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Illegal durch die Baustelle

In Rennersdorf ist die Hauptstraße dicht, da eine Brücke gebaut wird. Weil manche das Verbot ignorieren, gar Bauarbeiter beschimpfen, musste sogar die Polizei ran.

Für die neue Brücke in Rennersdorf muss auch die Hauptstraße gesperrt werden. Nur der Bus und Rettungsfahrzeuge dürfen durch.
Für die neue Brücke in Rennersdorf muss auch die Hauptstraße gesperrt werden. Nur der Bus und Rettungsfahrzeuge dürfen durch. © Matthias Weber/photoweber.de

Friedbert Dienel ist sauer. Weil der Landkreis die Brücke zwischen der Rennersdorfer Hauptstraße und der parallel verlaufenden Staatsstraße 144 - Am Eichler - saniert, ist nämlich auch die direkte Verbindung zwischen Rennersdorf und Berthelsdorf unterbrochen: Vollsperrung bis Ende November. Obwohl an der sehr engen Hauptstraße selbst nicht direkt gebaut wird, gähnt direkt daneben die große Baugrube für die neue Brücke. Baumaschinen und Bauarbeiter müssen die Straße nutzen, um die neuen Fundamente der Brücke zu fertigen.

Deshalb muss nun auch Dienel für seine Gartenbau-Firma nun seit Wochen Umwege in Kauf nehmen. 350 Euro Mehrkosten pro Woche würde ihn dies kosten, denn er müsse zum Gießen und Lüften mehrmals täglich in seine Gewächshäuser, rechnet er vor. Könnte er - so wie der Linienbus - da nicht einfach durchfahren? Mit einer Sondererlaubnis? "Die Baufirma ist von 7 bis 16 Uhr vor Ort, da kann man doch wenigstens danach die Anwohner durchlassen - oder wenigstens einige mit Sondergenehmigung", argumentiert er.

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Dass sich einige Autofahrer aus dem Ort immer wieder selbst im Geiste eine "Sondergenehmigung" ausstellen, die Sperrschilder ignorieren und einfach so durch die Baustelle fahren, hat sich inzwischen herumgesprochen: Die Polizei war bis Ende Mai bereits dreimal zu Kontrollen vor Ort. Wer am 24. und 31. März oder am 31. Mai einfach so durch die Baustelle durchgefahren ist, den stoppte die Polizei und verlangte 20 Euro Verwarngeld. Ein Auflauern und Abzocken sei das, empören sich manche. Die Kontrollen hatte laut Polizeidirektion der Landkreis veranlasst, nachdem er davon gehört hatte, dass sich Anwohner nicht nur nach Feierabend der Bauarbeiter, sondern auch während deren Arbeitszeit nicht an die Sperrung hielten.

"Manche Leute beschimpfen uns"

Frank Tischler, Bauleiter bei der Cunewalder Baufirma Neitsch, die vor Ort mit dem Brückenbau befasst ist, bestätigt auf Nachfrage die Situation. "Das Schlimme ist, dass manche Leute auch noch anhalten, uns beschimpfen und wir uns rechtfertigen müssen", sagt er. Dabei sei die Straße für den Durchgangsverkehr klar gesperrt, lediglich die Busse und Rettungsfahrzeuge haben eine Ausnahmegenehmigung. Sollte man hier mehr Ausnahmen zulassen, könnten die Bauarbeiten rasch länger dauern. "Derzeit liegen wir im Plan", sagt Tischler.

Doch für Veränderungen gibt es keinen Anlass: Grund für die rigorose Sperrung sind vor allem Sicherheitsaspekte, bestätigt Jens Ziegler, Sachgebietsleiter Straßen- und Tiefbau beim Landkreis. Das Gelände falle zur Baugrube sehr stark ab. Zudem ist die Straße generell so schmal, dass man einfach keine Umfahrung oder ausreichend Platz für die nötige Sicherheit gewährleisten könne. Mit Sicherheit ist dabei einerseits die der Bauarbeiter gemeint. Andererseits aber die der Autofahrer, denn auf der Baustelle werde mit schwerem Gerät gearbeitet, das auch mal ausschwenken könne. "Wenn da etwas passiert, besteht keinerlei Versicherungsschutz", betont Ziegler, der auch darauf verweist, dass es keine ausreichende Befestigung gebe und es damit schnell zu Reifenschäden kommen könne.

Busfahrer kommen zu festen Zeiten

Eigentlich wäre es das Beste gewesen, auch den Busverkehr nicht durch die Baustelle fahren zu lassen. Aber durch den neuen Fahrplan, der mehr Linien über diese Straße führt, wollte man nicht noch mehr Menschen durch die Baustelle vom Verkehr abschneiden. "Die Busfahrer kommen zu festen Zeiten, sie sind eingewiesen, wie sie sich verhalten sollen und da die Bauarbeiter das wissen, können sie die Baugeräte zu diesen Zeiten aus dem Weg bringen", betont Ziegler.

Zwar ist nach Feierabend dies kein Problem mehr - man könnte den Weg ja freiräumen - die Sicherheitsaspekte sprechen aber generell klar gegen eine Öffnung für den Anwohnerverkehr, betont Jens Ziegler. Auch die Frage, ob man Sondergenehmigungen ausstellen sollte, haben sowohl der Kreis als Bauherr als auch die Stadt Herrnhut, die in dem Fall entscheiden müsste, wer eine bekommen kann, klar abgelehnt. Herrnhuts Ordnungsamts-Chef Mirko Quauck stellt dabei die alles entscheidende Frage: "Wo fängt man an, wo hört man auf?" Sicher, betont auch er, an Kilometern sei die Umleitung oder ein anderer Weg durch den Ort ein Mehraufwand - je nachdem, wo man wohne. Zeitlich aber kaum. Hinzu kommt: Die Vollsperrung war auch bei einer gut besuchten Bürgerinformationsrunde zu Beginn der Arbeiten klar angekündigt und erklärt worden.

Mit seinem Wunsch auf Sondergenehmigung beißt Friedbert Dienel demnach wohl dauerhaft auf Granit. Ohnehin haben nicht alle Anwohner Verständnis für seine Haltung. Anke Kaczmarek, Stadträtin aus Berthelsdorf, kennt die Lage vor Ort und fährt derzeit selbst täglich eine andere, weitere Strecke zur Arbeit. "Ja, das ist dann halt so", sagt sie mit Nachdruck und dem Verweis auf viele andere Baustellen, wo es den Anwohnern genauso ergeht. Sie selbst erinnert sich noch an die 15 Monate Kreisstraßenbau in Berthelsdorf, wo auch viele Umleitungen fahren mussten. "Entweder wir machen was und bauen, oder wir lassen alles verfallen." Auf das Geld für diese Brücke - die marodeste im Kreis - habe man viele Jahre gewartet, weder Bus noch Traktor durften zuletzt darüber rollen. "Am Ende profitieren doch alle davon", sagt Frau Kaczmarek und verweist auf den katastrophalen Zustand der Hauptstraße generell, auf der es absehbar noch viele Baustellen geben wird.

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