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Wirtschaft

Auf zu neuen Planeten!

Vier Kommunikationsagenturen wollen mehr Standorte in den neuen Bundesländern. Warum das nötig ist, ein Gastbeitrag von Benedict Rehbein.

 6 Min.
Benedict Rehbein
Benedict Rehbein © PR

Von Benedict Rehbein

In diesem Herbst hätte Leipzig eine Premiere erleben sollen. Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (kurz: GWA) hatte beschlossen, die Verleihung des Branchenpreises „Effie“ künftig in der Messestadt auszurichten und damit die Szene hier zu versammeln. Mit dem Effie werden jedes Jahr Kampagnen für effizientes Marketing ausgezeichnet, ein Gradmesser für die Werbe- und Kommunikationsbranche. Und nun zum ersten Mal in Leipzig, im 40. Jahr der Ausrichtung in Deutschland, ein Novum und ein Meilenstein.

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Selbstredend wollten wir – die Agenturen aus der Region – diese Gelegenheit nutzen: Schließlich passiert es nicht oft, dass Prestigeveranstaltungen hierher umverlegt werden. Also beschlossen vier Agenturen, die Gäste vor Ort zu begrüßen – stellvertretend für den „Ideenplaneten Ost“, der vielen ja immer noch unbekannt zu sein scheint.

Zu Unrecht, übrigens: Allein in Sachsen kam der Werbemarkt 2019 auf einen Umsatz von über 333 Millionen Euro und knapp 10.000 Beschäftigte, so sagt es der 2. Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht für Sachsen. Wir erwirtschaften mit kreativen Ideen unseren Anteil am Bruttoinlandsprodukt und sind damit erfolgreich. Trotzdem suchen Werbeverantwortliche oftmals direkt die Nähe zu den vermeintlichen Agenturstandorten wie Hamburg oder Düsseldorf – statt sich vor Ort umzusehen.

Großer Auftritt in Leipzig geplant

In diesem Herbst hätte Leipzig eine Premiere erleben sollen. Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (kurz: GWA) hatte beschlossen, die Verleihung des Branchenpreises „Effie“ künftig in der Messestadt auszurichten und damit die Szene hier zu versammeln. Mit dem Effie werden jedes Jahr Kampagnen für effizientes Marketing ausgezeichnet, ein Gradmesser für die Werbe- und Kommunikationsbranche. Und nun zum ersten Mal in Leipzig, im 40. Jahr der Ausrichtung in Deutschland, ein Novum und ein Meilenstein.

Selbstredend wollten wir – die Agenturen aus der Region – diese Gelegenheit nutzen: Schließlich passiert es nicht oft, dass Prestigeveranstaltungen hierher umverlegt werden. Also beschlossen vier Agenturen, die Gäste vor Ort zu begrüßen – stellvertretend für den „Ideenplaneten Ost“, der vielen ja immer noch unbekannt zu sein scheint. Zu Unrecht, übrigens: Allein in Sachsen kam der Werbemarkt 2019 auf einen Umsatz von über 333 Millionen Euro und knapp 10.000 Beschäftigte, so sagt es der 2. Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht für Sachsen. Wir erwirtschaften mit kreativen Ideen unseren Anteil am Bruttoinlandsprodukt und sind damit erfolgreich. Trotzdem suchen Werbeverantwortliche oftmals direkt die Nähe zu den vermeintlichen Agenturstandorten wie Hamburg oder Düsseldorf – statt sich vor Ort umzusehen.

Braucht die Werbung Leuchtturmprojekte?

Ulrike Lerchl, Mitinitiatorin und Chefin von „Oberüber Karger“ aus Dresden, plädiert zu Recht für ein Umdenken: „Unser Ideenplanet ist groß und weitläufig. Wir empfehlen Marketingverantwortlichen deshalb: Sprecht erst einmal die Netzwerke vor Ort an und beschreibt genau, was ihr braucht.“ Auf der gemeinsamen Website (ideenplanet-ost.de) sei einiges an Inspiration zu finden, mehr lieferten die Initiatoren und andere Kreative vor Ort auf Knopfruck, so Lerchl: „Oftmals sind Werbekunden überrascht, wie nah die nächste Raumstation liegt und wie viel Kreativität vor Ort zu finden ist.“

Eine gute Gelegenheit bot also der „Effie Germany“. Nach 40 Jahren Effielosigkeit sollte die Werbebranche nach Leipzig kommen und den Standort mit eigenen Augen zu erleben. Eigens dafür hatten wir das Begrüßungskomitee organisiert – willkommen auf dem Ideenplaneten Ost! Und wie schön es hätte sein können: Die Plakate waren bereits im Druck, die Banner für das Event produziert. Wir hatten Bushaltestellen zu Raumstationen umfunktioniert, ein „Ostronaut“ war bereit für seinen Einsatz und als Höhepunkt stand fest: Mit der zebra | group aus Chemnitz würde einer der Gold-Gewinner der Effies 2021 eine Agentur vor Ort sein. Die Standortwerbung war perfekt vorbereitet.

Und dann kam Corona zurück und beendete die Raumfahrtmission. 2021 wird es keine Effie-Verleihung in Leipzig geben, kein 40. Jubiläum, keine Premiere, kein Besuch der Werbewelt auf unserem Planeten.

Ausgefallen. Wegvirtualisiert. Die Chance aufs nächste Jahr verschoben.

Aber deshalb noch lange nicht aufgehoben. Die Website zum Ideenplaneten ist online und bleibt es auch. Wir werden die Branche sicherlich 2022 begrüßen, wenn die Veranstaltung dann nachgeholt wird. Und wir als Agenturszene beschäftigen uns auch weiterhin damit, deutschlandweit wahrgenommen zu werden. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, ob die Ansiedelung weiterer großer Agenturen tatsächlich immer noch ein Ziel sein sollte. Funktioniert die alte Methode der Leuchtturm-Projekte auch für uns, auch im 21. Jahrhundert? Brauchen wir noch mehr Namen am Türschild der neuen Bundesländer, um wahrgenommen zu werden? Und falls ja, müssen es die großen Namen der alten Zeiten sein?

Ich denke nicht. Vergessen wir das mit den alten Denkmustern, weg mit den verkrusteten Strukturen. Sehen wir es ein: Vom vorherrschenden Zeitgeist über die vorhandenen Produktionsstätten bis zur Kundennähe in den entsprechenden Ballungsräumen gab es stets gute Gründe für die Etablierung der (Werbe)agenturszene an anderen Orten. Und zu anderen Zeiten. Jetzt aber werden die Karten neu gemischt und die Rahmenbedingungen sind gänzlich anders.

Pandemie schafft Chancen

Corona hat die Wichtigkeit von Präsenzterminen in kürzester Zeit minimiert. Räumliche Nähe ist mitunter gar nicht gern gesehen dieser Tage. Stattdessen zoomen, skypen, teamen und webexen wir uns durch die Republik: Mit nur einem Mausklick rücken wir Dienstleister somit an die Kunden in Hamburg, Stuttgart oder Köln heran und haben nun die Chance, uns ganz neu zu präsentieren. Die Kunden müssen gar nicht bei uns vorbeikommen, sie surfen auf den Ideenplaneten Ost und sind schneller dort, als man zur Agentur um die Ecke fahren kann. Wir haben die Lichtgeschwindigkeit entdeckt und das Raum-Zeit-Kontinuum verändert – danke, Corona.

Ist die Standortfrage damit also erledigt? Nicht ganz, denn neue Technologien und eine sich verändernde Welt lassen neue, digitalere Agenturen und Unternehmen entstehen. Was jetzt (auch für die Kreativwirtschaft) wichtiger wird sind die richtigen Mitarbeitenden, Platz für räumliches Wachstum und ein lebenswertes Umfeld für alle Beteiligten. Das Spiel beginnt einmal mehr von vorn und unsere Ausgangslage ist nicht die schlechteste. Vielleicht entsteht gerade jetzt die nächste Generation an Kreativen, die ihre Ideen verwirklichen wollen und dafür einen Ausgangspunkt suchen. Sobald sie ihre Mission starten und losfliegen, sind wir bereit – und machen Platz für die Landung auf dem Ideenplaneten Ost.

Zum Autor: Benedict Rehbein ist Seriengründer, Strategie-Experte und Geschäftsführer der Leipziger Kommunikationsagentur PIO. Der gebürtige Schwabe hat mittlerweile mehr als sein halbes Leben in Leipzig verbracht und wirbt regelmäßig für den Standort sowie die Kreativszene in Mitteldeutschland .

www.ideenplanet-ost.de

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