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Verabschieden Sie sich von diesen Spritpreisen

2020 kosteten Diesel und Benzin so wenig wie lange nicht mehr. Ab Januar dürfte es deutlich teurer werden.

Damals war’s – im April 2020. Den Liter Diesel für weniger als einen Euro gab es in den vergangenen Jahren nur selten.
Damals war’s – im April 2020. Den Liter Diesel für weniger als einen Euro gab es in den vergangenen Jahren nur selten. © Uwe Zucchi/dpa

Aus Sicht vieler Autofahrer hatte das Corona-Jahr zumindest etwas Gutes: die niedrigen Spritpreise. Laut einer ADAC-Analyse kostete Diesel zwischen Januar und November im Schnitt 1,11 Euro pro Liter, E10 knapp 1,26 Euro. Der Mineralölwirtschaftsverband erklärt, zuletzt seien die Benzinpreise vor vier Jahren so niedrig gewesen. Zum Jahreswechsel erwarten die Branchenkenner einen deutlichen Anstieg. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Warum und wie stark steigen die Kraftstoffpreise?

„Zum 1. Januar treten zwei staatliche Preistreiber in Kraft“, sagt Steffen Bock, Gründer und Betreiber der Vergleichs-App Clever Tanken. „Zum einen wird der CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne eingeführt. Das wird Super E10 um rund sieben Cent und Diesel um acht Cent verteuern. Zum anderen wird die Mehrwertsteuer wieder von 16 auf 19 Prozent angehoben.“ Insgesamt sei mit einem durchschnittlichen Plus von zehn bis elf Cent je Liter Kraftstoff zu rechnen, so Bock. Was in dieser Rechnung noch fehlt, sind die Veränderungen beim Rohölpreis. Momentan kostet ein Barrel der europäischen Referenzsorte Brent knapp 50 Dollar. Tendenz: steigend.

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Könnte ein bundesweiter Lockdown den Aufwärtstrend dämpfen?

Gut möglich, wenn man das Frühjahr als Vergleichsmaßstab heranzieht. „Der Lockdown damals hat sich stark auf die Kraftstoffpreise ausgewirkt“, sagt Melanie Mikulla vom ADAC. Laut Mineralölwirtschaftsverband (MWV) lag der Benzinverbrauch im ersten Halbjahr 2020 um 13,3 Prozent und der Dieselabsatz 9,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Den größten Corona-Effekt verzeichneten die Statistiker im April mit einem Minus von 34,5 Prozent beim Benzin und knapp 22 Prozent beim Diesel. Allerdings hat nach Einschätzung des MWV die vermehrte Pkw-Nutzung für den Sommerurlaub im eigenen Land diesen Abwärtstrend teilweise kompensiert. Ein Szenario wäre beispielsweise, dass die private Pkw-Nutzung in den Wintermonaten zunimmt, weil viele den ÖPNV meiden, aber auch nicht mehr aufs Rad steigen.

© SZ Grafik

Wann hat es zuletzt so niedrige Kraftstoffpreise gegeben?

Die ADAC-Analyse ergab, dass es in den Jahren 2011 bis 2019 nur zwei Monate gegeben hat, in denen der durchschnittliche Dieselpreis unter einen Euro pro Liter gerutscht ist: im Januar (99,1 Cent) und im Februar (98,4 Cent) 2016. Dieses Niveau ist 2020 nicht erreicht worden, dennoch aber gab es viele Tage mit Dieselpreisen unter dieser magischen Schwelle. Im Mai waren die bundesweiten E10-Preise mit 1,17 Euro sogar noch niedriger als im Februar 2016 (knapp 1,20 Euro). Beim Blick auf einen größeren Zeithorizont zeigt sich dagegen, um wie viel teurer Kraftstoffe in den vergangenen 20 Jahren geworden sind. Noch Anfang 1999 war der Liter Super in Deutschland durchschnittlich für weniger als 79 Cent zu haben. Für die seither eingetretene Verteuerung seien mehrere Faktoren verantwortlich, so der ADAC. Einer sei die Einführung der Ökosteuer und die Mehrwertsteuererhöhung im Jahr 2007 gewesen, ein weiterer die Produktkosten infolge stark erhöhter Rohölnotierungen.

Wie weit sind wir noch von den Höchstpreisen entfernt?

Sehr weit. Rekordpreise gab es laut ADAC vor acht Jahren. Damals kostete der Liter Super E10 im Jahresschnitt knapp 1,60 Euro, der Diesel fast 1,48 Euro. Ein Allzeithoch erreichten die bundesweiten Preise im September 2012 mit Literpreisen von rund 1,67 für E10 und 1,52 Euro für Diesel.

Wie hoch sind die Spritpreise in Sachsen im Bundesvergleich?

Clever Tanken veröffentlicht Ranglisten von Städten, in denen Tanken am teuersten oder am günstigsten ist. Dresden und Leipzig als sächsische Vertreter rangierten hier zuletzt meist im Mittelfeld. Wer sich einen Eindruck von den Preisdifferenzen zwischen den Regionen verschaffen will, sollte eine Vergleichsapp nutzen. Darin lassen sich bestimmte Tankstellen als Favoriten hinterlegen, um deren Preise über einen längeren Zeitraum zu vergleichen.

Zu welcher Tageszeit sind die Zapfsäulenpreise am niedrigsten?

Grundsätzlich gilt, dass die Preise morgens zwischen fünf und acht Uhr deutlich höher sind als abends von 18 bis 22 Uhr. Übergreifend sei dabei ein klares Tagesmuster zu erkennen, heißt es im Jahresbericht der Markttransparenzstelle Kraftstoffe (MTS-K): „Der (…) Preiszyklus ist in erster Linie gekennzeichnet durch vier deutliche Erhöhungen (…) und darauf folgend jeweils wieder umfangreiche Senkungen. Darüber hinaus war 2019 das Hinzukommen einer kleineren Anhebung in der Phase der prinzipiell niedrigsten Preise am Abend zu beobachten.“ Im Klartext: Durch das schnelle Auf und Ab der Preise erwischen selbst preisbewusste Autofahrer nicht immer den optimalen Zeitpunkt zum Volltanken. Doch auch hier helfen Apps. So kann man sich bei Clever Tanken oder Mehr Tanken für einzelne Tankstellen die Preistrends der letzten 24 Stunden oder eines längeren Zeitraums anschauen. „Außerdem sehen Nutzer unserer App ein Zeitfenster, das angibt, wie sich die Preise in den nächsten Stunden entwickeln könnten“, erklärt Steffen Bock von Clever Tanken. Diese Prognose werde mithilfe Künstlicher Intelligenz und Algorithmen erstellt.

Melden alle Tankstellen ihre Preise an die Markttransparenzstelle?

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„Grundsätzlich sind alle Tankstellen verpflichtet, die Preise zu melden“, sagt Kay Weidner vom Bundeskartellamt, zu der die MTS-K gehört. Unterschreite eine Station einen Jahresdurchsatz von 750 Kubikmeter Diesel und Benzin, könne sie sich aber von dieser Pflicht befreien lassen. Ende 2019 meldeten bundesweit 14.750 Tankstellen ihre Preise an die MTS-K. Die drei größten Ketten sind Aral, Shell und Total.

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