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Pirna

Wirtewechsel in der Liethenmühle

Was ein Königsteiner Müller 1572 in Kleinhennersdorf begann, führt nun die nächste Generation weiter. Mit einigen Neuerungen.

Betreiber der Liethenmühle in Kleinhennersdorf gewechselt: Berthold Hesse, Petra Woller und Heiko Gabriel (v.l.).
Betreiber der Liethenmühle in Kleinhennersdorf gewechselt: Berthold Hesse, Petra Woller und Heiko Gabriel (v.l.). © Norbert Millauer

Wer die rustikale Liethenmühle betritt, wird von uriger Gastlichkeit in die Arme genommen. Einer der ältesten Waldgasthöfe der Sächsischen Schweiz atmet Geschichte. An dem ehrwürdigen Fachwerkhaus ist mit rotbraunen Lettern auf hellem Putz, eingerahmt von stilisierten Steinböcken, Eichhörnchen und Hasen, zu lesen: „Liethenmühle, erbaut 1572“.

Dicke Dachbalken, ein sehenswerter Kachelofen, holzgetäfelte Wände und ein landtypischer Tresen garantieren eine anheimelnde Atmosphäre. 23 Jahre begrüßten Berthold und Katja Hesse ihre Gäste, oft mit Handschlag. Jetzt kümmern sich Petra Woller (48) und ihr 43-jähriger Lebensgefährte Heiko Gabriel um die Gaststätte mit knapp 60 Plätzen in zwei Räumen und die Pension mit 24 Betten in zehn Zimmern.

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Gabriel steht hinter der Theke, wo er mehr Platz für Getränke und Gläser schaffen will. In der Küche, wo Koch Jaroslaw Benes aus Decin das Sagen hat, ist eine umfangreichere Modernisierung notwendig, sagt Petra Woller. Ein Konvektomat und ein mit Gas betriebener Acht-Kochfelder-Herd sollen angeschafft werden. Auch ein Kühlhaus müsse gebaut werden.

Bei all den Neuerungen bleiben Charakter und Stil des denkmalgeschützten Gebäudes erhalten. Das haben die Hesses so gehandhabt, ihre Vorgängerin Martha Knocke und vorher seit 1968 im Auftrag des Uhrenkombinates Ruhla das Gaststättenehepaar Christine und Achim Pieschner.

Sie alle haben fortgeführt, was 1571 „Michael Saupe, moller zum Königstein“ begann. Er hatte damals um Erlaubnis gebeten, „uff Kleinheinersdorfer Gemein, beineben der Viehtrifft an dem Bornquell der Liethen – gar in einem Grunde“ eine Mühle bauen zu dürfen. Erst nach 1895 wurde es möglich, Milch und Kaffee durch den Müllersohn Otto Grohmann auszuschenken. Das bewirkte „die Konzession zum vollen Gastwirtschaftsbetriebe“ und das Anwesen wurde als „Badeanstalt – ein stiller, romantischer Aufenthalt in reiner staubfreier Waldluft“ angepriesen.

Die Hessens erinnern sich gern an ihre Liethenmühlen-Zeit. „80 Prozent unserer Gäste kamen aus den alten Bundesländern, 20 Prozent aus dem Osten.“ Stimmung war immer, vor allem „wenn die Studenten des Dresdner Gutzkow-Clubs ihre Weihnachtsfeier veranstalteten“. Das seien drei Tage ohne Schlaf gewesen. Auch Kletterlegende Bernd Arnold, Kartograf Rolf Böhm und Sänger des Bergsteigerchores haben sich in der Liethenmühle sehr wohl gefühlt.

Sie ist ein Teil unserer Geschichte, sagt Gohrischs amtierender Bürgermeister Heiko Eggert. André Fröhlich, Vorsitzender des heimischen Lupinenvereins, freut sich über das Fortbestehen der beliebten Gaststätte, denn die Liethenmühle sei auch Sponsor des populären Lupinenfestes in Kleinhennersdorf.

Dem Bemühen Hesses und der neuen Wirtsleute ist es zu danken, dass die historische Liethenmühle erhalten bleibt. Hesse bedankt sich bei den Stammgästen und verspricht, öfter mal auf ein Bier in die Mühle zu kommen. (Peter Salzmann)

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