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10 Tipps für den eigenen Camper

Ein Fahrzeug selbst auszubauen, ist schwieriger und oft auch teurer als gedacht. Zehn Tipps für Anfänger, damit es gelingt.

Erfüllen sich ihren Traum: Greta Thomas und Hannes Wehrmann bauen sich einen Mercedes-Benz Sprinter zu einem Campervan um.
Erfüllen sich ihren Traum: Greta Thomas und Hannes Wehrmann bauen sich einen Mercedes-Benz Sprinter zu einem Campervan um. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Dresden. Camping ist extrem angesagt. Aber nicht jeder kann und will sich ein Wohnmobil kaufen. Die Alternative heißt selbst ausbauen. Wie individuell, chic und heimelig Campingbusse sein können, zeigt sich beim Scrollen im Internet und auf Social-Media-Seiten wie #vanlifeexplorers oder go-van.com. „Dort gibt es auch Anleitungen und jede Menge Hilfen“, sagt Greta Thomas.

Die 23-jährige Studentin und der 24-jährige Hannes Wehrmann haben zwischen Bachelor und Master ein halbes Jahr frei. Sie kauften sich einen gebrauchten Mercedes Sprinter, den Transporter mit kurzem Radstand, und begannen im März, ihr eigenes Wohnmobil zu planen und auszubauen. „Viele trauen sich dank Social Media erst ran, die ganze Elektrik kann man bei Youtube lernen“, erklärt Wehrmann.

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Doch damit die Lust nicht in Frust umschlägt, sollte man sich vorab einige Fragen ehrlich beantworten: Welche Ansprüche habe ich? Habe ich Zeit, Budget, Platz und das Talent für den Umbau? „Wer sich nach einer Beratung oder eigenen Recherchen mit dem Thema unwohl fühlt, dem würde ich von einem Selbstausbau abraten“, sagt Randy Tornow von der Campermanufaktur Berlin. Dort können auch Selbstausbauer ohne Platz und Werkzeug an ihrem Traumcamper werkeln. Hier die wichtigsten Tipps für Ausbau-Anfänger:

1. Handwerkliches Talent

Einen Camper auszubauen, ist mühselig, mitunter auch schwierig. Allerdings gibt es Hilfe: Etliche Van-Bastler haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und bieten wie zum Beispiel Bus4Fun in Rostock einzelne Module bis Komplettausbauten an und beraten auch. Fertige Einbausets gibt es – meist hochpreisig – auch vom Fahrzeughersteller oder – wenig individuell – vom Baumarkt, etwa unter der Marke Buidify bei Hornbach. Im Internet und auf Social-Media-Kanälen finden sich unzählige Anleitungen, DIY-Hilfen, Detail-Videos, Tipps, Foren – auch zu komplexen Themen wie Elektrik.

2. Zeit

Je nach Ausführung und Ausstattung dauert ein Selbstausbau bei mittlerem handwerklichem Talent 300 bis 500 Stunden, sagt Randy Tornow. Hinzu kommt die Recherche, „die oft noch mal ähnlich viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Damit könne ein Projekt von zwei Monaten bis zu einem Jahr dauern. „Umso wichtiger ist eine gute Ausbau- und realistische Zeitplanung“.

3. Planung & Beratung

„Als Erstes muss ich analysieren, welchen Zweck das Auto erfüllen soll und was ich darin überhaupt brauche“, sagt Frank Peters von Bus4Fun. Nutze ich den Camper nur auf Reisen oder auch im Alltag? Mit Sitzbank oder ohne? Brauche ich Platz für das Surfbrett? Wie wird aus einer hochgeklappten Schranktür mit wenigen Handgriffen ein Tisch? Wie aus dem Bett eine Couch? Kurzer Radstand oder langer? Standheizung ja oder nein? Mit Fenstern oder – ideal für Schränke – ohne? Wo sollen Gas- und Wasseranschluss hin? Reicht der Platz auch fürs zweite Kind? Solche Fragen müsse jeder vorab beantworten, sich auch Rat holen. Denn eines ist fast immer der Fall: Im Verlauf des Ausbaus wird so manche Planung umgeworfen – zu chic, clever und noch leichter umzubauen ist die gerade im Internet gefundene Bett- oder Küchenvariante. „Beratung am Anfang neben der Eigenrecherche im Netz spart viel Zeit, Nerven und in der Regel auch Geld, da Fehler vermieden werden können“, sagt Randy Tornow. „Das gilt sowohl für die Einschätzung des Budgets als auch für die Frage, was kann ich wirklich in welchem Umfang leisten.“

4. Fahrzeug-Modell

Der Ausbau-Klassiker ist der „Bulli“ von VW aus der Baureihe T2, T3 oder T4. Die Nachteile: Diese Modelle sind sehr teuer, Ersatzteile beim T2 und T3 rar, und manchen Diesel-Modellen droht wegen hoher Stickstoff-Werte ein Verbot in städtischen Umweltzonen (grüne Plakette bis Schadstoffklasse vier). Weitere Basis-Modelle für den Ausbau sind Mercedes Sprinter, Ford Transit und der günstige Fiat Ducato. Soll es eine Nummer kleiner sein, eignen sich VW Caddy, Renault Kangoo, Citroen Jumper oder Ford Tourneo. Gut auszubauen ist der VW Transporter T5/T6, eigentlich ein Handwerkerwagen. In Lieferfahrzeuge lassen sich Scheiben auch nachträglich einbauen. Allradantrieb gibt es beim Ford Transit, Mercedes Sprinter, Unimog oder kleinen Lastern von Mercedes, wie sie bei der Bundeswehr eingesetzt werden.

5. Höhe

Die einen stehen und kochen gerne im Camper – andere schlafen nur darin. Viele Fahrzeuge verfügen bereits über Stehhöhe, bei niedrigeren Modellen lässt sich ein Aufstelldach nachträglich einbauen. Teurer wird Höhe aber bei der Maut oder einer Fährüberfahrt. Für den Ticketpreis „zählt stets die Gesamthöhe der Fahrzeuge, also inklusive möglicher Dachgepäckträger“ oder auch Solarpanels, sagt Martin Wahl, Sprecher von Stena Line, einem der weltweit größten Fährunternehmen. Ab zwei Metern Höhe schlägt sich das dann auch im Ticketpreis nieder.

6. WC & Dusche

Wer ins Warme reist, für den reicht oft eine Außendusche – es gibt sie mit Pumpe und Wasserbehälter ebenso wie als einfachen schwarzen Plastiksack zum Aufhängen. Der wärmt sich in der Sonne auf. „Ein WC sollte schon aus ökologischen Gründen an Bord sein“, sagt Frank Peters. Kleine Chemie-WCs gibt es etwa aus der Reihe Porta Potti. Umweltfreundlicher sind Trenn-Toiletten und Eimer-WCs samt Klobrille, etwa den zusammenklappbaren Bivvy Loo, der trotzdem 150 Kilo Körpergewicht trägt. Für Sichtschutz sorgt dann ein im Idealfall freistehendes Heckklappen- oder Seiten-Vorzelt, das es für fast alle Vans gibt – und das einem bei Sturm womöglich weniger um die Ohren fliegt als die am Camper angebrachte Markise.

7. Bett

Gut schlafen zum Sound des Meeres oder Waldes – das funktioniert, wenn das Bett ausreichend groß ist. Wer auf einen Lattenrost verzichtet, sollte zur Lüftung Löcher in das Bettbrett bohren. Für eine Matratze reichen in der Regel acht bis zehn Zentimeter Dicke. Ideal sind zusammenklappbare Matratzen. Dämmung und Isolation sind wichtig, damit keiner friert und Kältebrücken und Tauwasser auch bei plus 15 Grad zu keinem Problem werden – Stichwort Schimmel im Fahrzeug. Und zur Verdunklung der Fenster eigenen sich selbst genähte Vorhänge mit Taschen für Brille oder Taschenlampe. Verdunklungsfenster mit oder ohne Taschen gibt es auch modellgenau fertig zu Kaufen.

Greta Thomas und Hannes Wehrmann haben das Bett wegen der Breite des Transporters von nur 1,75 Metern nicht quer eingebaut, sondern sich ein Bett zum Ausklappen selbst geschweißt. „Schließlich ist Hannes 1,94 Meter groß“, sagt Greta Thomas. Tagsüber sei es nun ein Sofa, während es nachts fast den ganzen Bulli ausfüllt.

8. Elektrik

Mehrere Tage autark bleiben, sei es für Licht, Standheizung, Kühlbox, Laptop oder Smartphone – das ist den meisten Campern wichtig. Doch: „Spätestens beim Thema Elektrik, Solarpanel oder Standheizung hört es bei vielen auf“, sagt Randy Tornow. Das Thema Elektrik überlässt man besser Fachleuten, „dann ist das Konzept in sich stimmig und passt auch zum Reiseverhalten.“ Die kleine Lösung ist ein Akku, der auch über die Autobatterie geladen werden kann. Gänzlich autark unterwegs ist man mit einem mobilen Solarpanel, das ein Stahlseil vor Diebstahl schützt: „Das lädt dann auch in der Sonne, wenn der Camper im Schatten steht“, sagt Frank Peters.

9. Tüv & Zulassung

Umbauten wie etwa der Einbau einer Sitz-Drehkonsole – es gibt sie zum Nachrüsten auch für den T6 – benötigen eine Zulassung. Auch müssen Selbstausbauer auf die für den jeweiligen Fahrzeugtypen zugelassene maximale Zuladung achten.

„Wichtig ist, dass alles fest verbaut und mit der Karosserie und Bodenplatte verankert ist“, sagt Frank Peters. Wird der Camper als Wohnmobil zugelassen, ist die KfZ-Steuer in der Regel günstiger. Allerdings existiert bei Tüv, Dekra & Co. keine einheitliche Definition eines Wohnmobils: Die eine Prüfstelle verlangt eine fest eingebaute Küche, der anderen reicht ein mobiler Gas- oder Spirituskocher.

Tipp: Vor dem Ausbau mit der Prüfstelle sprechen, bei der man später die Abnahme machen lässt.

10. Preis

Nicht immer ist der Selbstausbau günstiger als der Kauf eines fertigen oder per Auftrag ausgebauten Campers. Das Budget hängt von Planung und Umsetzung ab und davon, wie viel man selbst schafft. Auch Werkzeug ist teuer. „Einfachste Ausbauten können sehr günstig sein“, sagt Tornow. „Seriösere Camperausbauten mit Strom, Wasser und Möbeln bewegen sich im Selbstausbau zwischen 5.000 und 10.000 Euro oder je nach Ausstattung auch weit darüber.“ Wer über einen Fachbetrieb ausbauen lässt, sollte mindestens 20.000 Euro einplanen.

Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE) warnt davor, an der falschen Stelle zu sparen: Ein Wohnmobil ist Erschütterungen ausgesetzt, was entsprechende Lösungen verlange. Er schätzt, dass „das Gros der DIY-Bauer zwischen 10.000 bis 20.000 Euro in die Basis und noch einmal 5.000 bis 10.000 Euro in den Ausbau investieren.“ Nach oben seien keine Grenzen gesetzt. Er habe auch schon Umbauten für sechsstellige Beträge gesehen.

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Greta Thomas und Hannes Wehrmann hatten Glück, mussten nicht alles selber einbauen: Eine Standheizung war schon da. Was besonders kompliziert war? Die 30-Liter-Wassertanks unter dem Fahrzeug zu montieren, meint Thomas – ohne Hebebühne, teils den ganzen Tag auf dem Boden liegend, mit den Händen nach oben. Im Sommer wollen sie mit ihrem Mobil nach Skandinavien und sich damit einen Traum erfüllen.

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