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Bauen und Wohnen

Studie legt schlechte Energiebilanz von deutschen Wohnhäusern offen

Noch viel zu wenige Wohngebäude weisen positive Energiekennwerte auf. Der Nachholbedarf ist riesig.

© pixabay.com/ulleo (Symbolfoto)

Die Bundesregierung plant einen klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland bis zum Jahr 2045. Gebäude sollen bis dahin nur noch einen sehr geringen Energiebedarf aufweisen. Einer aktuellen Studie des Immobilienportals McMakler zufolge, ist der Weg zu diesem klimapolitischen Ziel noch lang.

Eine Auswertung von Energiekennwerten der über das Portal vermarkteten deutschen Wohnhäuser aus dem dritten Quartal 2021 zeigt: Bislang weisen nur 13 Prozent der ausgewerteten Immobilien in Deutschland die besten Energiekennwerte A, A+ oder B auf. Zudem zeigt eine von McMakler in Auftrag gegebene Online-Umfrage, dass nur jeder vierte Immobilienbesitzer in Deutschland die Energieklasse seiner Immobilie überhaupt kennt.

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In Deutschland sind rund 64 Prozent aller Wohngebäude vor 1979 gebaut worden. Dabei verbrauchen gerade diese Bestandsbauten am meisten Energie. Das unterstreichen auch die Daten: Demnach weisen 66 Prozent aller Häuser, die vor 1979 gebaut wurden, die schlechtesten Energieklassen F, G oder H auf. Die beste Energieeffizienz haben Gebäude, die nach 2010 gebaut wurden. 71 Prozent dieser Neubauten werden mit den positiven Kennwerten A, A+ oder B bewertet.

Große regionale Unterschiede bei Energiekennwerten

Im deutschlandweiten Vergleich schneiden die Bundesländer Baden-Württemberg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen hinsichtlich der Energieeffizienz ihres Gebäudebestands am besten ab. In Baden-Württemberg und Hamburg werden rund 17 Prozent aller Energieausweise mit dem Energiekennwert A+, A oder B ausgezeichnet, in Nordrhein-Westfalen sind es 15 Prozent.

Die beiden energetisch schlechtesten Kennwerte G und H treten am häufigsten in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern (42 Prozent), Berlin (39 Prozent) und Thüringen (36 Prozent) auf.

Eine mögliche Erklärung für die Unterschiede in der Energieeffizienz der jeweiligen Gebäudebestände der Bundesländer ist das Verhältnis von Neubau- und Bestandsimmobilien. Die Analyse stellt fest, dass Baden-Württemberg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen einen vergleichsweise hohen Anteil an Neubauten aufweisen. Dieser deckt in allen drei Bundesländern bis zu 8 Prozent des Gesamtbestandes ab. Hingegen liegt der Anteil in diesem Bereich in Mecklenburg-Vorpommern bei gerade einmal 3 Prozent, in Berlin bei 6 Prozent.

Thüringen stellt eine Besonderheit dar: Mit 13 Prozent weist das Land den höchsten Neubau-Anteil unter allen Bundesländern auf. Doch auch bei den besonders alten Gebäuden ist Thüringen im Bundesländervergleich Spitzenreiter: 32 Prozent aller ausgewerteten Wohngebäude sind 100 Jahre alt oder sogar älter. Die tendenziell schlechte Energieeffizienz dieser alten Gebäude ist Grund für das schlechte Abschneiden des Landes.

Geringes Interesse an staatlichen Programmen

Im ersten Halbjahr 2021 betrug die Fördersumme des Programms "Energieeffizient Bauen und Sanieren" der KfW-Bank rund 19,2 Milliarden Euro. Dabei fließen hohe Fördersummen insbesondere in den Neubau. Einer von McMakler in Auftrag gegebenen YouGov-Umfrage zufolge stoßen staatliche Sanierungs- und Modernisierungsprogramme bei Privateigentümern bislang auf wenig Interesse.

Gerade einmal 23 Prozent geben an, bereits Förderungen für die Sanierung ihrer Immobilie bezogen zu haben. 43 Prozent der Befragten haben hingegen noch nie eine staatliche Förderung in Anspruch genommen und planen es auch nicht in den kommenden Jahren.

"Unsere Analyse zeigt, wie stark sich die Energiekennwerte von Neubau- und Bestandsimmobilien unterscheiden. Deshalb ist es für den Kampf gegen den Klimawandel wichtig, dass hohe Fördersummen in den Neubau fließen. Allerdings müssen auch Programme für die energetische Sanierung von Bestandsbauten noch stärker finanziell gefördert werden, um nachhaltiges Wohnen zu ermöglichen. Dies wird ein wichtiger Baustein für das Erreichen der klimapolitischen Ziele der Bundesregierung sein ", sagt Felix Jahn, CEO und Gründer von McMakler.

Nur wenige Eigentümer kennen Energieklasse

Die weiteren Ergebnisse aus der Umfrage zeigen, dass Immobilienbesitzer in Deutschland sich bisher wenig mit der Energieeffizienz ihres Eigenheims auseinandergesetzt haben. Fast die Hälfte (44 Prozent) der befragten Eigentümer kennt die Energieeffizienzklasse ihrer Immobilie nicht. 30 Prozent der Immobilieneigentümer geben an, dass sie ihre Energieklasse lediglich ungefähr einschätzen können.

Allerdings scheint gleichzeitig eine gute Energieeffizienz eine wichtige Rolle beim Immobilienkauf zu spielen: Fragt man Eigentümer nach der Relevanz der Energieeffizienz ihrer Immobilie, stufen 65 Prozent diese mit wichtig bis sehr wichtig ein. Über ein Drittel der Befragten verneint die Frage, ob sie eine Immobilie in einer guten Lage kaufen würden, die aber eine schlechte Energieeffizienzklasse aufweist. (ots)

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