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Steigende Baupreise bremsen den Wohnungsneubau

Die Baukosten steigen und steigen. Gewerbliche Bauherren treten auf die Bremse. Für manche privaten Hausbauer platzt der Traum von den eigenen vier Wänden.

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Ob Dachdeckerarbeiten oder Betonarbeiten: Die Baukosten steigen und steigen.
Ob Dachdeckerarbeiten oder Betonarbeiten: Die Baukosten steigen und steigen. © dpa

Wiesbaden/Berlin. Die Baubranche fürchtet angesichts rasant steigender Kosten um den Wohnungsbau in Deutschland. "Die seit Monaten stark gestiegenen Baumaterial- und somit Baupreise haben schon viele gewerbliche und private Hausbauer veranlasst, von ihren Projekten zurückzutreten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Tim Oliver Müller, am Donnerstag. Entweder die Projekte rechneten sich nicht mehr, oder die gestiegenen Baupreise und Zinsen sprengten das Haushaltsbudget, das ohnehin schon durch die explodierenden Energiekosten belastet sei.

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die Baupreise im August zwar etwas langsamer, das Niveau ist allerdings weiterhin hoch. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude legten gegenüber dem Vorjahresmonat um 16,5 Prozent zu. Im vorherigen Berichtsmonat Mai betrug der Zuwachs innerhalb eines Jahres noch 17,6 Prozent.

Gründe für die Kostensprünge sind unter anderem knappe und teure Materialien. Besonders stark war der Preisanstieg im August bei Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten (plus 19,6 Prozent), Tischlerarbeiten (plus 19,6 Prozent) sowie Betonarbeiten (plus 18,2 Prozent). Die Angaben beziehen sich auf Bauleistungen am Bauwerk einschließlich Mehrwertsteuer.

Müller zufolge gaben Mitte September 17 Prozent der beim Ifo-Konjunkturtest befragten Wohnungsbauunternehmen an, von Stornierungen betroffen zu sein. Das sei der höchste Anteil seit dem Jahr 2012, als die Frage erstmals gestellt wurde. Auch rückläufige Ordereingänge bereiten der Branche Sorge. "Es muss mit allen Mitteln verhindert werden, dass der Wohnungsbau zum Erliegen kommt", mahnte Müller. Nicht nur aus konjunkturellen Gründen, sondern weil der dringende Bedarf an Wohnraum, gerade im sozialen Bereich, gedeckt werden müsse.

Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag 400.000 neue Wohnungen jährlich vorgenommen. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) bekräftigte jüngst das Ziel trotz des schwierigen Umfelds. Fachleute aus der Immobilienbranche erwarten in diesem Jahr allerdings einen Rückgang des Neubaus.

Müller forderte eine Förderung bei Neubau und Sanierung sowie steuerliche Investitionsanreize. Notwendig sei auch eine Senkung der Baukosten durch den Einsatz industrieller Fertigungsmethoden sowie eine Vereinheitlichung der Landesbauordnungen. (dpa)