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Grünheide: Tesla klärt Standort für Batteriefabrik

Tesla hat den Bauantrag für eine weitere Riesenhalle in Brandenburg gestellt. Bis zuletzt wurde noch um Details gepokert.

300 Hektar ist das Gelände in Grünheide groß, da bleibt genug Platz für eine Batteriefabrik.
300 Hektar ist das Gelände in Grünheide groß, da bleibt genug Platz für eine Batteriefabrik. © Patrick Pleul/dpa

Von Thorsten Metzner

Noch ist es ein streng gehütetes Geheimnis, typisch für Tesla: Elon Musk macht jetzt ernst, neben der Auto-Gigafabrik in Grünheide gleich noch „die weltgrößte Batteriezellenfabrik“ zu errichten. Seit dieser spektakulären Ankündigung des Tesla-Chefs vor wenigen Wochen wird gerätselt, wann der US-Konzern dafür eine Genehmigung beantragt, wo der Standort für die Batteriefertigung in Grünheide überhaupt sein soll – und ob dies parallel zum noch laufenden Hauptgenehmigungsverfahren für das Autowerk geschieht, das bisher mit Vorab-Erlaubnissen errichtet wird und im Rohbau weitgehend fertig ist. Angepeilter Produktionsstart bleibt trotz Verzögerungen weiter Juli 2021.

Und nun sind die Vorbereitungen Teslas für Musks Batteriefabrik offensichtlich vorangeschritten. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Tesla bei der Baubehörde des Kreises Oder-Spree inzwischen einen Bauantrag für eine weitere große Halle auf dem bisherigen 300-Hektar-Areal gestellt, die übergangsweise für andere Zwecke genutzt werden, aber dann die Batteriezellenproduktion für die nebenan hergestellten Teslas aufnehmen soll.

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Auf Anfrage bestätigte Mario Behnke, Sprecher des Landratsamtes, „dass unmittelbar vor Weihnachten beim Landkreis Oder-Spree ein Bauantrag von Tesla für eine Lagerhalle eingegangen ist.“ Einen Antrag für eine Batteriefabrik gibt es laut Behnke nicht. Weitere Angaben macht der Kreis nicht. Auch Umweltminister Axel Vogel (Grüne) hatte am Mittwoch im Fachausschuss des Landtages bekräftigt: „Ein Antrag auf eine Batteriefabrik liegt nicht vor.“

Doch zeigt schon die Dimension des beim Landkreis beantragten Gebäudes, dass es um mehr gehen muss als eine Lagerhalle. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld nach UEFA-Standard ist 7.140 Quadratmeter groß. Das von Tesla jetzt zunächst als „Lagerhalle“ beantragte Gebäude auf dem Areal der Gigafabrik soll dem Vernehmen nach etwa drei Mal so groß sein, also eine Grundfläche von fast 22.000 Quadratmetern haben.

Umweltgefahren? Tesla spricht von „Trockenbatterien“

Entsteht dort tatsächlich eine Batteriefabrik, stünde nahe Berlin weltweit die erste Produktionsstätte, in der sowohl Elektrofahrzeuge als auch die dafür benötigten Batterien herstellt werden. Teslas Batterie-Pläne sind durchaus brisant, da sich das Areal mit dafür gerodetem Kiefernwald in einem Wasserschutzgebiet befindet. Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen befürchten schon beim Autowerk negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt – und warnen vor einer „Chemiefabrik“.

Die technologisch neue Batteriezellen-Generation, die Musk für seine Europafabrik angekündigt hat, soll allerdings deutlich umweltfreundlicher als herkömmliche Batterien sein. Die Batteriefabrik werde nur wenig Wasser benötigen, weniger Schwermetalle verarbeiten, heißt es. Als Tesla-Vertreter vor einigen Tagen in Fraktionssitzungen von SPD und CDU im Landtag auftraten, war danach von „Trockenbatterien“ die Rede. Das zweite Tesla-Projekt in Grünheide ordnet sich in die europäische Batterieförderung ein und wird auch vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt.

Dass Tesla mit dem Bau des Gebäudes schon mal vorprescht, hängt offenbar mit dem Zeitdruck auf der Hochgeschwindigkeitsbaustelle zusammen. Noch sei völlig offen, welches Genehmigungsverfahren es für eine etwaige Batteriefertigung geben wird, sagte Axel Steffen, Abteilungsleiter im Umweltministerium im Landtagsausschuss. Entweder es laufe nach Baugesetzbuch oder es gebe ein weiteres Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz.

Gelöst ist die 100-Millionen-Euro-Frage

Bis zum Freitag sollte Tesla gegenüber dem Land eigentlich 100 Millionen Euro Kaution für etwaige Rückbaukosten hinterlegen oder nachweisen. Diese Sicherheitsfrage ist nach Informationen dieser Zeitung am Abend geklärt worden – nach einem Poker bis zur letzten Minute. Zuvor hatte das Landesumweltamt auf Antrag der US-amerikanischen Firma die Frist sogar erneut verlängert – bis zum 20. Januar, was nun hinfällig ist. „Es wird davon ausgegangen, dass eine abschließende Vereinbarung zur Erbringung der Sicherheitsleistung in Kürze vorliegen wird“, hieß es schon im vorher geänderten Bescheid vom 15. Januar 2021, was Stunden später prompt eintrat. Eine erste Frist im Dezember hatte Tesla verstreichen lassen, was zu einem kurzen Baustopp führte.

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Die Kaution ist üblich, weil Tesla auch ohne Hauptgenehmigung auf eigenes Risiko schon so viel bauen darf. Seit Tagen lief es dem Vernehmen nach darauf hinaus, dass Tesla die 100 Millionen Euro an seine deutsche Tochterfirma Grohmann überweist, die dann eine Garantieerklärung abgibt, was aber in Details offenbar schwierig war. Zumindest dieses Problem ist nun gelöst.

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