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Bahnstreik: Raffiniert aber überflüssig

Die Lokführer wollen im Sommer streiken. Das ist möglicherweise effektiv, auf lange Sicht aber unklug. Ein Kommentar.

Bei der Deutschen Bahn rücken Streiks der Lokführer mitten in der Ferienzeit näher.
Bei der Deutschen Bahn rücken Streiks der Lokführer mitten in der Ferienzeit näher. © Julian Stratenschulte/dpa

Von Björn Hartmann

Sehr raffiniert, wie die Lokführergesellschaft GDL im aktuellen Tarifstreit mit der Bahn vorgeht. Sie will ihre Arbeitskampfmaßnahmen vorstellen und praktisch jeder rechnet mit Warnstreiks. Das zeigt, wie groß die Angst vor der Macht der Lokführer ist.

Dann anzukündigen, jetzt erst einmal die Mitglieder zu befragen und die Streiks zu verschieben, zeigt großes taktisches Kalkül: Die Bundesbürger sind erleichtert, dass es sie nicht trifft. Jedenfalls nicht sofort, wo doch die Pandemie gerade abebbt und viele verreisen wollen. Die Bahnführung ist überrascht, weil sie mit Schlimmerem gerechnet hat. Und die Gewerkschaft bestimmt das weitere Vorgehen, in dem sie nicht tut, was alle erwarten, und geradezu gönnerhaft weitere Wochen für Verhandlungen anbietet – natürlich nur zu ihren Bedingungen.

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Die übliche Kampfrhetorik

Der Druck ist hoch, denn es ist klar: Im August wird es ernst, mitten in der Ferienzeit in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen. Und ziemlich nah an der Bundestagswahl im September.

Dabei wären Streiks unnötig. Denn es geht in diesem Konflikt nur vordergründig um Arbeitszeit und Geld. Angebot und Forderung liegen nicht sehr weit auseinander. Streicht man die übliche Kampfrethorik auf beiden Seiten könnten sich Bahn und Gewerkschaft zügig einigen.

Zugeständnisse sind nötig

Es geht vielmehr um Macht und das Überleben einer kleinen Spartengewerkschaft, die den Anspruch hat, wie die zweite, deutlich größere Gewerkschaft EVG alle zu vertreten, damit aber nicht recht durchdringt. An dieser Situation ändern weder ein üppiger Tarifabschluss noch wochenlange Streiks etwas, die die Bahnkunden nachhaltig vertreiben könnten.

Deutsche Bahn, EVG und GDL müssten miteinander reden und die Einflusssphären der Gewerkschaften im Konzern grundsätzlich abstecken – idealerweise moderiert. Es kann dauern, es sind Zugeständnisse nötig sowie Mut und Raffinesse – bringt dann aber die Bahn und auch die Kunden voran. (dpa)

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