tschechische Live-Musik. Von Fallschirmspringen über Schausegeln und Operettenabend bis zur Marmeladenmeisterschaft ist nächste Woche alles dabei. Das Programm der Seewoche zeigt, wie viele unterschiedliche Akteure den See mittlerweile beleben. Heißt aber auch, dass ganz verschiedene Interessenslagen aufeinandertreffen.

Die Partys für junge Menschen werden am See gut angenommen. Genauso aber zum Beispiel auch das Hotel „Insel der Sinne“. Nur wollen die Gäste dort eher Ruhe. Die Meinungen, was gut und richtig ist und was verboten gehört, gehen genauso weit auseinander. Ein Kunnerwitzer Anwohner hatte kürzlich zu dem Thema gefordert, dass laute Veranstaltungen eine Ausnahme bleiben sollen – mit deutlich stärkeren Beschränkungen bei Dauer und Lautstärke. Bernd Otto von der Milchbar sieht es lockerer. Er sagt: Ab und zu ist Krach okay. „Ich bin auch nicht der, der bis drei Uhr morgens auf Elektropartys zu finden ist“, sagt er. „Aber wenn wir die Jugend halten wollen, können wir nicht sagen, wir verbieten alles.“ Zumal ohnehin schon andere Veranstaltungsorte weggefallen seien, beispielsweise das Freibad Hagenwerder, wo früher das Moxxom-Festival stattfand. Er selber hat Glück, was Lautstärke angeht. Die baulichen Gegebenheiten bei Ottos sorgen dafür, dass Geräusche bei Veranstaltungen eher Richtung B 99 rausgehen, „und unsere Veranstaltungen enden gegen 23 Uhr.“

Zur Frage, wie man verschiedene Interessen am See besser vereinbaren könnte, hatte sich vor einigen Wochen auch die Europastadt Görlitz/Zgorzelec auf SZ-Nachfrage geäußert: Wenn die Kommunikation unter den Partnern transparent und rechtzeitig erfolgt, seien Missverständnisse in Zukunft sicher vermeidbar. „Wir prüfen aktuell geeignete Formen.“ Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Auf Rückfrage der SZ gestern teilt Seebeauftragte Katharina Poplawski mit: „Wie die Akteure am See zukünftig ihre Veranstaltungen am besten miteinander abstimmen und gegenseitig kommunizieren, ist noch nicht abgeschlossen. Es laufen derzeit Gespräche.“

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Gespräche hat auch Jens Werner geführt – und sich vorerst selbst beholfen. „Ich denke, wir haben einen guten Kompromiss gefunden“, sagt er. Mit dem Ordnungsamt Görlitz hat er vereinbart, dass beide Veranstaltungen 18 Uhr beginnen, diesmal aber nicht bis drei Uhr morgens gefeiert wird, sondern zwei Uhr Schluss ist. Auch die Lautstärke ist etwas runtergeregelt. 115 Dezibel sind bis 24 Uhr erlaubt, danach 105 Dezibel. „Allen wird man es nie recht machen können“, sagt er. Sein Vorschlag wäre, dass sich die beteiligten Akteure vielleicht ein bis zwei Mal im Jahr zusammensetzen und planen. So wie es jetzt mit Ina Lachmann von der „Insel der Sinne“ lief. „Wir haben einen direkten Draht zueinander“, erzählt sie. Im wahrsten Sinne. Sollte es doch zu laut werden am Wochenende – das hänge auch sehr am Wind – kann sie zum Beispiel anrufen. Wichtig sei am Ende, dass die Rahmenbedingungen für alle Seiten gut sind.

Programm der Seewoche und des „Sommers am See“ hier.