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Continental steigt bei Leipziger Start-up ein

Der Automobilzulieferer beteiligt sich an einem Unternehmen, das Autos fahrerlos parken lässt. Dazu ist mehr als nur künstliche Intelligenz gefragt.

Die Zukunft des Parkens: Das Auto fährt im Parkhaus autonom zu seinem Parkplatz, der Fahrer ist längst weg.
Die Zukunft des Parkens: Das Auto fährt im Parkhaus autonom zu seinem Parkplatz, der Fahrer ist längst weg. © PR

Ritterschlag für ein Start-up aus Sachsen: Der internationale Automobilzulieferer Continental aus Hannover steigt beim jungen Leipziger Unternehmen Kopernikus Automotiv ein. Der Experte für Künstliche Intelligenz hat sich auf automatisiertes Parken und Rangieren in Parkhäusern und auf Werksgeländen spezialisiert. Über die Höhe der Investitionssumme und die Größe der Minderheitsbeteiligung wurde Stillschweigen vereinbart, teilten die Unternehmen mit.

Wichtiger als der Geldsegen dürfte für Kopernikus ohnehin das internationale Netzwerk von Continental sein: Das Unternehmen hat 235.000 Mitarbeiter in 58 Ländern und schrieb zuletzt 37,7 Milliarden Euro Umsatz. „Mit Continental sind wir genau an der richtigen Adresse, unsere Entwicklung soll weltweit vertrieben werden“, sagte Stefan Jenzowsky, Mitbegründer und Mitinhaber von Kopernikus, der SZ.

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Die Technologie aus Leipzig basiert auf Künstlicher Intelligenz, die zentral die Autos steuert, und auf Kameras, die in der jeweiligen Infrastruktur installiert sind. Zu den ersten Anwendungsfällen zählen fahrerloses Parken in Parkhäusern und autonomes Manövrieren etwa bei Fahrzeugherstellern und Logistikern. Der Fahrer steigt zuvor aus, übergibt den Wagen per App an die Technik – und überlässt das Rangieren und Abstellen dem Auto allein. Dabei wird das Fahrzeug mit sieben bis zehn Stundenkilometern von der Infrastruktur geleitet, die im Parkhaus installiert ist. Erste Probeanwendungen laufen bereits und sollen auf der Autoschau IAA Anfang September in München gezeigt werden. Gemeinsam mit BMW, Mercedes, Ford, dem Volkswagen-Konzern und Jaguar-Land Rover wollen Continental und Kopernikus ihre Idee im IAA-Messeparkhaus vorführen. „So kann man live miterleben, wie wir mit verschiedenen Fahrzeugherstellern und Marken zusammenspielen, um autonomes Parken für alle zu realisieren“, sagt Kopernikus-Geschäftsführer Jenzowsky. Sie seien allerdings nicht allein auf dem Markt: Es gebe vier unterschiedliche Anbieter, die Autos aller Herstellern steuern könnten.

Sicher, komfortabel, erschwinglich

"Das Herzstück sind KI-basierte Algorithmen, die eine sichere und optimale Orchestrierung sowie Führung aller Fahrzeuge gewährleisten“, so Jenzowsky. Voraussetzung für den Einsatz sei die Fahrzeugfunktion „Central Motion Control“. Dazu sind Automatikgetriebe, elektrische Feststellbremse und Lenkunterstützung sowie eine intelligente Kommunikationseinheit nötig. Sie werden laut Continental bereits heute standardmäßig in vielen Neuwagen verbaut. „In Zukunft werden Autos in Fabriken und in Parkhäusern autonom bewegt“, sagt Ralph Lauxmann, Leiter für Strategie und Zukunftslösungen bei Continental. Kopernikus und Continental hätten dafür gemeinsam eine sichere, komfortable und erschwingliche Lösung entwickelt. „Die Beteiligung an Kopernikus ist für uns der logische, nächste Schritt, um beide Themen weiter voranzutreiben und zeitnah eine marktfähige Lösung anzubieten.“

Der Technologiegründerfonds Sachsen TGFS und die Leipziger Golzern-Holding, die Risikokapital für nachhaltige Start-ups bereitstellt, hatten sich schon im vorigen Jahr an Kopernikus beteiligt. Das Start-up war 2016 von dem ehemaligen Siemens-Manager Jenzowsky und dem Hamburger Firmengründer Tim von Törne gegründet worden, seither ist auch der Schweizer Parkhaus-Betreiber AMAG beteiligt.Tim von Törne ist in der Entrepreneur-Szene kein Unbekannter. Er war auch am Aufbau von Skype in Europa und von quelle.de beteiligt.

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„Das autonome Fahren wird sich in den kommenden Monaten und Jahren durchsetzen“, sagt Jenzowsky. Und auch der TGFS ist optimistisch. „Seit unserem Einstieg hat sich das Unternehmen großartig entwickelt“, sagt Geschäftsführer Sören Schuster. Mit dem Geld der neuen Finanzierungsrunde, der Erfahrung aller Investoren und dem Können des Teams werde Kopernikus den flächendeckenden Einsatz von fahrerlosem Parken den Weg bereiten.

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