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Bahn und EVG einigen sich auf Lohnplus von 1,5 Prozent

Die Jobs sind bis 2023 sicher. Nur die Lokführergewerkschaft GDL macht nicht mit. Aber warum?

Bahn-Mitarbeiter bekommen etwas mehr Geld.
Bahn-Mitarbeiter bekommen etwas mehr Geld. © dpa/Gero Breloer

Dresden. Für die meisten der 215.000 Beschäftigten bei der Deutschen Bahn (DB) sollen die Löhne und Gehälter erst im Januar 2022 und nur um 1,5 Prozent steigen. Auf einen solchen Sanierungstarifvertrag habe sich der Konzern mit der Gewerkschaft EVG geeinigt, teilt die DB am Freitag mit. Mit der vorgezogenen Regelung - eigentlich gilt ein Vertrag bis Februar 2021 - könne der hohe Verlust durch die Pandemie gemildert und weiter in Personal, Qualifizierung und Einstellungen investiert werden.

Im Gegenzug schließt die Bahn betriebsbedingte Kündigungen bis zum Ende der Laufzeit Ende Februar 2023 aus. Und sie sagt in den nächsten zwei Jahren je 18.000 Einstellungen zu, darunter 4.400 Lehrlinge. Personalvorstand Martin Seiler spricht vom „besonderen Zeichen der Verantwortung“. Ende Mai hatten EVG, Betriebsrat, DB und Bundesverkehrsministerium einen Solidarbeitrag aller vereinbart. Zum Paket gehören auch Regelungen zu Corona-bedingter Kinderbetreuung oder Pflege naher Angehöriger, günstige Jobtickets und ein neuer Fonds für berufliche Mobilität und berufsnahes Wohnen. Für die 6.000 Bus-Mitarbeiter gibt es zunächst 2,6 und 2022 weitere 1,5 Prozent mehr Geld und einmalig 1.000 Euro. Die DB hat in Sachsen rund 13.000 Mitarbeiter.

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Die kleinere Lokführergewerkschaft GDL hatte sich dem Pakt verweigert. Ein pauschaler Kündigungsschutz sei „das völlig falsche Signal“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag zur SZ. Schon jetzt dauere es laut Sachsens Arbeitsagentur 178 Tage, bis eine Lokführerstelle besetzt werde, überhaupt fehle Personal.

Stattdessen gebe es „eine überbordende Verwaltung“, moniert der Gewerkschafter. Und die DB versenke Steuergeld im Ausland, etwa in Hafenanlagen in China. Corona sei nicht Ursache des Problems, das Virus zeige es nur auf. „Wir steigen erst in einen Sanierungstarifvertrag ein, wenn sich der Konzern neu aufgestellt hat“, so Weselsky. Er sieht im EVG-Deal „eine Steilvorlage für die eigene Tarifrunde“ im Frühjahr: „Für uns wird es definitiv mehr geben.“

Die Verluste infolge der Pandemie könnten dadurch gemildert werden, teilte die Bahn mit. Personalvorstand Martin Seiler sagte: "Das gibt uns Spielraum, um Zukunftsthemen voranzubringen."

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So soll die Einstellungsoffensive weitergehen. Nach 25.000 in diesem Jahr sollen in den nächsten beiden Jahren jeweils 18.000 neue Leute eingestellt werden. Abgänge abgezogen wüchse die Belegschaft 2021 und 2022 so jeweils um etwa 2.000. Die Personalfrage sei die rote Linie der Tarifverhandlungen gewesen, hieß es bei der EVG. Sie sprach von einem Erfolg.

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