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Streit um Löhne beim Bau: Arbeiter drohen mit Streik

Die Baupreise in Sachsen sind gestiegen wie nie. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, und die Bauarbeiter fordern Löhne auf West-Niveau. Bis Freitag soll eine Lösung her.

Von Tim Ruben Weimer
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Im Osten bekommen Bauarbeiter unter bestimmten Bedingungen geringere Löhne als im Westen. Die Bau-Gewerkschaft fordert eine Anpassung.
Im Osten bekommen Bauarbeiter unter bestimmten Bedingungen geringere Löhne als im Westen. Die Bau-Gewerkschaft fordert eine Anpassung. © Julian Stratenschulte/dpa

Berlin. Am Mittwoch sind Bauarbeiter aus allen Teilen Deutschlands in Berlin für höhere Löhne auf die Straße gegangen. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert eine Angleichung der Löhne und Gehälter im Osten an West-Niveau. In Ostdeutschland bekommt das Gros der Bauleute nur 12,85 Euro, den bundesweiten Mindestlohn für Hilfskräfte. Im Westen erhalten Facharbeiter 15,70 Euro. Die IG BAU fordert außerdem 5,3 Prozent mehr Gehalt für alle Beschäftigten im Bau. Die Arbeitgeberseite bietet drei Prozent an.

Autobahn-Baustellen könnten verzögert werden

Der Tarifkonflikt sei festgefahren, berichtet die Gewerkschaft. Im Herbst werde es unweigerlich einen Streik der Bauarbeiter geben, wenn bis Freitag keine Einigung zwischen der Gewerkschaft und den Verbänden des Baugewerbes und der Bauindustrie gefunden werde. Dieser werde auch Autobahnbaustellen betreffen. „Die Arbeitgeber blockieren seit Monaten“, sagt der Branchenvorstand der Gewerkschaft Carsten Burckhardt. „Und das, obwohl der Bau boomt und die Auftragsbücher voll sind.“

Probleme macht der Branche laut einer Verbandsumfrage auch der sich seit dem Frühjahr zuspitzende Fachkräftemangel. Im September konnten bundesweit 38 Prozent der Betriebe im Tiefbau nicht genügend Fachkräfte finden, im Tiefbau waren es 34 Prozent. Die Betriebe sorgten sich um den Nachwuchs, sagt Felix Leiss vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Die Belegschaft altere zunehmend und unter den Jungen habe das Handwerk ein geringes Ansehen. In Sachsen gibt es rund 6.800 Baubetriebe mit etwa 59.000 Mitarbeitern, seit 1997 hat sich die Zahl mehr als halbiert.

Baupreise in Sachsen gestiegen wie nie

Dazu kommen Engpässe beim Material und daraus resultierende Preiserhöhungen. Die werden auch auf die Häuslebauer umgelegt: Im August stiegen die sächsischen Baupreise für neue Wohnungen auf 15,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist das die höchste Verteuerung, die es in Sachsen je gab. Am meisten stiegen die Preise für Zimmer- und Holzbauarbeiten, sie kosten rund 50 Prozent mehr als 2020. Die Preisentwicklung hängt auch damit zusammen, dass die Mehrwertsteuer seit Anfang des Jahres wieder auf Normalniveau angehoben wurde.

IG-Bau-Vorsitzender Robert Feiger: "Das ist die letzte Chance für eine Einigung. Ansonsten wird es im Herbst unweigerlich einen Bau-Streik geben."
IG-Bau-Vorsitzender Robert Feiger: "Das ist die letzte Chance für eine Einigung. Ansonsten wird es im Herbst unweigerlich einen Bau-Streik geben." © dpa

Im Tarifkonflikt um die Löhne für Bauarbeiter hat die IG BAU die zentrale Schlichtungsstelle angerufen. Die Gespräche sollen bis Freitag laufen. Als Schlichter fungiert der Präsident des Bundessozialgerichts Rainer Schlegel.Streitpunkt ist vor allem die Forderung der Gewerkschaft nach einer Wegezeitentschädigung. „Die langen Anfahrten zur Baustelle für unsere Beschäftigten sind mit ein entscheidender Punkt“, sagt IG-BAU-Chef Feiger.

Die IG BAU will, dass je nach individuellem Anfahrtsweg mindestens ein halber Tarifstundenlohn als Ausgleich gezahlt wird. Die Arbeitgeber argumentieren damit, dass jeder Arbeitnehmer bereits pauschal 1.000 Euro pro Jahr als Zuschlag für Wegzeiten erhalte. Die Chancen für eine Einigung bis Freitag stünden laut Feiger bei 50 zu 50. (mit dpa)