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Bauen um jeden Preis?

Die Wohnungs-Branche im Osten hält davon nichts, will mehr Rückhalt für bezahlbare Mieten. Kosten könnten durch weniger Bürokratie gesenkt werden.

Wohnen und Mieten sollten Chefsache werden – mit eigenen Ministerien im Bund und in den Ländern. Das fordern die Spitzenverbände der Wohnungswirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Wohnen und Mieten sollten Chefsache werden – mit eigenen Ministerien im Bund und in den Ländern. Das fordern die Spitzenverbände der Wohnungswirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. © imago images

Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft im Osten fordert, die Themen Wohnen und Bauen in der nächsten Bundesregierung zur Chefsache zu machen. Mieten und Wohnen sollten nicht länger ein Anhängsel des Bundesinnenministeriums bleiben, sondern im Kanzleramt oder einem eigenständigen Ministerium vertreten werden, sagte der Ehrenpräsident des IVD-Immobilienverbands Mitte-Ost, Karl-Heins Weiss.

Zur Kritik an Immobilienspekulationen, die Wohnungspreise und Mieten in die Höhe treiben, erklärte Weiss: Auch die öffentliche Hand wie Bundesländer und Kommunen würden mit ihren Grundstücken auf höhere Preise setzen, nicht nur private Unternehmen. Dieser Aspekt sei aber nur ein sehr kleiner Ausschnitt des Problems. Derzeit würden vor allem immer neue politische wie technische Auflagen beim Bau und Betrieb von Immobilien den Mietern, Vermietern und dem Wohnungsmarkt insgesamt schaden, so die Verbände. Die Investitionsfähigkeit für Sanierungen und Neubau würden stark eingeschränkt, die Unsicherheit für neue Vorhaben erhöht. „Kaum eine Branche ist so von Regulierungswut betroffen wie wir“, sagte Alexander Müller vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen. „Wir brauchen Zuschüsse und Förderung ohne Bedingungen und die Rückkehr zu einer Sachpolitik, die eher fördert statt reguliert.“ Wohnkosten sollten durch Bürokratieabbau gesenkt und die CO2-Preise sozial tragbar gestaltet werden.

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Als „völligen Unsinn“ bezeichnet Mirjam Luserke, Vorständin des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), die Pläne von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, jedes Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Viele ihrer Mitgliedsunternehmen in Sachsen hätten einen Leerstand von mehr als zehn Prozent, manche sogar von 20 Prozent und mehr. „Wir brauchen keinen Neubau um jeden Preis, sondern nur dort, wo es passt, und auch nur sehr ausgewogen“, betonte Luserke.

Ohnehin sei fraglich, wer diesen Bauumfang bezahlen solle. „Wir sind froh, wenn unsere Wohnungen vermietet werden.“ Der größere Teil der Mieter in den 300.000 Wohnungen des Verbandes lebe in ländlichen Räumen außerhalb Dresdens und Leipzigs zu einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 4,81 Euro – und nicht von 17 Euro. Das oft plakatierte Schlagwort vom „Mietenwahnsinn“ passe nicht in die Landschaft, sagte Luserke. Allerdings werde es für Bedürftige immer schwieriger, passenden Wohnraum zu finden, weil Kommunen die Kriterien für die Angemessenheit nicht ausreichend anpassen.

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