merken
PLUS Wirtschaft

"Autozulieferer auf Zukunftspfad bewegen"

Der Bund hat ein Förderprogramm für die Autozulieferer aufgelegt. AMZ-Manager Dirk Vogel analysiert in seinem Gastbeitrag, was dies für Sachsen bringt.

AMZ-Netzwerkmanager Dirk Vogel hat für Sachsen am Transformationsdialog mit der Bundesregierung teilgenommen.
AMZ-Netzwerkmanager Dirk Vogel hat für Sachsen am Transformationsdialog mit der Bundesregierung teilgenommen. © PR

Die Förderrichtlinie ist Teil der des Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Transformation der Automobilindustrie, dass am 3.Juni 2020 verabschiedet wurde.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Im nachgelagerten „Transformationsdialog der Automobilindustrie der Bundesregierung“ wurden bis November vergangenen Jahres die relevanten Themen der Transformation in fünf Regionaldialogen mit Experten diskutiert, an dem auch das AMZ teilgenommen hat.

Beschlossen wurde eine „Offensive Fahrzeugindustrie 4.0“. Diese besteht aus drei Modulen:

a. einem Förderprogramm Modernisierung der Produktion als Schub für Produktivität und Resilienz für Investitionen in Umweltschutz, Einführung neuer Technologien und der Digitalisierung in der gesamten Lieferkette

b. einem Förderprogramm für die Entwicklung und Erprobung neuer Komponenten für die Mobilität von Morgen, dazu gehören ganze Fahrzeugkonzepte aber auch Software, Bauteile im elektrischen Antriebsstrang etc.

c. sowie einem Förderprogramm speziell für den Aufbau von Innovationsclustern.

Warum ist die Förderung der Automobilbranche gerade jetzt besonders wichtig?

Die Automobilindustrie über alle Stufen der Wertschöpfung und mit allen verbundenen Unternehmen, des Werkzeug- und Formenbaus, der produktionsnahen Dienstleistung sowie mit den Zulieferern und Fahrzeugherstellern selbst ist der Industrie-Wirtschaftszweig mit der größten Wirtschaftskraft und den meisten Arbeitsplätzen in Deutschland.

Corona-bedingt gab es im Jahr 2020 einen Einbruch von über 25 Prozent der Fahrzeugproduktion. Natürlich hat die Pandemie auch andere Branchen betroffen, allerdings befindet sich die Automobilbranche seit drei Jahren in einer massiven Transformation, der Mobilitätswende hin zur Elektromobilität, die schon selbst eine enorme Kraftanstrengung erfordert, mit hohen Investitionen einerseits und nicht ausgelasteten Produktionsanlagen andererseits. Schließlich waren bisher die Motor- und Getriebe Kernkompetenzen des deutschen Automobilbaus.

Warum ist die Förderung von Zukunftsclustern ein wichtiger Baustein?

Kleine Unternehmen haben im Normalfall keine „Vorentwicklung“ oder „Technologie Scouting“. Für wichtige Themen wie der Einführung des „digitalen Zwillings“, die klimaneutrale Produktion, neue Produkte und Prozesse bei der Herstellung von E-Fahrzeugen, Connectivity, ressourcenschonende und recycelbare Materialien fehlen Ressourcen und vor allem das Wissen. Die Förderrichtlinie schafft die Grundlage, dass sich Zulieferer mit Forschungseinrichtungen, dem Werkzeug- und Maschinenbau sowie produktionsnahmen Dienstleistern zusammenfinden und in Innovationsprozessen diese Themen bearbeiten. Es sollen sich „regionale Innovationscluster“ bilden, die entsprechend der in der Region vorhandenen Kompetenzen neue Produkte und Prozesse entwickeln, Ideen austauschen, neue Wertschöpfungsketten bilden. Die Cluster sollen Reallabore und Experimentierfelder aufbauen und gemeinsam betreiben und letztendlich neue Arbeitsplätze schaffen für die Menschen, deren Arbeitsplätze im Antriebsstrang verloren gehen.

Die hier vorgestellte Richtline „Regionale Innovationscluster zur Transformation der Fahrzeugindustrie“ hat zum Ziel, speziell das Clustermanagement anteilig zu finanzieren, das heißt die Menschen, die als Mittler den Informationsaustausch organisieren. Die neutrale Plattform ist enorm wichtig, da die Unternehmen der Branche in einem harten internationalen Wettbewerb stehen, und sich nicht zwingend zu neuen Produkten und Prozessen austauschen, für die sie sich einen Vorteil im Wettbewerb erarbeiten wollen.

Wichtig war in der Erarbeitung der Richtlinie, dass sowohl neue Cluster gegründet werden können als auch bestehende etablierte Cluster und Vernetzungsstrukturen Ihr Tätigkeitsfeld erweitern können. Gewünscht wird eine maximale Geschwindigkeit in der Transformation. Es soll möglichst wenig Zeit für die Schaffung neuer Strukturen verloren gehen.

Der Schwerpunkt liegt auf der Befähigung der kleinen und mittleren Unternehmen, deshalb wird ganz bewusst eine Mindestgröße von 30 Prozent KMU an den Mitgliedern der Cluster gefordert.

Die Förderhöhe wurde im Rahmen der Regionaldialoge sehr intensiv diskutiert. Beschlossen wurde ein Zuschuss für die Betriebskosten des Clusters sowie Investitionen in eine Clusterinfrastruktur in Höhe von maximal 50 Prozent. Der Grundgedanke dafür ist, dass sich nur solche Cluster bilden, die konkrete Themen bearbeiten, für die eine tatsächliche Nachfrage besteht. Denn alle Partner müssen immer die verbleibenden 50 Prozent selbst aufbringen. Durch dieses unternehmerische Engagement ist der tatsächliche Transfer in die Praxis, in die Produktion sichergestellt.

Dies zwingt alle Partner, sich genau zu überlegen, welche Idee, welches Projekt zukunftsweisend ist und damit ein finanzielles Engagement lohnt und welche nicht. Außerdem wird damit vermieden werden, dass sich Verbünde nur aufgrund einer hohen finanziellen Förderung bilden. Auch deshalb wird im Antragsverfahren auch der Nachweis des qualifizierten Personals für diese Tätigkeit gefordert sowie ein Zeitplan, um möglichst schnell die konkrete Arbeit aufzunehmen.

Bringt die Förderung etwas für Sachsen?

Die sächsische Automobilindustrie und Zulieferstruktur unterteilt sich in große Konzernstandorte sowie viele kleine und mittelständischen Unternehmen mit einer Beschäftigung kleiner 250 Mitarbeiter. Während es in den Konzernzentralen eigenen Strategieabteilungen gibt, ist die Transformation für die KMU in Sachsen eine riesige Herausforderung.

Sachsen hat eine lange Tradition im Automobilbau und dort vor allem im Antriebsstrang, also in dem Bereich, in dem aktuell die meisten Arbeitsplätze verloren gehen. Hier ist eine sehr schnelle Reaktion notwendig, typische Fragender Firmen sind: Gibt es im Batteriekasten Umformteile? Welche Bauteile können meine Drehmaschinen zukünftig herstellen? Wie kann ich Elektronik und Sensorik in meine Kunststoffteile integrieren?

Diese Fragen sind oft nicht einfach zu beantworten, Geld und Zeit für Versuche sind knapp. Hier kann die Clusterförderung helfen, die sächsischen Zulieferer auf einen Zukunftspfad zu bewegen.

Grundsätzlich ist Sachsen gut aufgestellt. Große Halbleiterstandorte kombiniert mit vielen jungen Unternehmen aus dem Bereich der Software, Sensorik und Elektronik hat viel Zukunftspotential. Auch hier müssen aber Cluster eine Mittlerrolle einnehmen, um die Firmen und Themen zu identifizieren.

Sachsen ist aktuell Schwerpunktland der E-Mobilität in Deutschland. Die Förderung hilft, viele Unternehmen auf Ihrem Weg in die Zukunft zu begleiten. Voraussetzung ist, dass wir die Kompetenzen auch in den Clustern bündeln, um effizient und schnell zu sein.

Zum Autor: Dirk Vogel ist Geschäftsführer des RKW Sachsen und Netzwerkmanager des sächsischen Autozulieferernetzwerks AMZ. Er hat für den Freistaat am Transformationsdialog der Bundesregierung teilgenommen.

Mehr zum Thema Wirtschaft